Rudnik nad Sanem verbindet Korbflechtkunst im öffentlichen Raum mit einer langen örtlichen Handwerkstradition. Mehr als 20 originelle, aus Weide geflochtene Skulpturen stehen dort. Künstler aus Polen und dem Ausland entwarfen sie, örtliche Korbflechter fertigten sie. An diesen Werken kommen zwei unterschiedliche Beiträge zusammen: künstlerischer Entwurf und handwerkliche Ausführung. Die Materialwahl macht den Bezug zum Flechthandwerk sichtbar; Weide ist nicht nur Ausgangsstoff, sondern prägt die Form der Skulpturen. Die Zahl der Arbeiten kann sich im Laufe der Zeit ändern. Für Kulturinteressierte liegt der besondere Blickwinkel in dieser Verbindung von Gestaltung, Material und örtlicher Fertigung.
Korbflechttradition und Kunstpfad
Rudnik ist für seine reiche Korbflechttradition bekannt; ihre Anfänge reichen ins 19. Jahrhundert zurück. Auf Initiative des österreichischen Grafen Ferdynand Hompesch entstand hier die erste Korbflechtschule. Auch der Szlak wiklinowych rzeźb führt zu Hompesch: Er beginnt am Marktplatz beim Denkmal für den Begründer des Korbflechthandwerks in Rudnik. Schule und Denkmal verknüpfen seinen Namen auf unterschiedliche Weise mit dem örtlichen Handwerk. Die Korbflechtschule macht die Tradition auch als Ausbildungsgeschichte greifbar; das Denkmal am Startpunkt des Pfads verbindet Hompesch mit der Erinnerung an das Handwerk.
Eine Veranstaltung als Reiseanlass
Die Veranstaltung „Wiklina Rudnik nad Sanem“ erweitert den Korbflechtbezug um einen eigenen Reiseanlass. Sie wird seit 2000 organisiert und gilt als größte Veranstaltung dieser Art in der Woiwodschaft Karpatenvorland. Wenn Sie Ihren Aufenthalt daran ausrichten möchten, prüfen Sie vor der Planung die Veranstaltungstermine. Für die Planung ist der Unterschied nützlich: Der Kunstpfad hat einen benannten Startpunkt, während bei der Veranstaltung der passende Termin zählt. So stehen ein konkreter Ort und ein Veranstaltungstermin als unterschiedliche Orientierungspunkte nebeneinander.
Baugeschichte in zeitlicher Folge
Auch die Baugeschichte eröffnet einen eigenen Zugang zu Rudnik. Zum Tarnowski-Palast- und Parkkomplex in Rudnik gehört ein aus Mauerwerk und Holz errichteter Gutshof aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die Mühle mit Kraftwerk wurde 1905 von Graf Hieronim Tarnowski erbaut. Die Dreifaltigkeitskirche entstand 1927–1928 auf Initiative von Hieronim Tarnowski und des örtlichen Baukomitees. Im zeitlichen Vergleich bilden Gutshof, Mühle und Kirche eine Abfolge vom ältesten zum jüngsten Beispiel; die Mühle liegt dazwischen. Der Abstand zwischen dem Gutshof und der Kirche spannt dabei einen längeren historischen Bogen, während die Mühle einen weiteren Zeitpunkt dazwischen markiert. Die Bauwerke lassen sich so nach ihrer Entstehungszeit vergleichen, ohne sie einer gemeinsamen Epoche zuzuordnen.
Die Baugeschichte reicht zeitlich weiter zurück als die Anfänge der Korbflechttradition: Der Gutshof stammt aus dem 18. Jahrhundert, während diese ins 19. Jahrhundert zurückreichen. So treffen in Rudnik zwei Kulturthemen mit unterschiedlichen zeitlichen Perspektiven aufeinander.
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