Wer Ottrau als Reiseziel auswählt, findet konkrete Anknüpfungspunkte für Natur- und Kulturinteressen. Die Route „Historische Grenzen“ führt an Quellen und historischen Grenzsteinen vorbei und streift das Schutzgebiet „Immichenhainer Teiche“. In Immichenhain kommen die Baugeschichte der ehemaligen Klosterkirche und eine markante Dorfansicht hinzu; in Ottrau-Schorbach setzt das Mühlenmuseum Steinmühle einen eigenen Akzent.
Naturschutzgebiet und Route „Historische Grenzen“
Die „Immichenhainer Teiche“ umfassen etwa 23,2 Hektar und stehen seit 1985 unter Naturschutz. Seit 2008 ist dasselbe Gebiet flächen- und namensgleich als FFH-Gebiet ausgewiesen. Die Route „Historische Grenzen“ ist knapp zehn Kilometer lang. Sie stellt historische Grenzsteine vor, deren Setzung teilweise bis mindestens ins 16. Jahrhundert zurückreicht, und führt an vier Quellen der Gemarkung Immichenhain vorbei.
Außerdem streift die Route das Naturschutzgebiet, das ursprünglich sieben kleine Seen umfasst. Damit treffen auf derselben Route zwei unterschiedliche Themen aufeinander: Die Grenzsteine geben einen historischen Bezug, während die Teiche den Blick auf den geschützten Landschaftsraum lenken. Wenn Sie Ihre Reise nach konkreten Natur- und Geschichtsinteressen ausrichten, bietet diese Verbindung einen klaren Schwerpunkt, ohne dass Sie dafür eine längere Rundfahrt einplanen müssen.
Dorfansicht und Geschichte der Klosterkirche
Von der Sitzbank „Immichenhain-Blick“ bietet sich ein Blick über das Dorf Immichenhain mit der Kapelle des ehemaligen Klosters und den Gebäuden der heutigen Staatsdomäne. In Richtung Schrecksbach öffnet sich dort das Tal des Bodenbachs. Die Ansicht verbindet Dorf, Klostergeschichte und die gegenwärtigen Gebäude der Staatsdomäne in einem konkreten Blickpunkt.
Die ehemalige Klosterkirche in Immichenhain wurde zu Beginn des 13. Jahrhunderts im gotischen Stil erbaut. In ihr sind Wandmalereien aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erhalten. Große Epitaphe aus dem 17. Jahrhundert zeigen ein Stück Familiengeschichte der Herren von Diede. So reichen die überlieferten Zeugnisse vom Kirchenbau über mittelalterliche Malerei bis zu späteren Familiengedenkzeichen.
Auch der Taufstein bietet einen eigenen architektonischen Ansatzpunkt: Rundbögen, Ornamente und Figuren im Stil der Romantik deuten darauf hin, dass er älter als die Kirche selbst ist. Diese Deutung bleibt eine Einordnung anhand seiner Gestaltung. Zusammen mit Bauzeit, Wandmalereien und Epitaphen eröffnet der Taufstein einen weiteren Blick auf die lange Geschichte des Kirchenraums.
Mühlenmuseum Steinmühle in Ottrau-Schorbach
Das Mühlenmuseum Steinmühle liegt in Ottrau-Schorbach direkt am Bahnradweg. Zum Museum gehören ein Außenbereich, ein Sägewerk und ein Wasserrad. Damit ergänzt es die Kirchen- und Ortsgeschichte um Mühlentechnik und die daran geknüpften Anlagen. Nach vorheriger Absprache können eine Kaffeetafel mit „Schwälmer Blechkuchen“ oder eine herzhafte Wurstvesper angeboten werden. Wenn Sie eine solche Bewirtung einplanen, stimmen Sie sie vorab ab.
Weitere Themen im übergeordneten Reiseziel Schwalm-Eder-Kreis
Der Schwalm-Eder-Kreis umfasst Mittelgebirgslandschaften rund um Knüll, Kellerwald und Habichtswald. Als weitere, eigenständige Kulturthemen des übergeordneten Reiseziels bieten sich das Museum Malerstübchen in Willingshausen und das Museum der Schwalm in Schwalmstadt-Ziegenhain an. Diese regionalen Beispiele ergänzen den Blick auf Ottrau, ohne dessen örtliche Sehenswürdigkeiten zu ersetzen.
Das Museum Malerstübchen vermittelt Kunstgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts und zeigt Gemälde mit Motiven der Schwälmer Tracht. Zu den dort gezeigten bäuerlichen Handwerksthemen gehören Weißstickerei, Stricken und Spinnen. Bei fachkundiger Führung gibt es Vorträge über die Malerkolonie und ihre Künstler, Schwälmer Brauchtum und Handwerk. Im Museum der Schwalm zeigt eine rekonstruierte Töpferwerkstatt die in der Region gebräuchliche Keramik und Töpferware. Das Museum beherbergt außerdem ein großes Modell der Wasserfestung Ziegenhain: Es zeigt deren Zustand im Jahr 1761 nach der Beschießung im Siebenjährigen Krieg.
Weitere Reiseziele entdecken: Weißenborn, Schrecksbach, Felsberg, Borken, Frielendorf, Neukirchen, Wabern, Gudensberg.
Zur übergeordneten Reiseübersicht: Schwalm-Eder-Kreis.