Rancourt ist ein Ziel für Reisende, die unterschiedliche Formen des Gedenkens kennenlernen möchten. Die französische Nationalnekropole, die Chapelle du Souvenir Français und der deutsche Soldatenfriedhof stehen in einem größeren Zusammenhang: Die deutschen, französischen und britischen Gedenkstättenelemente liegen geografisch nahe und sind gegenseitig sichtbar. So geht es nicht nur um einzelne Anlagen, sondern auch darum, wie die drei Nationen ihre Erinnerung architektonisch gestalten und welche öffentlichen, privaten, familiären und verbandlichen Formen nebeneinander bestehen.
Der Gedenksektor liegt auf dem Vermandois-Plateau nordöstlich des Somme-Tals. Unter einer dicken Lehmschicht liegt Kreide; einige Trockentäler durchziehen das Gelände. Diese Landschaft bildet den Rahmen für die Gedenkstätten. Der deutsche Soldatenfriedhof ist in das UNESCO-Welterbe eingeschrieben. Wer die Anlagen thematisch erschließen möchte, kann ihre unterschiedlichen Gestaltungen und Gedenkformen miteinander vergleichen.
Französische und deutsche Gedenkorte
Die französische Nationalnekropole umfasst 8.567 Bestattete, darunter 5.327 Einzelgräber und drei zivile Opfer. Dort sind christliche, jüdische, muslimische und freidenkerische Grabstelen vertreten. Am Eingang der Nekropole enthalten vier Beinhäuser die zusammengeführten Überreste von 3.240 Kämpfern. Zahlen, Grabformen und Stelen geben der Anlage jeweils einen eigenen Zugang zum Gedenken.
Der deutsche Soldatenfriedhof ist die letzte Ruhestätte von 10.422 Soldaten: 3.930 sind bestattet, 7.492 in einem Beinhaus beigesetzt. Zwischen den Gemeinschaftsgräbern steht eine kleine Gedenkhalle aus rotem Vogesen-Sandstein. Eine Skulptur darin stellt eine Beisetzung dar; eine schlichte Backsteinkapelle ergänzt den Friedhof. Auch das Oratorium ist ein besonderer Bestandteil: Es ist vollständig als historisches Denkmal geschützt und enthält ein Basrelief, das die Beisetzung einer Mutter und dreier Waisen zeigt.
Kapelle und Friedhof im näheren Umfeld
Am Eingang der großen Nekropole von Rancourt liegt in Bouchavesnes-Bergen die Chapelle du Souvenir Français. Die private Kapelle wurde 1923 von der Familie des Leutnants Du Bos errichtet, zu seinem Gedenken und zum Gedenken an die im Sektor gefallenen französischen Kämpfer. Auch sie ist vollständig als historisches Denkmal geschützt. Ihre Geschichte verbindet das Andenken an eine einzelne Person mit dem Gedenken an die französischen Kämpfer des Sektors.
Im näheren Umfeld von Rancourt umfasst der britische Soldatenfriedhof 90 Gräber und Gedenkungen aus dem Ersten Weltkrieg. Dazu kommen sechs Gräber von RAF-Fliegern aus dem Zweiten Weltkrieg. Ihr Flugzeug wurde am 21. Mai 1940 abgeschossen. Diese Gedenkstätte erweitert den Blick auf die internationale Erinnerung an die Kriege, ohne mit den Friedhöfen von Rancourt gleichgesetzt zu werden.
Radtour und Führungen planen
Wer Rancourt mit dem Rad einbeziehen möchte, kann den 52 Kilometer langen, mittelschweren Circuit du Souvenir berücksichtigen. Die Runde beginnt und endet am Historial de la Grande Guerre in Péronne und führt nach Rancourt. Für den Radzugang aus Bouchavesnes-Bergen führt ein 700 Meter langer unbefestigter Weg zur Chapelle du Souvenir Français; alternativ kann man der D1017 folgen. Strecken- und Zugangshinweise können sich ändern, prüfen Sie sie deshalb vor der Fahrt.
Für die Chapelle du Souvenir Français und die Militärfriedhöfe von Rancourt werden Einzel- und Gruppenführungen nach Reservierung angeboten. Wenn Sie eine Führung wünschen, reservieren Sie diese vorab. So können Sie den Besuch nach Ihrem Schwerpunkt planen: mit Blick auf die Architektur, die Geschichte einzelner Gedenkorte oder die verschiedenen Formen des Erinnerns.
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