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Palazzo Garagnani, historische Kirchen und eine von Villen geprägte Kulturlandschaft geben Crespellano ein vielschichtiges Profil. Der Ort gilt als kleines befestigtes Dorf römischen Ursprungs. Seine Geschichte lässt sich sowohl an einzelnen Bauwerken als auch an Spuren in der Umgebung ablesen. Architekturgeschichte und die Entwicklung des Gebiets gehören hier zusammen; Crespellano lässt sich deshalb nicht auf ein einzelnes Denkmal reduzieren.

Kirchen und Palazzo: unterschiedliche historische Rollen

Im Herzen von Crespellano befindet sich der Palazzo Garagnani. In ihm liegt der größte Teil des Centro Culturale Luigi Calanca mit der Biblioteca di Crespellano. Auch der Turm des Palazzo hat einen historischen Bezug zum Ort: Er gehörte zum ehemaligen Schloss von Crespellano. Am selben Bau treffen damit die Verbindung zum Kulturzentrum und ein Zusammenhang mit der früheren Schlossanlage aufeinander.

Die Kirche San Savino verbindet eine lange Baugeschichte mit einer früheren religiösen Funktion. Sie wurde im 16. Jahrhundert gegründet, Mitte des 18. Jahrhunderts und erneut zu Beginn des 19. Jahrhunderts renoviert. San Savino war außerdem der frühere Pfarrsitz von Crespellano, bevor die Pfarrei in die Kirche des Castello verlegt wurde. Die Kirche San Francesco in Crespellano wurde bereits 1232 errichtet. In Confortino steht eine weitere Kirche San Francesco im Zusammenhang mit dem Franziskuskult: Gemeinsam mit dem Oratorium der Villa Pedrazzi bezeugt sie dessen bedeutende Verbreitung in der ländlichen Umgebung im 13. Jahrhundert.

Villen zwischen Architektur und Landschaft

Ab dem 17. Jahrhundert entstanden im Gebiet von Crespellano Landsitze bedeutender senatorischer Familien aus Bologna. Villen prägen bis heute die Landschaft rund um den Ort und gliedern die dortige Kulturlandschaft. Ein konkretes Beispiel ist die Villa Aldrovandi, heute Rinaldi Ceroni: Sie liegt nördlich von Crespellano und verfügt über einen üppigen Park. Friese und heraldische Motive schmücken die Villa aus dem 17. Jahrhundert. So steht ein einzelnes Bauwerk zugleich für die Architekturgeschichte der Villen und für die bis heute durch sie geprägte Umgebung.

Auch Namen erzählen von wechselnden historischen Bezügen. Die ehemalige Festung Torre Cattanei ist heute als Palazzo Stagni bekannt. Bei der Villa Aldrovandi begegnet ebenfalls ein weiterer Name: Sie wird heute Rinaldi Ceroni genannt. Die beiden Bezeichnungen stehen dabei für unterschiedliche Beziehungen: Torre Cattanei ist als ehemalige Festung bekannt, während Aldrovandi und Rinaldi Ceroni Namen derselben Villa sind.

Römische Spuren und Funde bei Pragatto

Zwischen Crespellano und Calcara sind noch Spuren der römischen Zenturiation sichtbar: Landquadrate von 700 × 700 Metern, begrenzt von Straßen und Gräben. Diese Flächenstruktur ist ein anderer Hinweis auf die antike Entwicklung als die historischen Straßenbezüge. Die Via Emilia ist mit der antiken Entwicklung des Gebiets von Crespellano verbunden. Die Via Claudiola, heute Bazzanese genannt, gilt als Konsularstraße und steht ebenfalls mit dieser Entwicklung in Zusammenhang.

Auch Pragatto trägt zur archäologischen Perspektive bei. Am Fuß des dortigen Hügels wurden Artefakte und Werkzeuge aus dem Mittelpaläolithikum beziehungsweise dem Moustérien gefunden. Hinzu kommen zwei andersartige Befunde: Giovanni Gozzadini entdeckte 1874 bei Pragatto eine Brandnekropole; 1879 identifizierte der Archäologe Zannoni dort eine Terramare-Siedlungsstelle. Die Fundarten und Jahreszahlen unterscheiden diese beiden Ereignisse, während die älteren Werkzeuge einen weiteren zeitlichen Bezugspunkt bilden.

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