Bei der Planung eines Aufenthalts in Kemmel lassen sich zwei Themen gut unterscheiden: die politischen und militärischen Zeitschichten sowie die Landschaft des Kemmelbergs. Der Command Bunker steht für den Kalten Krieg; die Kemmelbergwandelroute führt über Feldwege und Weinberge zu einem steilen Anstieg auf den Gipfel. Hinzu kommen Gedenkstätten zum Ersten und Zweiten Weltkrieg, eine ältere Dorfgeschichte und ein saisonaler Naturbezug. So reicht die Auswahl an Themen von historischer Einordnung bis zu einer Wanderung mit benannten Landschaftsabschnitten.
Militärgeschichte und Gedenken
Der Command Bunker wurde Anfang der 1950er-Jahre als Gefechtsstand eines internationalen Luftverteidigungssystems errichtet. Anschließend wurde er mit umfangreichen modernen Kommunikationssystemen für Übungen oder für den Fall einer Krise oder eines Konflikts ausgestattet. Die erhaltene Ausrüstung, die Einbauten und die Ausstattung zeugen von einem halben Jahrhundert der Spannungen zwischen Ost und West. Bauzeit, ursprüngliche Funktion und spätere technische Ausstattung geben damit Einblick in die militärische Geschichte des Kalten Krieges.
Der Kemmel Chateau Military Cemetery ist ein britischer Militärfriedhof mit Toten aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Das französische Massengrab „Ossuaire français“ setzt einen anderen, auf den Ersten Weltkrieg bezogenen Akzent. Es besteht aus vier Massengräbern, in denen 5.294 französische Soldaten ruhen; 57 von ihnen sind identifiziert. Das Denkmal erinnert an die französische Präsenz im Ersten Weltkrieg und gedenkt der zahlreichen französischen Verluste in der Schlacht um den Kemmelberg von 1918. Der britische Friedhof erinnert an Tote aus zwei Kriegen, während die Gedenkbedeutung des Ossuaire français an eine konkrete Schlacht und das Jahr 1918 gebunden ist.
Der Dries, der Dorfplatz von Kemmel, war zunächst eine gemeinsame Weide. Im späten Mittelalter wurde dort Kaatsen gespielt, das damals sehr beliebt war. Das Kemmel American Monument liegt nahe Vierstraat an der Kemmelbergstraße und überblickt das umkämpfte Schlachtfeld von Ypern. Die permanente Ausstellung trägt den Titel „Landschap en oorlog: Het Heuvelland 1914-1918“. Gemeinsam mit der Geschichte des Command Bunkers eröffnet sie eine zeitliche Perspektive vom Ersten Weltkrieg bis zum Kalten Krieg.
Wanderung und Landschaft am Kemmelberg
Die Kemmelbergwandelroute beginnt am Besucherzentrum „Het Heuvelland“, Sint-Laurentiusplein 1, 8956 Kemmel. Sie führt über Feldwege und durch Weinberge zum Monteberg mit 131 m und anschließend steil hinauf zum Gipfel des Kemmelbergs. Dieser ist 156 m hoch und gilt als höchste Erhebung Flanderns. Wer die Tour in die eigene Tagesplanung einbezieht, sollte den ausdrücklich steilen Schlussanstieg als Teil des Weges berücksichtigen.
An den Hängen des Kemmelbergs blühen im April und Mai üppig violette Hasenglöckchen. Wenn die Blüte für Ihre Reise eine Rolle spielt, sind diese beiden Monate der maßgebliche Zeitraum. Auf dem Kemmelberg steht außerdem die Belvedèretoren, ein geschütztes Denkmal. Der Turm liegt 170 m über dem Meeresspiegel und bietet eine Fernsicht von bis zu 40 km. So stehen am selben Berg ein saisonaler Naturbezug und eine benannte Aussicht nebeneinander.
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