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Castro bietet mehrere Zugänge zur Geschichte: Die Erinnerung an die Tropeiros und an die Eisenbahn steht neben der niederländischen Einwanderungsgeschichte; historische Bauten zeigen zugleich den Wandel der Stadtarchitektur. Für die Wahl des Reiseziels ist diese thematische Breite hilfreich: Sie können den Schwerpunkt auf die Entwicklung von Castro und der Campos Gerais legen oder auf die Kulturgeschichte der niederländischen Gemeinschaft. Die Sammlungen und historischen Orte setzen dabei jeweils eigene Akzente.

Tropeirismus und Stadtgeschichte

Das Museu do Tropeiro befindet sich in einem Haus aus dem 18. Jahrhundert an der Praça Getúlio Vargas Nr. 11 im Zentrum von Castro. Seine Sammlung erinnert an den Tropeirismus, der für die historische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung von Castro und Paraná grundlegend war. Sie umfasst Bereiche zu Tropeiros, historischen Dokumenten und Gegenständen, sakraler Kunst, regionalem Kunsthandwerk sowie weiteren Zeugnissen des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens von Castro. Die Themen reichen damit von der Geschichte der Tropeiros bis zu religiösen und handwerklichen Ausdrucksformen.

Architektur und historisches Erbe

Die Casa de Sinhara, auch Casa Mascarenhas genannt, zählt zu den ältesten Gebäuden im historischen Zentrum. Das in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtete Haus weist Übergangsmerkmale zwischen kolonialer und neoklassizistischer Stadtarchitektur auf und bewahrt einen wesentlichen Teil seiner ursprünglichen Elemente. Am 4. Januar 1982 stellte der Bundesstaat Paraná das Gebäude unter Denkmalschutz. An der Casa lässt sich daher sowohl die Baugeschichte als auch die spätere Anerkennung ihres historischen Werts betrachten.

Die Capela de Santo Antônio do Capão Alto war ein religiöser Bezugspunkt für die lokale Bevölkerung. Dort fanden Taufen, Trauungen und Bestattungen der ersten Bewohner der Region statt. Die Fazenda Capão Alto ergänzt diesen historischen Blick: Sie ist als staatliches Kulturerbe eingetragen, war der erste Halt der Tropeiros in Castro und markierte den Beginn der Besiedlung der Campos Gerais. Kapelle und Fazenda stehen so für unterschiedliche Aspekte der Regionalgeschichte – religiöse Praktiken auf der einen, Tropeiro-Geschichte und Besiedlung auf der anderen Seite.

Niederländische Einwanderung und Erinnerung

Das Centro Cultural Castrolanda besteht aus zwei Gebäuden: dem 2001 eröffneten Memorial da Imigração Holandesa und dem 2016 eröffneten Museu Histórico de Castrolanda. Gemeinsam bilden sie einen Komplex für die Kultur und Erinnerung der Gemeinschaft. Im Museu Histórico erzählen Möbel und Gegenstände, die von den Familien der Pioniere gespendet oder ausgeliehen wurden, von deren Suche nach einem neuen Leben in der neuen Heimat. Die Familiengeschichte erhält dadurch einen konkreten Gegenstandsbezug.

Auch das Gebäude des Museu Histórico setzt einen eigenen Akzent. Es ist im Boerderij-Stil gestaltet, der für typische Bauernhäuser im Norden der Niederlande steht und Wohnbereich und Stall beziehungsweise Scheune miteinander verbindet. Das Moinho De Immigrant, auch Memorial de Imigração genannt, wurde 2001 anlässlich des 50. Jahrestags der Kolonie als Würdigung der niederländischen Einwanderer eröffnet. Das 37 Meter hohe Monument besitzt eine Holzkonstruktion ohne Nägel.

Im Moinho De Immigrant befinden sich eine ständige historische Ausstellung, ein Veranstaltungssaal, ein Café-Restaurant, ein Kunsthandwerksladen und eine Bibliothek. Da der Betrieb einzelner Einrichtungen variieren kann, prüfen Sie vorab, welche davon während Ihres Besuchs geöffnet sind. Einen weiteren Zugang zur niederländischen Kultur bietet die Grupo Folclórico Holandês de Castrolanda, die Folklore durch Tänze und Musik bewahrt. Die Gruppe wurde 1953 nach der Ankunft der ersten niederländischen Familien im Município de Castro gegründet. Die Jugendlichen wurden von der Sportlehrerin Thilly Kleinsmidt angeführt und nannten die Tanzgruppe zunächst „Grupo Holandês em Tamancos“.

Eisenbahn und Rio Iapó

Die Estação Ferroviária de Castro wurde im Dezember 1899 eröffnet und ist ein Zeugnis des Eisenbahnverkehrs für Personen, Fracht und Waren in der Region Campos Gerais. Nach ihrer Stilllegung durch die Rede Ferroviária Federal S.A. wurde sie 1992 durch Arbeiten der Stadtverwaltung von Castro umgenutzt. Seitdem beherbergt sie Aktivitäten des städtischen Kulturamts und hat damit eine öffentliche und kulturelle Funktion behalten. Ihre Geschichte verbindet die frühere Bedeutung der Eisenbahn mit der späteren kulturellen Nutzung.

Der Rio Iapó ergänzt die historischen Themen um eine geografische Perspektive: Er fließt durch das Stadtgebiet von Castro. Der langsam fließende Fluss ist außerdem mit der Passage der Tropeiros verbunden. So stehen in Castro die Geschichte der Wege und des Verkehrs neben den Sammlungen, Gebäuden und kulturellen Erinnerungsorten – mit unterschiedlichen Anknüpfungspunkten für einen Aufenthalt, der sich auf Stadtgeschichte, Architektur oder niederländische Einwanderung konzentriert.

Weitere Reiseziele entdecken: Paranavaí, Jaguariaíva, Dourado, Campo Mourão, Guaraqueçaba, Umuarama, Arapongas, Telêmaco Borba.

Zur übergeordneten Reiseübersicht: Paraná.

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