In Boffalora Sopra Ticino treffen zwei unterschiedliche Wasserbezüge aufeinander: Der Naviglio Grande durchquert den zentralen Teil des Ortes, während der Fluss Ticino am Randbereich verläuft. Der Ort liegt zudem im Parco Lombardo della Valle del Ticino. Diese Verbindungen geben einer Reise hier einen besonderen Schwerpunkt: Ortsgeschichte lässt sich mit dem Blick auf einen größeren Naturraum verbinden.
Am Kanal und im Naturraum des Ticino
Der Kanal und der Fluss sind dabei nicht dasselbe: Der Naviglio Grande prägt den zentralen Teil Boffaloras, der Ticino gehört zur landschaftlichen Einordnung am Ortsrand. Wer sich mit dem Ort beschäftigt, begegnet so sowohl der Geschichte des Wasserwegs als auch der Natur des Ticino-Tals.
Boffalora liegt innerhalb dreier naturkundlich bedeutender Gebiete: der Wälder La Fagiana und Turbigaccio, der Wälder von Castelletto und der Lanca di Bernate. Diese Gebiete sind für Flora und Fauna als Zona di protezione speciale klassifiziert. Der Schutzstatus ist ein wichtiger Teil der landschaftlichen Einordnung des Ortes.
Wassergeschichte und historische Spuren
Die erste Ansiedlung in Boffalora Sopra Ticino ist für die Jahre 1180 bis 1190 dokumentiert, während der Bauarbeiten am Naviglio Grande. Die frühe Ortsgeschichte steht damit in zeitlichem Zusammenhang mit dem Bau des Kanals.
Eine konkrete Verbindung zwischen Wasser und wirtschaftlicher Nutzung zeigt die Wasserentnahmestelle „Cornice“ am Naviglio. Sie wurde erstmals 1346 erwähnt und gehörte der Adelsfamilie Crivelli. Das dort genutzte Wasser war für Landwirtschaft, Handwerk und Industrie von großer Bedeutung. Die Cornice steht damit für eine andere Funktion des Kanals als den Transport: Wasser wurde auch für verschiedene Bereiche der Arbeit und Produktion genutzt.
Der Barchètt war ein Flusstransportdienst auf dem Naviglio, der Boffalora Sopra Ticino mit Mailand verband. Er ist seit 1645 dokumentiert und bestand bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Zusammen mit der Geschichte der Cornice zeigt diese Verbindung, wie der Naviglio sowohl dem Wassergebrauch als auch dem Transport diente.
Auch weitere Orte und Bauwerke verweisen auf unterschiedliche Kapitel der Vergangenheit. Graf Giorgio Giulini ließ die Villa Giulini zusammen mit dem umgebenden englischen Garten um die Mitte des 18. Jahrhunderts erbauen. Im Santuario dell’Acquanera ist die Markierung des Wasserstands erhalten, den der Ticino bei der Überschwemmung von 1868 erreichte. Sie hält ein konkretes Hochwasserereignis in der Ortsgeschichte fest.
Die Grangia dei Certosini wurde von den Kartäusern von Pavia errichtet. Sie wurden dort erst 1750 Feudalherren und gaben der Landwirtschaft großen Auftrieb. Zusammen mit der Wassergeschichte erweitert dieser Aspekt den Blick auf die Entwicklung der örtlichen Wirtschaft.
Eine Flussroute als weitere Möglichkeit
Eine Minikreuzfahrt-Route beginnt am Anleger von Boffalora Sopra Ticino an der Piazza IV Giugno, führt über Bernate Ticino bis zur Ortschaft Rubone und kehrt anschließend nach Boffalora zurück. Wenn Sie diese Route in Ihre Reiseplanung aufnehmen möchten, prüfen Sie vorab die Reservierungs- und Betriebsbedingungen. So lässt sich die Flussroute als eigener Baustein neben der Orts- und Wassergeschichte einordnen.
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