Widdig verbindet Rheinlandschaft mit einer vielschichtigen Ortsgeschichte. Von den Rheinterrassen bietet sich nach Süden der Blick auf den Rhein, die Insel Herseler Werth, Bonn und das Siebengebirge. Hinzu kommen die Pfarrkirche St. Georg, der Bezug zum linksrheinischen Jakobsweg und die jährlich stattfindende Georgs-Prozession. Landschaft, Baugeschichte und eine lang überlieferte Tradition setzen unterschiedliche Schwerpunkte.
Rheinblicke und Wegbezüge
Der Blick von den Rheinterrassen umfasst nach Süden Fluss, Insel, Stadt und Gebirge. Ein konkreter Routenbezug kommt hinzu: Der Radfernwanderweg Duisburg–Köln–Bonn–Mainz ist in Widdig Teil des linksrheinischen Jakobswegs. Das Gebiet um das Gestüt Aluta wird von Spaziergängern, Radfahrern und Sportlern genutzt. So stehen eine benannte Fernradroute mit Jakobswegbezug und die Freizeitnutzung eines örtlichen Gebiets als unterschiedliche Anknüpfungspunkte nebeneinander.
St. Georg und die Baugeschichte
An der Römerstraße 63 befinden sich die Pfarrkirche St. Georg und das Pfarrhaus. Die Kirche wurde zwischen 1927 und 1929 als Saalkirche nach Plänen der Architekten Renard und van Geisten errichtet und ersetzte eine ältere Kapelle. Das Pfarrhaus stammt aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts: An derselben Adresse begegnen damit zwei verschiedene Bauzeiten.
Die frühere Kapelle stand näher am Rhein als das heutige Gotteshaus. Beim Hochwasser von 1784 wurde sie fortgerissen, als das unterspülte Steilufer abrutschte. Auch die Ausstattung von St. Georg verweist auf eigene handwerkliche und künstlerische Details: Die von der Bonner Orgelbauwerkstatt Johannes Klais gebaute „Typenorgel“ gilt als bedeutsam, weil Kleinorgeln aus dieser Zeit inzwischen selten sind. Die Fenster wurden zwischen 1986 und 1988 von der Werkstatt Oidtmann aus mundgeblasenem Glas angefertigt. Die „Schiffer-Fenster“ gestaltete der Glasmaler und Künstler Herb Schiffer; eingebaut wurden sie im Rahmen der Renovierung und Neuausstattung zwischen 1986 und 1989.
Tradition und Erinnerung
Widdig wird um das Jahr 898 in einer Schenkung des Grafen Alfwin an Sankt Cassius erwähnt. Eine weitere lange Zeitlinie prägt die Georgs-Prozession: Sie hat in der Pfarrei eine über 350-jährige Tradition und zieht jedes Jahr anlässlich des Patroziniums von Ende April bis Anfang Mai durch ganz Widdig. Die frühe Erwähnung und der jährlich wiederkehrende Festbrauch stehen für unterschiedliche historische Bezugspunkte des Ortes.
An der Germanenstraße 26 erinnern die 2010 verlegten Stolpersteine an Berta Rolef, geborene Kahn, und Abraham Rolef. Vier weitere Stolpersteine an derselben Adresse sind mit den Namen Sally Salomon Rolef, Else Rolef, Hans Rolef und Ruth Rolef sowie dem Jahr 2021 verbunden. Die beiden Jahresangaben unterscheiden die Verlegungen, ohne die Erinnerung an die sechs genannten Personen an verschiedene Orte zu verlagern.
Bornheim als regionaler Rahmen
Im übergeordneten Reiseziel Bornheim erstreckt sich der Rheinufersaum im Stadtgebiet über 4,5 Kilometer und dient der Naherholung; den Leinpfad nutzen Spaziergänger, Jogger, Skater und Radfahrer. Das Herseler Werth ist eine etwa 15 Hektar große Rheininsel und Naturschutzgebiet. Seit 1993 darf die Insel nicht mehr betreten werden; von den Rheinterrassen in Widdig ist sie zu sehen.
Auch der Natur-Kultur-Pfad gehört zu diesem größeren Rahmen: Er umfasst drei Einzeltouren in den Bornheimer Ortschaften Hersel, Uedorf und Widdig. Wer Widdig mit dem regionalen Kulturangebot zusammendenkt, findet so neben dem konkreten Rheinblick und den örtlichen Geschichtspunkten einen weiteren, über mehrere Ortschaften verteilten Bezug.
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