Saint Nicolas liegt auf einer weitläufigen, sonnigen Hochebene auf 1.200 Metern. Das Panorama reicht vom Mont Emilius bis zum Rutor. Landschaft und Kultur zeigen sich hier in unterschiedlichen Facetten: von Calanchi und Erdpyramiden über Wege durch Wald und Almweiden bis zu Spuren der frankoprovenzalischen Sprache und alpinen Alltagsgeschichte.
Hochebene, Geosit und Wanderwege
Das Geosit von Saint Nicolas umfasst Rinnen, die als Calanchi bezeichnet werden, sowie Erdpyramiden. Diese geologischen Formen ergänzen das weite Panorama um einen konkreten Landschaftsaspekt. Einen anderen Blick auf die Umgebung bietet die Wanderung Lac du Joux–Pointe Aouillette. Sie folgt dem Weg Nr. 29 am Seeufer entlang und führt in einen Nadelwald.
Im weiteren Verlauf durchquert die Route die Alpweiden an der Südseite der Pointe Aouillette und erreicht den Gipfel. Dort verläuft der Weg auf dem Wasserscheidekamm zwischen dem Zentraltal und dem Vallon de Vertosan. Seeufer, Nadelwald, Weiden und Kamm geben der Wanderung eine abwechslungsreiche Abfolge von Landschaftsräumen. Wer einen anderen Schwerpunkt sucht, findet im Waldgebiet Bois de la Tour einen ausgestatteten Picknickbereich.
Patois, Ortsgeschichte und ländliches Leben
Die frankoprovenzalische Sprache ist eng mit dem kulturellen Profil von Saint Nicolas verbunden. Jean-Baptiste Cerlogne war Dichter dieses Dialekts und verfasste zahlreiche Veröffentlichungen, darunter das „Dictionnaire du patois valdôtain“. Das Centre d'études René Willien setzt sich für den Schutz und die Verbreitung des Patois ein. Seine umfangreiche Bibliothek ist ein Zeugnis der alpinen Kultur. Wenn Sie das Centre besuchen möchten, klären Sie den Zugang vorab.
An der Chiesa parrocchiale di San Nicola lassen sich zwei unterschiedliche historische Einordnungen festhalten: Wahrscheinlich stammt nur die unter dem Presbyterium gelegene Krypta vom Kirchenbau des 12. Jahrhunderts. Der Glockenturm datiert dagegen ins 15. Jahrhundert. Die beiden Bauteile stehen damit für verschiedene Phasen der Kirchengeschichte.
Das Museo Gerbore in Lyveroulaz befindet sich im historischen Gebäude Maison de la Tôr. Es beherbergt rund fünfzig landwirtschaftliche Maschinen aus den 1950er-Jahren und gibt damit einen Einblick in die Geschichte der Landwirtschaft. Auch das Dorf Vens bietet einen baulichen Kontrast: Es liegt auf 1.734 Metern und verfügt über restaurierte Gebäude sowie alte ländliche Häuser. Die Angaben zu Saint Nicolas auf 1.200 Metern und zu Vens auf 1.734 Metern machen die unterschiedlichen Höhenlagen der beiden Orte deutlich.
Jahreszeit und Anreise einplanen
Nahe dem Hauptort verlaufen Langlaufloipen durch Wälder und sonnige Felder; drei Kilometer der Loipen sind auch nachts beleuchtet. Der Betrieb ist saisonal, daher sollten Sie vor der Reise die Bedingungen prüfen. Im Spätsommer steht mit der Dezarpe de Vertosan eine lokale Tradition im Jahreslauf: Herden werden von den hoch gelegenen Almen des Vallon de Vertosan in Avise, von Vétan in Saint-Pierre und aus dem Gebiet von Saint-Nicolas hinabgeführt.
Für die Anreise aus Aosta ist die Buslinie „Villeneuve - Saint-Pierre - Saint-Nicolas - Aosta“ angegeben. Prüfen Sie den aktuellen Fahrplan beim Betreiber, wenn Sie Ihre Anreise mit dem Bus planen. So lassen sich die praktischen Fragen zur Verbindung getrennt von der Wahl Ihrer Schwerpunkte vor Ort angehen: Landschaft und Wanderung, die Kultur des Patois oder die saisonalen Langlaufloipen und die Dezarpe.
Weitere Reiseziele entdecken: Vens, Pré-Saint-Didier, Fénis Ao, Donnas, Brusson, Châtillon, Verrès, Epinel.
Zur übergeordneten Reiseübersicht: Aostatal.