In Äthiopien zeigt die Konso Cultural Landscape, wie eng Landschaftsform und landwirtschaftliche Nutzung verbunden sein können. Ausgedehnte Trockenstein-Terrassen schützen den Boden vor Erosion, halten Wasser zurück und bilden zugleich landwirtschaftlich genutzte Terrassenfelder. Ihre doppelte Funktion macht den Aufbau dieser Kulturlandschaft besonders anschaulich: Die Terrassen sind Schutzstruktur und Anbaufläche zugleich.
Terrassen, Hochland und Wald
In der Gedeo Cultural Landscape prägen ausgewachsene Bäume den Anbau. Sie spenden Schutz für Enset, Kaffee und weitere Nahrungspflanzen. Ein Vergleich mit Konso macht zwei unterschiedliche Formen der Landschaftsnutzung sichtbar: Dort verbinden Terrassen Bodenschutz, Wasserrückhalt und Felder; in Gedeo schützen ausgewachsene Bäume die Nahrungspflanzen. Die beiden Kulturlandschaften zeigen, wie unterschiedlich Landwirtschaft in der Gestaltung einer Landschaft hervortritt.
Der Bale Mountains National Park steht für eine weitere Landschaftsform: Er umfasst Afrikas größte Fläche afroalpiner Lebensräume oberhalb von 3.000 Metern. Zahlreiche Gletscherseen, Feuchtgebiete und Moorlandschaften gehören ebenfalls dazu. An den Südhängen des Bale-Gebirges geht die Landschaft in den Harenna Forest über. Er ist der zweitgrößte feuchte Tropenwald Äthiopiens und umfasst auch Bereiche mit Nebelwald.
Im Simien-Nationalpark prägen zerklüftete Berggipfel, tiefe Täler und steile Abgründe das Relief. Die Höhenunterschiede der Abgründe betragen etwa 1.500 Meter. Zugleich leben im Park Walia-Steinböcke, Dschelada-Paviane und Äthiopische Wölfe. Während bei Bale afroalpine Lebensräume, Seen und Feuchtgebiete zu den markanten Merkmalen zählen, geben im Simien Gipfel, Täler und Abgründe dem Landschaftsbild seine Form.
Monumente, Kirchen und frühe Zeugnisse
Auch die Gedeo Cultural Landscape ist für ihre Kulturgeschichte bekannt: Entlang der Bergrücken liegen dichte Gruppen megalithischer Monumente. Sie werden von den Gedeo verehrt und von ihren Ältesten gepflegt. Ihre Lage und ihre Bedeutung für die Gedeo gehören zusammen; die Monumente sind damit nicht nur durch ihre Größe, sondern auch durch ihre kulturelle Rolle charakterisiert.
Bei den Felsenkirchen von Lalibela lassen sich zwei architektonische Merkmale unterscheiden. Biete Medhani Alem besitzt fünf Schiffe und gilt als die größte monolithische Kirche der Welt. Biete Ghiorgis hat einen kreuzförmigen Grundriss. Die eine Kirche fällt durch die beschriebene Größe auf, die andere durch ihre klare Grundrissform – zwei verschiedene Zugänge zur Architektur Lalibelas.
Archäologische Orte eröffnen einen anderen Blick auf Äthiopiens Geschichte. Tiya umfasst 36 Monumente, darunter 32 geschnitzte, mit Symbolen bedeckte Stelen. Melka Kunture und Balchit bewahren archäologische und paläontologische Zeugnisse, die von der Besiedlung des Gebiets durch Homininengruppen vor zwei Millionen Jahren zeugen. Während die Zahlen bei Tiya den Bestand des Ortes greifbar machen, verweisen die Zeugnisse von Melka Kunture und Balchit auf eine sehr frühe Besiedlung.
In Harar Jugol treffen Baugeschichte und unterschiedliche Wohnhaustypen aufeinander. Die Mauern wurden zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert errichtet. Die Stadt umfasst traditionelle, indische und kombinierte Stadthäuser mit charakteristischen Innenräumen. So lassen sich die lange Bauzeit der Befestigung und die Vielfalt der Häuser als zwei eigenständige Aspekte des historischen Orts betrachten.
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