Ein Blick vom Belfried, ein Altarbild aus 18 Tafeln und Sammlungen, die von mittelalterlicher Kunst bis zur Industriegeschichte reichen: Gent bietet verschiedene Zugänge zu Kultur und Stadtgeschichte. Bei der Planung können Sie Schwerpunkte setzen – etwa auf Architektur und sakrale Kunst, Alltagsgeschichte, moderne Kunst oder eine Fahrt auf den Binnengewässern. Für Bewegung draußen gibt es außerdem unterschiedliche Streckenlängen, von einer verkürzten Stadssafari bis zur Runde um die Watersportbaan.
Belfried, Burg und Genter Altarbild
Im Genter Belfried führt der Besuch vom tiefer gelegenen Secreet bis zur Galerie ganz oben. Von dort reicht der Blick über die Stadt in alle vier Himmelsrichtungen. Auch das Glockenspiel gehört zum Besuch: Es hat 54 Glocken und wiegt insgesamt mehr als 30 Tonnen. Der Belfried ist als UNESCO-Welterbe anerkannt. Wer sich für ein anderes Geschichtsdenkmal interessiert, findet im Gravensteen einen Videoguide in flämischer oder internationaler Gebärdensprache. Das Angebot kann sich ändern; prüfen Sie die aktuelle Verfügbarkeit vor Ihrem Besuch.
Das Genter Altarbild der Brüder Van Eyck wurde 1432 enthüllt. Seine 18 Tafeln stellen eine biblische Vision dar. Im Besucherzentrum der Sint-Baafskathedraal werden das Werk und die Kathedrale mithilfe einer Augmented-Reality-Brille erlebbar gemacht; auch dieses Angebot kann sich ändern. So stehen in Gent unterschiedliche Zugänge zu Kunstgeschichte nebeneinander: das Altarbild mit seiner langen Entstehungsgeschichte und die digitale Vermittlung im Besucherzentrum.
Stadtgeschichte in Gebäuden und Sammlungen
Das Huis van Alijn widmet sich Bräuchen, Traditionen und Ritualen aus der jüngeren und ferneren Vergangenheit. Es befindet sich im einzigen erhaltenen Genter Godshuis – einer karitativen Einrichtung zur Versorgung armer, kranker und älterer Menschen. Das Gebäude und sein früherer Zweck geben dem Blick auf Alltagsgeschichte einen eigenen Rahmen. Das STAM, das Stadtmuseum Gent, bietet einen breiteren zeitlichen Überblick: Es erzählt Gents Geschichte vom Mittelalter bis heute anhand von Sammlungsstücken und interaktiven Multimedia-Angeboten.
Auch die Architektur des STAM verbindet verschiedene Epochen: Zum Museum gehören eine Abtei aus dem 14. Jahrhundert, ein Kloster aus dem 17. Jahrhundert und ein Neubau aus dem 21. Jahrhundert. Eine Luftaufnahme erschließt Gent dort mithilfe einer multimedialen Anwendung im Detail über vier Jahrhunderte hinweg. Das Huis van Alijn richtet den Blick dagegen auf Bräuche und Rituale. Der Vergleich hilft bei der Auswahl eines Schwerpunkts: Alltagsgeschichte oder ein weiter gefasster Überblick über die Entwicklung der Stadt.
Kunst und Wissen nebeneinander
Das Museum voor Schone Kunsten Gent (MSK) ist das älteste Museum Belgiens. Seine Sammlung reicht von Jeroen Bosch über Rubens bis Magritte und umfasst Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen, Radierungen und Tapisserien vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Das S.M.A.K. setzt einen anderen zeitlichen Schwerpunkt: Es wurde 1999 gegründet, und seine Sammlung umfasst mehr als 5.000 Kunstwerke aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute. Zum S.M.A.K. gehört außerdem das Broodthaerskabinet, eine permanente Präsentation von Kunstwerken, Editionen, Büchern und Archivstücken von Marcel Broodthaers.
Das Gents Universiteitsmuseum (GUM) erweitert den Blick über die Kunstmuseen hinaus. Seine Sammlung umfasst Disziplinen von Biologie und Archäologie bis Psychologie und Medizin. Das GUM liegt mitten in der Genter Universitätsplantentuin, in der Nähe des MSK und des S.M.A.K. Damit stehen unterschiedliche Sammlungsinteressen im Vordergrund: Kunst vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert, Nachkriegskunst bis zur Gegenwart und wissenschaftliche Fachgebiete.
Beginenhof, Garten und Industriegeschichte
Das Klein Begijnhof O.L.V. Ter Hoyen ist das besterhaltene Beginenhofensemble aus der Zeit vor der Französischen Revolution. In der Sint-Pietersabdij ist der Innenhof eine Rekonstruktion nach historischen Vorbildern auf einem im 18. Jahrhundert angelegten Terrassengarten. Am Hang zur Schelde stehen im Garten Weinreben. Diese Orte setzen unterschiedliche Akzente: das erhaltene Beginenhofensemble einerseits, die Gestaltung des Abteigartens und seine historische Anlage andererseits.
Im Industriemuseum wird das frühere Fabrikleben und die industrielle Vergangenheit Gents vermittelt. Zu sehen ist weiterhin die Spinnmaschine „Mule Jenny“, auch „Spinning Mule“ genannt. Das Museum beherbergt zudem Europas älteste erhaltene Zwirnmühle aus dem Jahr 1789 und eine Druckwerkstatt mit funktionierenden Druckpressen. Maschinen, Werkstatt und Fabrikgeschichte bieten einen anderen Zugang zur Stadt als die Kunstsammlungen oder die historischen Bauensembles.
Strecken und Fahrten auf dem Wasser
Auf den Genter Binnengewässern werden verschiedene Bootstouren angeboten; die Kapitäne führen während der Fahrt in mehreren Sprachen. Betreiber und Angebot können sich ändern, daher ist es sinnvoll, vor der Fahrt den aktuellen Fahrplan zu prüfen. Für eine Tour zu Fuß gibt es die Stadssafari in einer verkürzten Variante von 4 km und einer vollständigen Variante von 6,5 km. Sie beginnt unter der Stadthalle, kann aber auch an jedem anderen Punkt gestartet werden.
Eine Runde um die Watersportbaan ist genau 5 km lang. Die Längenangaben machen die unterschiedlichen Streckenoptionen vergleichbar, ohne eine Gehzeit vorzugeben. Da Arbeiten oder Wartung Details der Stadssafari verändern können und sich auch die Bedingungen an der Watersportbaan-Runde ändern können, prüfen Sie vor dem Losgehen die aktuellen Routenhinweise. Die Familienwanderung „Het Geluidenspel“ beginnt und endet am Huis van Alijn – eine weitere Möglichkeit, eine Route mit einem konkreten Ziel in Gent zu verbinden.
Weitere Reiseziele entdecken: Sint-Amandsberg, Gentbrugge, Ledeberg, Drongen, Moerbeke-Waas, Wetteren, Denderleeuw, De Pinte.
Zur übergeordneten Reiseübersicht: Ostflandern.