Im Easterskar führen Wege an alten Torfstichen entlang und durch Moorwald. Die langgestreckten Wasserstreifen, die sogenannten Torfstiche, entstanden durch das Ausbaggern des Torfs. Das Feuchtgebiet verbindet damit eine markante Landschaftsform mit der Geschichte einer Nutzung, die auch Rotsterhaule geprägt hat. Wer Natur und Ortsgeschichte verbinden möchte, findet hier unterschiedliche Perspektiven auf die Gegend: Vogelwelt und Wanderwege ebenso wie Siedlungsgeschichte und Baukultur.
Wandern und Vögel im Easterskar
Das Easterskar ist ganzjährig tagsüber kostenlos für die Öffentlichkeit zugänglich. Zugänge gibt es über die Bisschopweg sowie an drei Stellen entlang der Skarwei. Die kurze gelbe Route ist etwa 3,5 Kilometer lang und führt an Schilffeldern und Wasserflächen entlang. Die rote Route misst etwa 4,5 Kilometer und verläuft durch feuchte Grasländer, Torfstiche und Moorwälder. Nach den ungefähren Längenangaben ist sie rund einen Kilometer länger; auch die genannten Landschaften unterscheiden sich.
Im Frühjahr brüten im Easterskar 90 verschiedene Vogelarten. Von der Vogelbeobachtungshütte Skiere Goes bietet sich ein vogelreicher Ausblick, und im Frühjahr sind dort besonders viele Graugänse zu sehen. Die Hütte ist ganzjährig zugänglich. Für Besucher der Hütte gibt es Parkmöglichkeiten an der Richard Jungweg in Rotsterhaule.
Siedlungsgeschichte und Landschaftswandel
Rotsterhaule entstand um 1500 als Streusiedlung entlang einer Entwässerungs- und Kultivierungsachse von Sintjohannesga im Nordosten. Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde rund um den Ort Niedermoor ausgebaggert und zu Torf verarbeitet. Der großflächige Torfabbau veränderte Rotsterhaule und sein Dorfsgebiet. Auch die Landschaft des Easterskar erzählt von unterschiedlichen Nutzungsentscheidungen: Eine um 1960 geplante landwirtschaftliche Kultivierung blieb dort aus. So blieben besondere Pflanzen, Vögel, Schmetterlinge, Reptilien und Amphibien erhalten.
Zur Geschichte des Zweiten Weltkriegs gehört eine Waffenabwurfstelle in der Nähe des Easterskar. Sie trug den Codenamen „Frying Pan“. Eine weitere Begebenheit aus dieser Zeit handelt von John Gordon Fraser: Nach einer Notlandung versteckte er sich zunächst im Easterskar. Siebe de Jong und Jan Sloothaak versorgten ihn mit ziviler Kleidung und Essen.
Häuser und örtliche Backtradition
Die Bauwerke in Rotsterhaule zeigen verschiedene Haustypen und Gestaltungsmerkmale. Streek 161 ist ein eingeschossiges Wohnhaus aus dem Jahr 1907 mit einem bis zur Dachgaube hochgezogenen Mittelrisalit. Streek 130 ist ein etwa 1930 errichtetes Holzhaus mit reetgedecktem Walmdach und expressionistischen Formen. Die 1926 von H. Telgenhof entworfene Stelp-Bauernstelle an Streek 151 besitzt eine Backsteindachgaube und ein Backhaus. Boerestreek 7 ist eine moderne Bauernstelle aus dem Jahr 1939. So lassen sich ein Wohnhaus, ein Holzhaus und zwei Bauernstellen anhand ihrer Baujahre und Merkmale unterscheiden.
Rotsterhaule und Sintjohannesga werden als Zwillingsdörfer bezeichnet. Im vergangenen Jahrhundert waren beide Orte für ihr Bäckerhandwerk bekannt. Die Roggenbrotfabrik von Van Dijk zählt zu den am besten erhaltenen Beispielen der örtlichen Backtradition.
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