Casei Gerola verbindet den Naturpark Le Folaghe mit Kirchen, Fresken und historischen Erinnerungsorten. Wer einen Aufenthalt plant, findet hier zwei unterschiedliche thematische Schwerpunkte: eine Landschaft mit Seen und brütenden Wasservögeln sowie Bau- und Kunstgeschichte, die sich an mehreren Sakralbauten ablesen lässt.
Naturpark Le Folaghe: Tongruben und Wasservögel
Der Parco Le Folaghe ist ein Naturpark von übergemeindlichem Interesse und eine Naturoase in der Gemeinde Casei Gerola. Seine Seen haben einen besonderen Ursprung: Der Park besteht aus stillgelegten Tongruben; in den tiefsten Gruben entstanden durch Grundwasser Seen. An diesen brüten zahlreiche Wasservogelarten. Ehemalige Abbaustellen und heutige Seen gehören hier also zur selben Landschaft und bieten einen konkreten Anlass, den Aufenthalt auf Natur und Vogelwelt auszurichten.
Für die Orientierung im Park sollen Besucher die ausgewiesenen Wege benutzen und die Karten konsultieren. Prüfen Sie den Wegeverlauf vor dem Aufbruch lokal und bleiben Sie auf den ausgewiesenen Wegen. So lässt sich die Naturerkundung an den geltenden Hinweisen ausrichten, statt einen eigenen Weg durch das Gelände vorauszusetzen.
Gotische Kirchen und ihre Baugeschichte
Die Insigne Collegiata di San Giovanni Battista wurde gegen Ende des 14. Jahrhunderts von Franziskanern der Observanz des heiligen Bernardino da Siena errichtet. Ihr reiner lombardischer Gotikstil bildet einen eigenen architektonischen Akzent. An der Chiesa di San Guglielmo lässt sich eine andere Baugeschichte nachvollziehen: Der Standort der früheren Kirche wurde getauscht, um das Schloss zu vergrößern; die heutige Kirche war 1426 fertiggestellt. Ihre Gestaltung verbindet lombardische Gotik mit Elementen der Proto-Renaissance. Die Giebelfassade besitzt zwei Terrakottafenster mit Spitzbogen.
Die Sakralbauten unterscheiden sich damit nicht nur in ihrer Geschichte, sondern auch in den beschriebenen Formen. Bei San Guglielmo treffen gotische Gestaltung und proto-renaissancezeitliche Elemente aufeinander; die Collegiata ist ausdrücklich dem reinen lombardischen Gotikstil zugeordnet. Wer sich für Architektur interessiert, kann diese beiden Angaben als unterschiedliche Blickpunkte auf die örtliche Baugeschichte lesen, ohne die Kirchen auf ein einziges Stilbild zu reduzieren.
Fresken, Altarbild und religiöse Geschichte
In der Cappella Bottigella der Insigne Collegiata befindet sich ein dem Maestro di Casei zugehöriger Freskenzyklus. Vittorio Sgarbi schreibt ihn Foppa zu. Die Chiesa di San Sebastiano beherbergt ein qualitätvolles Altarbild aus dem 18. Jahrhundert: Es zeigt den heiligen Sebastian und den heiligen Rochus und stammt vom Paveser Maler Bernardo Ciceri.
Auch das Heiligtum Madonna delle Grazie di Sant’Agostino verbindet Kunst und Überlieferung. Der Bau des neuen Heiligtums wurde 1639 von Bischof Mons. Aresi genehmigt und war 1641 abgeschlossen. Auf dem Hauptaltar befindet sich das historische, als wundertätig bezeichnete Fresko Mater Divinae Gratiae. Der aus Casei stammende Schiaffinati gab es 1612 in Auftrag. Der religiösen Überlieferung nach machten die Reliquien des heiligen Augustinus an dem Ort, an dem das Heiligtum heute steht, eine Nacht Station.
Zur Geschichte der Verehrung des heiligen Fortunato gehört die Cappella di San Fortunato, die zwischen 1768 und 1775 erbaut wurde und die Reliquien des Schutzpatrons von Casei Gerola bewahrt. Diese Reliquien kamen 1765 aus Santa Maria in Via Lata als Geschenk des Heiligen Stuhls nach Casei. Eine andere historische Spur führt zum Palazzotto del Carmagnola: Es war einst Sitz des Broletto. Graf Francesco Bussone, genannt Il Carmagnola und Herr von Casei Gerola, lebte in dem Gebäude.
Anfahrt und Besuch planen
Für die Anfahrt zum Parco Le Folaghe aus Mailand oder Genua führt die Route über die A7 bis zur Ausfahrt Casei Gerola, danach über die Abzweigung Voghera–Silvano Pietra und die SP 12. Da sich Straßenlage und Beschilderung ändern können, prüfen Sie die Route vor der Fahrt. Während religiöser Feiern erfolgt der Zugang zum Heiligtum Madonna delle Grazie di Sant’Agostino direkt vom Kirchvorplatz aus; auch zur Chiesa di San Sebastiano führt der Zugang bei solchen Feiern direkt vom Kirchvorplatz. Stimmen Sie den Zugang für einen Besuch während religiöser Feiern vorab lokal ab. Bei der Wahl eines Hotels in Casei Gerola können Sie außerdem überlegen, ob Naturbeobachtung oder Kirchen- und Kunstgeschichte den Schwerpunkt Ihres Aufenthalts bilden soll.
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