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Tarczyn ist ein wichtiges Obstbauzentrum; zugleich lässt sich seine Geschichte an unterschiedlichen Orten und Personen ablesen. Die Pfarrei St. Nikolaus und die Veränderungen ihrer Kirche bilden einen Schwerpunkt, dazu kommen öffentliche Erinnerungszeichen, Friedhöfe und einzelne Lebensgeschichten. Ein steinerner Apfel auf dem Marktplatz bindet den landwirtschaftlichen Charakter an ein konkretes Symbol.

Die Nikolauskirche: Geschichte im Wandel

Die Pfarrei St. Nikolaus wurde im 14. Jahrhundert gegründet. Das genaue Baujahr der Kirche ist unbekannt – die Gründung der Pfarrei und die Datierung des Kirchengebäudes sind also zwei verschiedene Fragen. Beim Stadtbrand von 1704 wurde die Kirche zerstört. Zehn Jahre später ließ sie der damalige Pfarrer Kazimierz Szczuka aus den Ruinen wiederaufbauen; später wurde Szczuka Bischof von Kulm.

Auch die Ausstattung hält verschiedene stilistische Akzente fest. Die Kirche hat fünf Altäre: Der neugotische Hauptaltar zeigt ein Bild der Unbefleckten Empfängnis, die vier übrigen Altäre sind barock. Die Kapellengeschichte veranschaulicht zusätzlich den Wandel des Gebäudes. Die im 16. Jahrhundert von Jan und Marianna Mokronowski gestiftete Anna-Kapelle wurde später in eine Vorhalle umgewandelt. Die von Pfarrer Adam Chełkowski gestiftete Stanislaus-Kapelle wurde abgerissen. Eine Kapelle erhielt also eine andere Funktion, während die andere nicht erhalten blieb.

Der klassizistische Glockenturm stammt aus dem 19. Jahrhundert und enthält drei Glocken. „Św. Trójca“ stammt aus dem Jahr 1841, „Maria“ und „Mikołaj“ aus dem Jahr 1974. Turm und Glocken verweisen damit auf unterschiedliche Zeitabschnitte: Der Turm datiert ins 19. Jahrhundert, zwei der Glocken sind deutlich später entstanden.

Marktplatz und Erinnerungsorte

Der Marktplatz fällt leicht zum Tal der Tarczynka ab. Dort steht ein Denkmal für die 1920 gefallenen Soldaten aus Tarczyn. Ebenfalls auf dem Platz befindet sich ein Brunnen mit einem steinernen Apfel, der die Obstbauregion symbolisiert. So stehen an einem Ort das Gedenken an die Soldaten und ein Zeichen für Tarczyns landwirtschaftliche Prägung nebeneinander.

Auf dem Pfarrfriedhof befindet sich ein Massengrab für die 1863 gefallenen Aufständischen. Der jüdische Friedhof am Stadtrand hat eine andere Geschichte: Die Nationalsozialisten zerstörten ihn. Freiwillige reinigten ihn später mehrere Jahre lang und veranlassten die Errichtung einer Umzäunung. Nur wenige Matzevot, jüdische Grabsteine, sind erhalten. Die beiden Friedhöfe stehen für unterschiedliche historische Erfahrungen, die in Tarczyn jeweils an konkrete Orte gebunden sind.

Weitere historische Verbindungen

Auch das Postamt gehört zur Ortsgeschichte: Es zählte zu den ersten Postämtern im Königreich Polen und trug die Nummer 11. Eine biografische Verbindung führt zu Irena Sendlerowa (1910–2008), die in der Zwischenkriegszeit in Tarczyn lebte. Während des Zweiten Weltkriegs rettete sie etwa 2.500 jüdische Kinder aus dem Warschauer Ghetto. Ihre Lebensgeschichte ergänzt die Kirchen- und Stadtgeschichte um eine persönliche Perspektive, deren Tarczyner Abschnitt in die Zwischenkriegszeit gehört.

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