Südöstlich der Oase Dunhuang bewahren die Mogao-Grotten in Gansu 492 Höhlen, etwa 45.000 Quadratmeter Wandmalereien und mehr als 2.000 bemalte Skulpturen. Die Zahlen zeigen die unterschiedlichen Formen dieses Erbes: Höhlenräume, großflächige Malereien und einzelne Figuren gehören gleichermaßen dazu. Im größeren kulturellen Kontext Chinas wurden die Grotten erstmals 366 n. Chr. angelegt; sie repräsentieren buddhistische Kunst vom 4. bis zum 14. Jahrhundert. So treffen an einem Ort ein klarer geografischer Bezug zu Dunhuang und eine lange kunsthistorische Zeitspanne aufeinander.
Klöster, Höhlen und historische Wege
Eine andere kulturelle Perspektive eröffnet das Kloster Labrang in Xiahe. Es ist ein bedeutendes tibetisches religiöses und kulturelles Zentrum für die Regionen Gansu, Qinghai und Sichuan und zählt zu den sechs wichtigsten Gelug-Klöstern. Das Kloster bewahrt mehr als 60.000 Bände in zwölf Kategorien auf. Seine regionale Bedeutung und der Umfang der Sammlung setzen unterschiedliche Akzente: Hier geht es sowohl um eine religiöse Institution als auch um das bewahrte Schrifttum.
Auch die Maijishan-Grotten erzählen eine Geschichte, die sich über lange Zeit entwickelte. Sie wurden erstmals während der Späteren Qin-Zeit angelegt und über zwölf Dynastien hinweg fortlaufend ausgebaut. Die Maijishan-Region verbindet zugleich Wälder, Blumen, Bäche und Wasserfälle an mehr als 180 landschaftlich reizvollen Punkten. Kulturgeschichte und Landschaft stehen hier nebeneinander, ohne dass die eine die andere erklärt.
Am Jiayuguan-Pass begegnen sich die Geschichte der Großen Mauer und die der Seidenstraße. Der Pass war in der Antike ein bedeutender Verlauf der Seidenstraße und bildet den Ausgangspunkt des westlichen Abschnitts der Mingischen Großen Mauer. Er wurde 1372 errichtet und steht seit mehr als 600 Jahren in der Gobi-Wüste. Im landesweiten Zusammenhang Chinas erstreckt sich die Große Mauer über mehr als 20.000 Kilometer – von Shanhaiguan in der Provinz Hebei im Osten bis Jiayuguan in der Provinz Gansu im Westen.
Sand, Quellwasser und weite Graslandschaft
Bei Dunhuang ist das Landschaftsgebiet Mingsha-Berg und Mondsichelquelle als nationales 5A-Tourismusgebiet und Geopark von Weltrang ausgewiesen. Die Mondsichelquelle liegt innerhalb des von den Mingsha-Bergen umschlossenen Gebiets; das Zusammenspiel von Sand und Quellwasser prägt dessen Landschaft. Auch der Zhangye-Farbige-Danxia-Nationalpark trägt die Einstufungen als nationales 5A-Tourismusgebiet und Geopark von Weltrang. Er liegt in der Stadt Zhangye sowie in den Kreisen Linze und Sunan und umfasst 50 Quadratkilometer. Die Einstufungen können sich im Laufe der Zeit ändern; prüfen Sie den aktuellen Stand vor Ihrer Reise, falls er für Ihre Planung wichtig ist.
Das Sangke-Grasland bietet einen anderen Maßstab: Es ist ein 70 Quadratkilometer großes Wiesensteppengebiet in Xiahe im Autonomen Tibetischen Bezirk Gannan in Gansu. Von Labrang beziehungsweise dem Kreiszentrum Xiahe liegt es 18 Kilometer südwestlich und ist direkt über eine Straße erreichbar. Da sich Straßenverhältnisse ändern können, prüfen Sie diese vor der Fahrt.
Wald und Baukunst am Berg Kongtong
Am Berg Kongtong stehen Landschaft und Architektur ebenfalls in einem bemerkenswerten Verhältnis. Die Waldfläche beträgt mehr als 95 Prozent; zugleich ist der Berg ein nationaler Geopark und ein nationales Naturschutzgebiet. Sein architektonisches Ensemble umfasst 42 Baugruppen mit acht Terrassen, neun Palästen und zwölf Höfen. Diese Angaben machen zwei verschiedene Seiten des Ortes sichtbar: den hohen Waldanteil und eine vielgliedrige Anlage aus Gebäuden und Höfen. Zusammen mit den Höhlenstätten, Klöstern, Pässen und Graslandschaften zeigt sich Gansu so nicht durch ein einziges Motiv, sondern durch deutlich unterschiedliche kulturelle und landschaftliche Themen.
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