Polla verbindet römische Verkehrsbezüge mit anderen kulturellen Themen: Im Museo Civico steht historische Kleidung im Mittelpunkt, während Kirche und ehemaliges Kloster durch konkrete Baumerkmale auffallen. Die Lapis Pollae bietet dazu einen antiken Bezugspunkt.
Römische Zeugnisse und historische Wege
Die Lapis Pollae, auch Elogium Pollae genannt, ist eine antike Marmorplatte aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. Im 17. Jahrhundert wurde sie im Ortsteil San Pietro in der Gemeinde Polla in der Provinz Salerno gefunden. Entstehungszeit und Fundzeit markieren zwei verschiedene Zeitpunkte: Die Platte gehört in die Antike, ihre Entdeckung erfolgte viele Jahrhunderte später. Auch die Bezeichnungen gehören zusammen: Lapis Pollae und Elogium Pollae nennen dasselbe Zeugnis.
Die Lapis Pollae gehört zu den wichtigsten schriftlichen Zeugnissen für die Existenz einer bedeutenden zivilen, militärischen und kommerziellen Verkehrsverbindung in römischer Zeit. Eine weitere römische Spur ist Forum Annii: San Pietro di Polla steht auf dessen Überresten; Forum Annii war ein römischer Vorposten an der Straße Capua-Regium. So stehen unterschiedliche historische Bezüge nebeneinander: die Lapis als schriftliches Zeugnis zur Bedeutung einer Verkehrsverbindung, Forum Annii als konkreter Vorposten an einer benannten Straße.
Die Strada Regia delle Calabrie führt in die Geschichte der historischen Wege Pollas. Auf dieser Route erreicht die Strecke nach etwa zwei Kilometern den Ortsteil San Pietro di Polla. Die historische Straße durchquert den mittelalterlichen Ortsteil Sant’Antonio, bevor sie Polla verlässt. Die beiden Ortsbezüge ergänzen einander: San Pietro wird mit einer ungefähren Distanz entlang der Route verbunden, Sant’Antonio mit ihrem Verlauf vor dem Verlassen Pollas. So wird die Strada Regia über konkrete Ortsnamen eingeordnet.
Kleidung im Museo Civico
Das Museo Civico „Insteia Polla“ beherbergt die Dauerausstellung „Rassegna permanente delle antiche vestiture pollesi“. Sie gliedert sich nach Anlässen des Alltags: Festkleidung, Alltagskleidung, Ritualkleidung und Trauerkleidung. Fest- und Alltagskleidung markieren dabei einen vertrauten Gegensatz; Ritual- und Trauerkleidung lenken den Blick auf andere, besondere Anlässe. Die Ordnung richtet die Aufmerksamkeit nicht nur auf Kleidungsarten, sondern auch auf die Situationen, die sie unterscheiden. Anders als die einzelne antike Marmorplatte der Lapis Pollae erschließt sich die Dauerausstellung über thematische Kategorien.
Kirche und ehemaliges Kloster
In der alten Kirche San Pietro Apostolo sind mittelalterliche Fresken zu sehen; das alte Kloster Sant’Antonio ist mit einem Portal aus dem 16. Jahrhundert versehen. Zusammen mit der Lapis Pollae markieren diese Merkmale verschiedene Epochen: das 2. Jahrhundert v. Chr., das Mittelalter und das 16. Jahrhundert. Sie unterscheiden sich auch in ihrer Form: Marmorplatte, Fresken und Portal bieten drei klar unterscheidbare historische Bezugspunkte.
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