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Mirabella Eclano erschließt sich über mehrere Zeitschichten: Aeclanum steht für die antike Siedlungsgeschichte, im Komplex San Francesco kommen Architektur und Pappmachékunst zusammen, und das Trasporto del Carro gehört zum jährlich gefeierten Ritual. Wer einen Kulturaufenthalt plant, kann anhand dieser Schwerpunkte entscheiden, ob archäologische Geschichte, Museumsbestände oder ein Septembertermin besonders interessieren.

Antike Spuren und San Francesco

Im Gebiet Passo di Mirabella entstand im 3. Jahrhundert v. Chr. die antike Stadt Aeclanum. Einen weiteren Blick auf antike Wege eröffnet die Etappe 13 der Via Appia: Zu ihr gehört die Strada vicinale Grotte, die dem antiken Verlauf weitgehend bis zur Kreuzung nach Mirabella Eclano folgt. Die Stadtgeschichte Aeclanums und dieser Straßenabschnitt bieten unterschiedliche Perspektiven auf die Vergangenheit.

Der alte Monumentalkomplex San Francesco wurde 1222 errichtet. Zu ihm gehören eine Kirche, ein Kloster, ein ehemaliges Oratorium, ein Platz mit Obelisk, ein Kreuzgang und ein Garten. Im Bereich von Kirche und Kreuzgang sind außerdem eine Monofore und eine Verzierung aus dem 13. bis 14. Jahrhundert sichtbar. Im Komplex befindet sich auch das Museo dei Misteri in cartapesta. Seine vollständig aus Pappmaché gefertigten Skulpturen stammen von Antonio Russo (1836–1914), einem aus Mirabella Eclano stammenden Künstler, der sie der örtlichen Gemeinschaft 1875 schenkte. Anhand audiovisueller Materialien und eines Multimediaraums können Besucher dort die wichtigsten Verarbeitungstechniken von Pappmaché kennenlernen.

Museen, Manuskript und Sakralbauten

Das Museo Arte Sacra ist im historischen Zentrum in den ehemaligen Kirchen der Bruderschaft SS. Rosario und der Erzbruderschaft San Prisco untergebracht. Es zeigt das Exultet, auch Rotolo di Quintodecimo genannt: Sieben miteinander verbundene Pergamente bilden eine 3,62 Meter lange Rolle in beneventanischer Schrift. Das Manuskript gilt als einer der ältesten Gesänge der katholischen Liturgie des römischen Ritus. Die Sammlungen setzen unterschiedliche Schwerpunkte: Hier steht ein liturgischer Pergamenttext im Mittelpunkt, im Museo dei Misteri dagegen Pappmachéskulpturen und ihre Verarbeitung.

Auch die Chiesa dell’Annunziata verbindet religiöse Geschichte mit kultureller Nutzung. Sie stammt aus dem 16. Jahrhundert und dient heute als Auditorium für Tagungen, Ausstellungen und Konzerte. Damit ergänzt sie die musealen Sammlungen um einen Bau, der für Veranstaltungen dieser Art genutzt wird.

Das Trasporto del Carro im September

Jedes Jahr wird in Mirabella Eclano am Samstag vor dem dritten Septembersonntag das alte Ritual des Trasporto del Carro zu Ehren der Maria Santissima Addolorata gefeiert. Der Carro ist ein etwa 25 Meter hoher hölzerner Obelisk, verkleidet mit sieben Registern aus geflochtenem Stroh im Barockstil. Bewegt wird er von sechs Ochsenpaaren; mindestens 300 Menschen aus der Gemeinschaft bedienen dabei 32 Seile. Form, Material und gemeinschaftliche Beteiligung geben dem Ritual seinen eigenen Charakter.

Wenn Sie Ihre Reise gezielt auf das Trasporto del Carro abstimmen möchten, prüfen Sie den konkreten Festtermin vor der Planung. Der jährliche Bezug zum dritten Septembersonntag hilft bei der Orientierung, ersetzt aber nicht die Prüfung des Datums für das jeweilige Jahr.

Weitere Reiseziele entdecken: Castelvetere Sul Calore, Ospedaletto Dʼalpinolo, Caposele, Quadrelle, Lacedonia, Paternopoli, Flumeri, Misciano.

Zur übergeordneten Reiseübersicht: Avellino.

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