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Cuiry-Lès-Chaudardes bietet einen ungewöhnlichen zeitlichen Bogen: Neolithische Dorfspuren stehen neben einer Église mit Hauptbauphasen aus dem 12. bis 14. Jahrhundert. Die archäologischen Themen reichen von Hausgrundrissen bis zur Lage einer Fundstelle in der Aisne-Landschaft. Für die Einordnung des Ortes lohnt es sich, frühe bäuerliche Besiedlung, konkrete Hausmerkmale, Baugeschichte und spätere historische Bezüge getrennt zu betrachten.

Neolithische Dorfspuren und Hausformen

Die Ausgrabungen in Cuiry-Lès-Chaudardes zählen zu den beispielhaften Untersuchungen mehrerer neolithischer Dörfer in der Picardie. Die erste Phase der bäuerlichen Besiedlung der Region gehört zum danubischen Kulturkreis. Dazu zählen insbesondere das jüngere Rubané im Pariser Becken und die Kultur von Villeneuve-Saint-Germain. Diese kulturgeschichtliche Einordnung bildet einen größeren Rahmen; die Ausgrabungen in Cuiry-Lès-Chaudardes machen die Dorfplätze selbst zum Gegenstand archäologischer Untersuchungen.

Eine Bodenansicht eines danubischen Hauses in Cuiry-Lès-Chaudardes zeigt Pfostenlöcher und palisadenartige Trennwände. Pfostenlöcher markieren die Stellen, an denen Pfosten standen; die Trennwände geben dem Grundriss eine erkennbare Gliederung. Die neolithischen Häuser gelten allgemein als trapezförmig und weisen seitliche Gruben auf, die aus der Luft erkennbar sein können. So stehen einzelne Merkmale einer Bodenansicht neben einer allgemein beschriebenen Hausform und den seitlichen Gruben. Zusammen geben diese Details eine konkretere Vorstellung davon, welche Spuren bei der Untersuchung neolithischer Häuser eine Rolle spielen.

Fundstellen an der Aisne

Die archäologische Fundstelle Les Fontinettes–Les Gravelines liegt westlich von Cuiry-Lès-Chaudardes und erstreckt sich teilweise über die Gemeinde Beaurieux. Sie befindet sich am rechten Ufer der Aisne in einem großen Mäander, der eine Fläche von etwa 100 Hektar umschließt. Damit sind sowohl ihre Lage westlich von Cuiry als auch die landschaftliche Einbettung in eine Flussschleife Teil ihrer Beschreibung.

Auch Le Champ Tortu liegt am rechten Ufer der Aisne, und zwar auf einer nicht überschwemmbaren Niederterrasse. Die Gebäudegrundrisse dort helfen, eine Forschungslücke zwischen der Michelsberg-Zeit und dem jüngeren sowie dem späten Neolithikum zu schließen. Während bei den Hausbeschreibungen die Form und einzelne Baumerkmale im Vordergrund stehen, geht es hier um die zeitliche Einordnung der Grundrisse. Die Landschaftslage und die archäologische Deutung ergänzen einander, ohne dieselbe Frage zu beantworten.

Église und jüngere Geschichte

Die Église in Cuiry-Lès-Chaudardes ist als Monument historique klassifiziert. Der Erlass zur Klassifizierung datiert vom 16. Oktober 1922. Ihre Hauptbauphasen stammen aus dem 12., 13. und 14. Jahrhundert. Die drei Jahrhunderte markieren mehrere wesentliche Bauphasen statt eines einzigen Bauzeitpunkts. Damit stehen für den Ort mittelalterliche Baugeschichte und neolithische Besiedlung als deutlich verschiedene Zeitrahmen nebeneinander.

Ein späterer historischer Bezug führt in den Ersten Weltkrieg: Im Januar 1918 fanden zwischen Vassogne und Cuiry-Lès-Chaudardes Arbeiten an einer zweiten Verteidigungslinie statt. Diese Episode ergänzt die archäologischen und baulichen Themen um einen konkreten Bezug aus dem 20. Jahrhundert.

Ein rekonstruierter neolithischer Bauernhof

Im Samara in La Chaussée-Tirancourt gibt es einen rekonstruierten neolithischen Bauernhof, der auf Funden aus Cuiry-Lès-Chaudardes beruht. Dadurch stehen zwei unterschiedliche Perspektiven auf das Neolithikum nebeneinander: die Ausgrabungen und beschriebenen Hausmerkmale in Cuiry sowie ein rekonstruierter Hof im Samara. Der Vergleich führt vom archäologischen Fundzusammenhang zu einer baulichen Rekonstruktion und macht die Verbindung der Funde mit diesem Bauernhof anschaulich.

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