Chiari lässt sich über mehrere prägende Themen kennenlernen: Wasserbau, Handel und Kunst. Ein dichtes Netz künstlicher Kanäle führt durch die Landschaft und das Stadtzentrum. Die Geschichte der Wasserläufe reicht dabei bis in die frühe Neuzeit und darüber hinaus; ihre Nutzung ist auch mit Mühlen, Handwerk und Seidenverarbeitung verbunden. Dazu kommen eine bis 1406 zurückreichende Markttradition und die calcografische Sammlung der Pinacoteca Repossi.
Wasserbau prägt die Landschaft
Das Gebiet von Chiari ist von künstlichen Kanälen durchzogen, die von alten Wasserläufen gespeist werden. Diese heißen Roggen, auch Seriole genannt. Die Kanäle führen durch die Landschaft ebenso wie durch das Stadtzentrum und prägen so den Ort auf mehr als einer Ebene: Sie gehören zur umgebenden Landschaft und zugleich zum Gefüge der Stadt.
Die Roggia Vetra ist seit dem 10. Jahrhundert belegt und gilt als die älteste und wasserreichste der Roggen von Chiari. Die Seriola Nuova steht für einen anderen Aspekt des Wasserbaus: Sie gilt als herausragendes Beispiel der Wasserbaukunst und führt seit 1461 Wasser in Richtung Franciacorta. Im Vergleich zeigen die beiden Wasserläufe unterschiedliche historische Bezugspunkte – bei der Vetra ihr frühes Alter und ihre Stellung unter den Roggen, bei der Seriola Nuova die Ingenieurskunst und die Wasserführung nach Franciacorta.
Ab dem 17. Jahrhundert lieferten die durch Chiari fließenden Roggen Energie für Mühlen, Sägewerke, Hammerwerke und Seidenspinnereien außerhalb des Stadtzentrums. Die Kanäle sind damit auch eine Spur der Arbeitsgeschichte: Ihr Wasser wurde für verschiedene Formen der Produktion genutzt. Dazu passt die Entwicklung der Seidenwirtschaft. Seit dem 16. Jahrhundert wurden Seidenraupen gezüchtet und Seide handwerklich abgehaspelt. Beides trug entscheidend dazu bei, Chiari zum führenden Zentrum des Seidenhandels in der Provinz Brescia zu machen.
Markttradition und Erzeugnisse
Die lokale Markttradition von Chiari reicht bis 1406 zurück. Auf dem Freitagsmarkt findet auf der Piazza Zanardelli ein Fischmarkt statt. Außerdem verkaufen dort örtliche Landwirte Käse, Wurstwaren, Fleisch, Obst, Gemüse, Marmeladen und Honig aus eigener Produktion. So treffen unterschiedliche Angebote auf einem Markt zusammen: Fisch sowie Erzeugnisse aus der örtlichen Landwirtschaft. Wenn Sie den Freitagsmarkt gezielt einplanen, prüfen Sie die Marktgestaltung vor Ort, denn sie kann sich ändern.
Kunst und Wahrzeichen
Die calcografische Sammlung der Pinacoteca Repossi umfasst Originaldrucke und wertvolle Kopien bedeutender italienischer und ausländischer Radiererschulen. Ihre Werke reichen vom 15. bis zum 20. Jahrhundert. Damit bietet die Sammlung einen kunsthistorischen Schwerpunkt neben den Themen Wasserbau und Seidenhandel – mit einem Zeitraum, der mehrere Jahrhunderte umfasst.
Ein weiteres markantes Motiv ist die Torre Civica. Der 55 Meter hohe Turm gilt als Symbol der Stadt Chiari. Zusammen mit der Sammlung der Pinacoteca Repossi verweist er auf zwei verschiedene Seiten des Ortes: die Torre Civica als Stadtsymbol und die Druckgrafik als Teil des kulturellen Angebots. Wer seine Reise thematisch planen möchte, kann so die Geschichte der Kanäle und der Seidenwirtschaft neben Kunst und Stadtgeschichte betrachten.
Anreise planen
Chiari liegt an der Bahnstrecke Mailand–Venedig. Wenn Sie eine Anreise mit der Bahn erwägen, prüfen Sie vor der Reise die Verbindungen und Fahrpläne. So können Sie die konkrete Anreise mit Ihren Plänen für Markt, Kultur und die verschiedenen Themen der Stadt abstimmen.
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