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Die Kalwaria Wejherowska ist ein prägnanter Zugang zur Geschichte Neustadts. Sie war die vierte Kalvarienanlage, die in der Zeit der polnisch-litauischen Adelsrepublik entstand. Am 9. Juni 1649 genehmigte Bischof Mikołaj Albert Gniewosz aus Aleksandrów den Bau; danach begann die Errichtung ihrer Kapellen. Rang und Datum eröffnen unterschiedliche Perspektiven: Die Einordnung stellt die Anlage in einen größeren zeitgeschichtlichen Rahmen, die Genehmigung markiert den konkreten Beginn ihrer Baugeschichte.

Geschichte im Stadtraum

Eine andere Form kultureller Entdeckung bietet der Szlak Nut Kaszubskich. Fünfzehn Postamente mit Fragmenten einer traditionellen kaschubischen Abzählreimfolge verteilen sich auf verschiedene Teile der Stadt. Gemeinsam bilden sie eine touristische Route, die an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorbeiführt. Der kulturelle Reiz liegt im Zusammenspiel von Überlieferung und Stadtraum: Die traditionelle Reimfolge begegnet in einzelnen Fragmenten, während die Route verschiedene Sehenswürdigkeiten Neustadts miteinander verbindet. So wird die kaschubische Überlieferung mit dem städtischen Zusammenhang verknüpft.

Kaschubische Kultur und Sprache

Das 1968 gegründete Muzeum Piśmiennictwa i Muzyki Kaszubsko-Pomorskiej ist eine Schatzkammer regionaler Artefakte und ein Zentrum der kaschubischen Kultur, insbesondere der kaschubischen Sprache. Sein Schwerpunkt verbindet regionale Zeugnisse mit einem klaren sprachlichen Blick auf die Region. Einen anderen Akzent setzt die Książnica prof. Gerarda Labudy: Sie zeigt eine Dauerausstellung zur Geschichte der Kaschuben. Damit stehen zwei Zugänge nebeneinander: ein kulturell und sprachlich ausgerichtetes Museum sowie eine Ausstellung, deren Thema ausdrücklich die Geschichte der Kaschuben ist. Die Jahreszahlen bezeichnen unterschiedliche Vorgänge: 1649 datiert die Genehmigung des Kapellenbaus, 1968 die Gründung des Museums. Dieser Vergleich trennt die Baugeschichte der Kalwaria von einer späteren institutionellen Beschäftigung mit regionaler Kultur.

Modelle und Erinnerung

Auch das historische Rathaus gibt der Stadtgeschichte eine eigene Form. Dort werden Modelle der Stadt und der Kalwaria Wejherowska gezeigt. Im Unterschied zur über die Stadt verteilten Reimroute stehen hier zwei Motive gemeinsam im Modell. Durch diese gemeinsame Darstellungsform lassen sich Stadt und Kalwaria nebeneinander betrachten.

Das Muzeum Piaśnickie setzt einen anderen Schwerpunkt. Seine Dauerausstellung erstreckt sich über zwei Etagen und erinnert am Beispiel des Verbrechens von Piaśnica an die Opfer der pommerschen Verbrechen; im Untergeschoss befinden sich Relikte des Verbrechens von Piaśnica. Die Ausstellung verknüpft damit ein konkretes Verbrechen mit dem Gedenken an die Opfer pommerscher Verbrechen. Die Relikte im Untergeschoss geben diesem Gedenkschwerpunkt zugleich eine konkrete räumliche Orientierung. So stehen die stadt- und kulturgeschichtlichen Themen Neustadts neben einer eigenen Perspektive des Erinnerns.

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