Ein Sandsteinbrunnen aus dem frühen 19. Jahrhundert, ein Bildstock um 1900 und ein ehemaliges Brauhaus aus dem 18. Jahrhundert setzen in Oberoberndorf unterschiedliche historische Zeitmarken. Daneben prägen die denkmalgeschützte Kapelle Unsere Liebe Frau von Lourdes, der Aspach und die Kirchweih den Ortscharakter. Für einen Aufenthalt verbinden sich so Baugeschichte, Landschaft und örtliche Traditionen mit einer konkreten Wanderoption nach Kirchschletten.
Kapelle, Brunnen und historische Gebäude
Die denkmalgeschützte Kapelle Unsere Liebe Frau von Lourdes ist ein Saalbau mit Satteldach. Zu ihren baulichen Merkmalen gehören der sandsteinsichtige Giebelreiter und der eingezogene Chor mit 5/8-Schluss. Beim ebenfalls denkmalgeschützten Lorenzbrunnen steht das Material im Vordergrund: Seine Brunnenstube besteht aus Sandsteinquadern und stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert.
Auch Wohngebäude und ein früheres Gewerbe prägen die historischen Bauformen. Das denkmalgeschützte Wohnstallhaus Oberoberndorf 12 ist ein zweigeschossiger Satteldachbau. Sein Erdgeschoss ist massiv und verputzt, das Obergeschoss in Fachwerk ausgeführt; das Gebäude stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert. Beim Haus Oberoberndorf 7 steht ein denkmalgeschützter Bildstock aus einem Sandsteinpfeiler mit Nischenaufsatz und halbrunder Bedachung, datiert um 1900. Das denkmalgeschützte ehemalige Brauhaus Oberoberndorf 20 ist ein zweigeschossiger Fachwerkbau mit Schopfwalm aus dem 18. Jahrhundert. Sein rückwärtiger Anbau mit Ziegelschornstein stammt aus dem 19. Jahrhundert.
Zeitlich reicht die Folge vom ehemaligen Brauhaus des 18. Jahrhunderts über Bauten und Bauteile des 19. Jahrhunderts bis zum Bildstock um 1900. Sandstein erscheint bei Brunnen, Bildstock und Kapelle, während Fachwerk sowohl das Wohnstallhaus als auch das frühere Brauhaus kennzeichnet.
Aspach und Wanderbezüge
Der Aspach entspringt in Oberoberndorf und durchquert den Ort. Sein Lauf führt an Kirchschletten vorbei nach Zapfendorf und schließlich in den Main. Damit lässt sich der Bachlauf räumlich über Oberoberndorf hinaus verfolgen, ohne die einzelnen Ortsbezüge miteinander zu verwechseln.
Eine konkrete Wanderoption führt über einen lokalen Weg, der durch Oberoberndorf verläuft, zum Kloster Maria Frieden, der Pilgerherberge in Kirchschletten. Die angegebene Entfernung beträgt 5 km. Eine prägende Apfelbaumreihe macht außerdem den Verlauf des Weges von Oberoberndorf in Richtung Hofhölzer in der Landschaft ablesbar.
Im weiteren Umfeld von Oberoberndorf steht die weithin sichtbare Windischlettener Linde an der Gemarkungsgrenze zwischen Windischletten und Oberoberndorf. Sie befindet sich auf einer Grünlandfläche, die zur Stadt Scheßlitz gehört, ist Windischletten zugeordnet und wird als kulturhistorisches Denkmal geführt. Sie bildet damit einen eigenen Bezugspunkt außerhalb des Ortskerns.
Kirchweih, Apfelmarkt und Überlieferung
Die Kirchweih zu Ehren der Muttergottes von Lourdes ist an den Muttertag beziehungsweise den zweiten Sonntag im Mai gebunden. Zu ihr gehören der Hahnenschlag und ein Kletterbaum mit Süßigkeiten für Kinder. Beide Bräuche geben dem Termin einen konkreten örtlichen Charakter.
Der Obst- und Gartenbauverein Oberoberndorf-Kirchschletten-Reuthlos führt einen Apfelmarkt am ersten Sonntag im Oktober auf. Prüfen Sie vor der Reise das Programm des jeweiligen Jahres, wenn Sie Ihren Aufenthalt auf diesen Termin abstimmen möchten.
Eine lokale Überlieferung erzählt von den „Gruäßtunnern“: Bauern sollen beim Durchmarsch durch Schweißdorf und Kirchschletten Zigarren angezündet und sie aus Sparsamkeit erst nach dem Verlassen der Orte an hölzernen Telefonmasten ausgedrückt haben. Als Erzählung ergänzt diese überlieferte Episode die Baugeschichte um einen anderen Blick auf die Ortsgeschichte.
Zur übergeordneten Reiseübersicht: Zapfendorf.