Archäologische Bildsprache und überlieferte Bräuche eröffnen in Antiguo Tamuín zwei unterschiedliche Zugänge zur Geschichte des Ortes. Für die Orientierung lohnt es sich, Antiguo Tamuín von der archäologischen Zone Tamohi zu unterscheiden: Die beiden Namen bezeichnen räumlich getrennte Bezugspunkte, die zugleich historisch miteinander verbunden sind.
Archäologische Bildwelten und Siedlungsgeschichte
Das Huasteken-Brustornament stammt aus der archäologischen Stätte Antiguo Tamuín in der Huasteca Potosina. Darauf ist eine einzelne, nach rechts blickende Figur dargestellt, die möglicherweise den Jagdgott Mixcóatl verkörpert. Die Pfeile in ihrer rechten Hand symbolisieren Jagdausrüstung. Die Figur kniet mit einem Knie auf den Kiefern eines Erdmonsters. Dieses steht für die Erdoberfläche; dasselbe Monster unterhalb der Figur symbolisiert die Unterwelt.
Tamohi, auch El Consuelo genannt, liegt sechs Kilometer von Antiguo Tamuín entfernt am rechten Ufer des Río Tampaón. Die archäologische Zone umfasst 211 Hektar mit vier bürgerlich-religiösen Plätzen sowie Wohn-, Siedlungs- und Anbauflächen. Während das Brustornament einen einzelnen Bildausschnitt bietet, beschreibt Tamohi einen größeren räumlichen Zusammenhang mit Plätzen und unterschiedlichen Nutzungsflächen.
Auch die Geschichte verbindet die Namen: El Consuelo war in den ersten Jahren der Eroberung noch bewohnt. Danach wurden indigene Bewohner, die zuvor verstreut in der Huasteca gelebt hatten, an dem Ort angesiedelt, der heute Antiguo Tamuín heißt. Die archäologische Zone und der heutige Ort bleiben dabei unterschiedliche räumliche Bezugspunkte.
Überlieferte Judas-Bräuche
Zum überlieferten Judas-Brauch gehörte die Verlesung des „Testaments des Judas“ vor der Dorfkapelle von Antiguo Tamuín. Darauf folgte ein Kampf zwischen Engeln und Dämonen um eine aus Stoff und Sägemehl gefertigte Judas-Figur, die anschließend verbrannt wurde. In einer überlieferten Ausprägung umrundeten die Teilnehmenden ein- bis dreimal den Friedhof und zogen anschließend maskiert durch die Straßen. Dort trieben die Judas-Figuren Scherze mit Passanten und baten um einen Schluck, eine Zigarette oder etwas anderes, das ihre überschäumende Energie besänftigen sollte.
Nach dem Kampf gehört auch das Klettern am „palo encebado“ zur Tradition: Der Name bezeichnet einen eingefetteten Kletterpfahl. Antiguo Tamuín zählt zu den wenigen Orten, an denen diese Praxis weiterhin ausgeübt wird. Auch die Maskenherstellung hat einen historischen Bezug zum Ort: Traditionell gehörte Antiguo Tamuín zu den Orten, die die Herstellung von Masken aus Pemuche-Holz anführten.
Hotel- und Reiseplanung
Für Ihre Reiseplanung ergeben sich zwei unterschiedliche Schwerpunkte: die Siedlungsgeschichte und die überlieferten Bräuche in Antiguo Tamuín oder die archäologische Zone Tamohi am Río Tampaón. Wenn Sie Hotels für Antiguo Tamuín suchen, beziehen Sie Tamohi als eigenen räumlichen Bezugspunkt in Ihre Planung ein; die Zone liegt sechs Kilometer entfernt. Möchten Sie Ihren Aufenthalt gezielt mit dem Judas-Brauch verbinden, klären Sie aktuelle Veranstaltungstermine vorab.
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