Ein Retabel mit 14 Tafeln öffnet einen besonderen Zugang zu Setúbals Kulturgeschichte. Die Tafeln heißen „Primitivos de Setúbal“, gehören zur Sammlung des Museu de Setúbal/Convento de Jesus und sind in der Galeria Municipal do Banco de Portugal ausgestellt. Zusammen mit der Igreja de Jesus, ihren Klosterbauten und dem Mercado do Livramento entsteht ein vielschichtiges Bild aus Kunst, Architektur und städtischer Wirtschaftsgeschichte. Dazu kommen die Landschaft der Arrábida und Erlebnisse am Ästuar des Sado.
Igreja de Jesus: Baukunst und Geschichte
Die Bauarbeiten am Convento e Igreja de Jesus begannen 1490. Sie wurden von Diogo Boitaca geleitet und waren allem Anschein nach 1496 abgeschlossen. Die Igreja de Jesus gilt als Portugals erster Versuch einer Hallenkirche und wurde als gleichmäßig beleuchteter Raum konzipiert. Diese Verbindung von Baugeschichte und architektonischem Anspruch macht den Ort zu einem besonderen Schwerpunkt der Kulturgeschichte Setúbals.
Die Igreja de Jesus, ihr Kreuzgang und das Kapitelsaalgebäude des Konvents sind als Nationaldenkmäler eingestuft. Seit 1961 befindet sich das Museu de Setúbal im Convento de Jesus. Zu seiner Sammlung gehören die 14 Tafeln des Retabels der Igreja de Jesus, bekannt als „Primitivos de Setúbal“; ausgestellt werden sie in der Galeria Municipal do Banco de Portugal. So gehören Klosterbau, Museumssammlung und Ausstellung zusammen, bleiben aber unterschiedliche Stationen der Kunstgeschichte.
Museen, Markt und Stadtgeschichte
Der Mercado do Livramento wurde 1930 eröffnet. Im Inneren zeigen Azulejo-Paneele verschiedene Wirtschaftszweige der Stadt. Sie stammen vom portugiesischen Graveur und Maler Pedro Pinto und sind auf 1929 datiert. Die Fliesenbilder verbinden das Marktgebäude mit der Wirtschafts- und Alltagsgeschichte Setúbals.
Auch das Museu do Trabalho Michel Giacometti erzählt von Arbeit und Lebensweisen. Es entstand durch die Umwandlung der ehemaligen Konservenfabrik „Perienes“ in ein Museum. Zu den Dauerausstellungen gehören „A Indústria Conserveira (Da lota à lata)“ über die Konservenindustrie, „Mundo Rural – coleção etnográfica Michel Giacometti e Génese do Museu“ über das ländliche Leben und „Mercearia Liberdade – um património a salvaguardar“ über das zu bewahrende Erbe der Mercearia Liberdade. Die drei Themen führen von industrieller Produktion über ländliche Lebenswelten bis zur Geschichte eines Geschäfts.
Arrábida: geschützte Landschaft und Wege
Der Parque Natural da Arrábida umfasst ungefähr 17.000 Hektar, davon mehr als 5.000 Hektar Meeresfläche. Er erstreckt sich über Gebiete der Concelhos Palmela, Sesimbra und Setúbal. Die Strände von Setúbal liegen vollständig innerhalb des Naturparks. Damit gehören Küste und Meer ebenso zum beschriebenen Schutzgebiet wie die Landschaft an Land.
Für Wanderungen gibt es die Arrábida Walking Trails: Ihr Wegenetz innerhalb des Parque Natural da Arrábida im Concelho de Setúbal ist insgesamt etwa 44 Kilometer lang. Die ungefähre Angabe beschreibt die Länge des Netzes, nicht eine einzelne Tour. Einen anderen Blick auf die Umgebung bieten die Panoramablicke vom Forte de São Filipe über Setúbal und die Bucht des Sado. Die Geschichte der Festung reicht weiter zurück: Sie wurde ab 1582 auf Anordnung von D. Filipe II. errichtet, um die Verteidigungslinie der portugiesischen Küste zu verstärken.
Mühle, Ästuar und Delfinwissen
Das Moinho de Maré da Mourisca verbindet Mühlengeschichte mit Themen des Ästuars. Geführte Besichtigungen des Mühlenraums Sala das Mós und der gesamten Anlage werden ganzjährig angeboten; konkrete Abläufe können variieren. Als Interpretationszentrum ist die Mühle erhalten. Sie fördert Aktivitäten, die mit dem Gleichgewicht des Ästuars, der sachgerechten Nutzung seiner Ressourcen, dem Schutz kultureller und wissenschaftlicher Werte sowie der Erholung im Freien vereinbar sind.
Das CIRES – Centro Interpretativo do Roaz do Estuário do Sado in der Casa da Baía widmet sich der Vermittlung und Wertschätzung des Wissens über die ortstreue Delfingemeinschaft in der Bucht von Setúbal. Das Thema ergänzt den Blick auf das Ästuar um die dort lebenden Delfine, ohne es mit einer Beobachtungstour gleichzusetzen.
Fest und regionale Spezialitäten
Die Feira de Sant’Iago findet jährlich im Parque Sant’Iago statt: in der letzten Juliwoche und in der ersten Augustwoche. Der Queijo de Azeitão ist ein portugiesischer Weichkäse aus Schafmilch. Seine besonderen Eigenschaften werden mit den spezifischen Bedingungen und Merkmalen der Arrábida sowie den dort erzeugten Zutaten verbunden. Moscatel gilt als führendes Erzeugnis der Weinproduktion auf der Halbinsel Setúbal. Markt, Museen, Fest und regionale Produkte zeigen unterschiedliche Seiten der Gegend – von Stadtwirtschaft und Handwerk bis zu Landschaft und kulinarischer Tradition.
Weitere Reiseziele entdecken: Setúbal, Azeitão, Barrosinha, Canha, Santiago Do Cacém, Seixal, Castelo, Sines.
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