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Melton Constable lässt sich über zwei unterschiedliche Geschichten erschließen: die der Familie Astley und die der Eisenbahn. Das Ortsbild verbindet Anlagen von Melton Constable Hall mit den Spuren eines Eisenbahndorfs, dessen Werke einst eine zentrale Rolle im Netz der Midland and Great Northern Joint Railway spielten.

Ein Eisenbahndorf mit eigenem Maßstab

Melton Constable gilt als Eisenbahndorf, nicht als Eisenbahnstadt. Die Midland and Great Northern Joint Railway errichtete hier ihre Werke als zentralen Knotenpunkt ihres Netzes. Sie waren von 1883 bis Oktober 1936 in Betrieb. Zum Werkstattkomplex gehörten Wagen- und Lokomotivwerkstätten sowie eine Schmiedewerkstatt mit 30 Essefeuern und einem 25-Zentner-Dampfhammer von Massey. Die Zahlen und die unterschiedlichen Werkstattarten geben einen konkreten Eindruck von der industriellen Ausrichtung des Ortes.

Ein erhaltener Eisenbahn-Wasserturm führt diesen technischen Maßstab in einem einzelnen Bauwerk zusammen. Sein gusseiserner Tank war für 125.000 Gallonen ausgelegt; 256 Außenplatten tragen die Initialen M&GN. Das Kriegsdenkmal von Melton Constable ergänzt die Eisenbahngeschichte um eine weitere Verbindung: Es wurde 1922 als Denkmal für den Ersten Weltkrieg errichtet und um einen Zusatz zum Zweiten Weltkrieg ergänzt. Entworfen wurde es im Büro von Mr W Marriott, Ingenieur und Verkehrsleiter der Midland and Great Northern Joint Railway Company; gefertigt wurde es in den örtlichen Eisenbahnwerken.

Straßen und Häuser aus der Eisenbahnzeit

Melton Street war die erste 1882 errichtete Straße von Melton Constable. Beidseits prägen durchgehende, geschlossen wirkende Reihen von Terrassenhäusern ihren Charakter. Astley Terrace entstand 1886 als Häuserreihe der Eisenbahngesellschaft nahe den ehemaligen Werken und dem Bahnhof. Erhalten ist dort auch die regelmäßige Reihe quadratischer Schornsteine. Die beiden Straßen stehen für unterschiedliche Etappen der Entwicklung: Melton Street markiert den frühen Straßenbau, Astley Terrace die spätere Wohnbebauung der Eisenbahngesellschaft.

Astley-Geschichte und Parklandschaft

Church of St Peter ist Pfarrkirche und Mausoleum der Familie Astley, die früher in Melton Constable Park ansässig war. Die Bausubstanz der Kirche deutet auf eine Entstehung vor 1066 hin. Im Inneren befinden sich Familiendenkmäler der Astleys aus dem 18. Jahrhundert sowie gemalte Wappen der Familie, deren zeitliche Spanne von der normannischen Eroberung bis in die Gegenwart reicht.

Auch die Anlagen von Melton Constable Hall zeigen mehrere Schichten gestalteter Landschaft. Der Südpark fällt zu einem geschwungenen See mit runder Insel ab; am Westufer steht ein Tea House aus dem späten 18. Jahrhundert. Zu den Gärten gehören eine erhöhte Balustradenterrasse, offenes Parkland und eine von Eibenhecken eingefasste Rasenfläche, die heute Croquet Lawn heißt. Die Terrassen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts umfassen Terrassierungen, Stützmauern, Balustraden und Urnen im italienischen Stil; sie überblicken den von Capability Brown gestalteten Park.

Weitere historische Bauformen ergänzen das Bild: Der östliche Flügel des Stallhofs von Melton Constable Hall stammt aus dem Jahr 1810 und trägt eine mittig auf dem Dachfirst angeordnete Laterne. Church Lodge in Melton Constable Park besitzt einen griechisch-dorischen Portikus sowie eine angebaute Stallung und Hofmauer. In der Umgebung steht außerdem St Mary in Burgh Parva, eine 1903 für das neue Eisenbahndorf Melton Constable errichtete Kirche aus Wellblech, die weiterhin genutzt wird.

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