Stari Trg verbindet eine lange Ortsgeschichte mit archäologischen Fundorten, Kirchen und Zeugnissen traditioneller Baukunst. Wer sich für Kulturgeschichte interessiert, begegnet hier verschiedenen Blickwinkeln: von frühen Siedlungsspuren über die römische Poststation Colatio bis zu Fresken und einem Kreuzweg. Diese Themen geben einer Reise nach Stari Trg einen klaren Schwerpunkt, ohne dass dafür eine einzige Epoche im Mittelpunkt stehen muss.
Von frühen Siedlungsspuren bis zur römischen Poststation
Der heutige Name Stari Trg ist erstmals 1331 als „Antiquum forum“ belegt. Noch weiter zurück reichen die Spuren am Grajski hrib: Der Hügel war bereits in der späten Bronzezeit und in der Eisenzeit besiedelt. Die späte Bronzezeit wird auf die Mitte des 14. bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts vor Christus datiert. Auf der archäologischen Fundstelle Puščava belegen Funde außerdem eine Wallburg aus der jüngeren Eisenzeit. Die beiden Ortsnamen stehen damit für unterschiedliche archäologische Schauplätze und Zeitabschnitte.
Am Fuß des Grajski hrib lag Colatio an der römischen Straße Celeia–Virunum. Colatio war eine antike Siedlung und Poststation; ihre Entwicklung lässt sich vom 1. bis zum 5. Jahrhundert nach Christus verfolgen. Zu den wenigen erhaltenen und erforschten römischen Poststationen auf dem Gebiet Sloweniens gehörend, bildet Colatio gemeinsam mit dem Grajski hrib einen archäologischen Komplex von europäischer Bedeutung. Die römische Geschichte des Ortes ist also nicht nur eine einzelne Zeitangabe: Siedlung, Poststation und Straßenlage gehören zur Geschichte von Colatio.
Eine weitere archäologische Perspektive bietet der Friedhof von Puščava. Dort wurden 136 spätantike und frühmittelalterliche Gräber entdeckt; 1995 kamen zwei weitere Gräber hinzu. Die spätantiken Gräber stammen vom Ende des 4. bis ins 5. Jahrhundert. Ein Teil des Friedhofs wurde nach einer zweihundertjährigen Unterbrechung ab dem frühen 8. Jahrhundert wieder genutzt. Zum Vergleich: Der römische Friedhof von Colatio liegt südlich von Stari Trg an beiden Ufern des Bachs Draga. Die beiden Friedhöfe haben somit unterschiedliche räumliche Bezüge und unterschiedliche Abschnitte der Geschichte.
Kirchen, Kreuzweg und Baugeschichte
Bei St. Pancras treffen mehrere konkrete Baudetails zusammen. Der westliche Eingang der Kirche entstand um 1240; im Tympanon über dem Portal befindet sich ein Fresko mit Maria und Jesus. Zur Kirche gehört auch eine überdachte heilige Treppe, deren Wände mit Fresken von Passionsszenen geschmückt sind. In ihrer Bauarchitektur enthält die Kirche zudem Elemente einer der ältesten Burgen Sloweniens.
Auch die Kirche St. Radegunde bietet einen eigenen Zugang zur Ortsgeschichte. Sie steht im Ortszentrum an einem steilen Hang unterhalb der Burg. Unterhalb des Presbyteriums bewahrt sie eine spätgotische Krypta; ihr Hauptaltar wurde 1768 von J. J. Mersi geschaffen. Die mittelalterliche Burg oberhalb von Stari Trg wurde 1091 erstmals als Grez („Gradec“) erwähnt. So lassen sich die Lage der Kirche, die Krypta und der Altar als unterschiedliche Aspekte der örtlichen Bau- und Kunstgeschichte einordnen.
Der Kreuzweg von Stari Trg führt von der Kirche St. Radegunde zur Kirche St. Pancras. Er umfasst dreizehn Kapellen, die um 1790 entstanden, und endet an der heiligen Treppe als vierzehnter Station. Die Reliefs in den Kapellen stammen aus der Bildhauerwerkstatt J. J. Mersi in Slovenj Gradec. Wer sich für sakrale Kunst interessiert, kann dabei zwei Formen auseinanderhalten: die Reliefs entlang des Kreuzwegs und die Fresken an der heiligen Treppe. In der touristischen Deutung des Mythical Trail vom Juni 2026 wird St. Pancras oberhalb von Stari Trg außerdem als Teil eines rituellen Dreiecks im Mislinja-Tal dargestellt. Das ist eine Deutung des Trails, nicht dieselbe Art von Aussage wie die baulichen und archäologischen Befunde.
Traditionelle Bauformen und praktische Einordnung
Neben Kirchen und archäologischen Fundorten gehören auch Heuharfen zum kulturellen Bild von Stari Trg. Die Mežnikov-Heuharfe wurde vollständig restauriert, besitzt aber weiterhin eine traditionell gestaltete Holzkonstruktion und die erhaltene Jahreszahl 1865. Sie zählt zu den ältesten Heuharfen dieser Gegend. Rupertovs Heuharfe ist dagegen ein traditioneller, auf einer Anhöhe stehender Toplar in Stari Trg; sie wird auf das Ende des 19. Jahrhunderts datiert. Der Vergleich macht zwei unterschiedliche Merkmale sichtbar: Bei der einen ist die Jahreszahl erhalten, bei der anderen sind die Bauform und die Lage auf einer Anhöhe Teil der Beschreibung.
Für die Auswahl eines kulturellen Schwerpunkts lassen sich auch die Zeitlinien gegenüberstellen: Colatio war vom 1. bis zum 5. Jahrhundert Siedlung und Poststation; der Friedhof von Puščava bringt spätantike Gräber und eine Wiederverwendung ab dem frühen 8. Jahrhundert in den Blick. Wer sich eher für Baukunst interessiert, findet dagegen konkrete Vergleichspunkte an St. Pancras, St. Radegunde und den Kapellen des Kreuzwegs. Als räumliche Orientierung gilt: Von Slovenj Gradec nach Stari Trg sind es weniger als zehn Minuten zu Fuß.
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