Im Museum Sítio Minguinho reicht das Themenspektrum vom rekonstruierten Friseurladen und einem mehrklassigen Schulraum bis zu Geräten für Mate, Maniok und Mais. Hinzu kommen Erinnerungen an die Colônia Cecília und an wolgadeutsche Einwanderung. Die Bereiche lassen sich nach ihren Gegenständen und Geschichten unterscheiden: Sie führen von Alltagsräumen und Handwerk zu gemeinschaftlichem Leben und Lebensmittelherstellung. Das Museum ist an das Instituto Brasileiro de Museus (IBRAM) angebunden; prüfen Sie vor der Anreise die aktuellen Besuchsmodalitäten.
Handwerk und Schulalltag
Die Barbearia wurde mit originalen Gegenständen und Gebrauchsgegenständen aus einer früheren Friseurstube im Zentrum von Palmeira rekonstruiert. Die Escola zeigt Möbel, Bücher und Unterrichtsmaterialien aus einem typischen mehrklassigen Schulraum der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Beide Räume setzen verschiedene Akzente: Bei der Barbearia steht die Einrichtung eines Arbeitsortes im Vordergrund, bei der Escola der Schulalltag in einem mehrklassigen Raum. Die Ferraria ergänzt diesen Blick mit Werkzeugen und einer Schmiedewerkstatt zum Formen eiserner Gebrauchsgegenstände und Arbeitsgeräte. Die portugiesischen Bezeichnungen helfen bei der Einordnung: Barbearia meint Friseurstube, Escola Schule und Ferraria Schmiede. So führen die drei Bereiche von Friseurhandwerk und Unterricht bis zur Bearbeitung von Eisen.
Erinnerungen an Gemeinschaft und Einwanderung
Das Memorial da Colônia Cecília zeigt Gegenstände, Dokumente und Fotografien über eine anarchistische Gemeinschaft. Es ist ein besuchbarer Museumsbereich des Sítio Minguinho in der Gemeinde Palmeira. Auf Gemeindeebene führt die Geschichte zu einer experimentellen Kommune, die 1890 in Palmeira im Bundesstaat Paraná auf anarchistischer Grundlage gegründet wurde. Ort, Jahr und Gründungsform geben den ausgestellten Erinnerungsstücken einen konkreten historischen Bezug.
Die Casa dos Alemães do Volga im Sítio Minguinho vermittelt Bräuche, die wolgadeutsche Einwanderer Ende des 19. Jahrhunderts aus den Ufergebieten der Wolga in Russland nach Brasilien brachten. Ein typisch russisch-deutsches Haus in der Gemeinde Palmeira ist reich mit historischen Gegenständen aus dem Alltag früher Einwanderer ausgestattet. So stehen kulturelle Bräuche neben materiellen Zeugnissen des täglichen Lebens. Auch zeitlich unterscheiden sich die Themen: Die Migration wird ans Ende des 19. Jahrhunderts gebunden, der dargestellte Schulraum an die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts.
Geräte für Mate, Maniok und Mais
Bei den Produktionsgeräten lassen sich Antrieb und Zweck vergleichen. Der Barbaquá wurde durch Tierzug betrieben und diente der Verarbeitung von Mateblättern für Chimarrão. Auch die Tafona wurde durch Tierzug betrieben, stellte jedoch Maniokmehl her. Der Monjolo mahlte Mais zur Herstellung von Maiserzeugnissen. Barbaquá und Tafona teilen somit den Tierzug, unterscheiden sich aber durch ihren Zweck; der Monjolo ergänzt den Vergleich um das Mahlen von Mais. Besucher können außerdem die Bodega im Sítio Minguinho in der Gemeinde Palmeira besichtigen.
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