Am Fosso Castello erzählen steinerne Mühlsteine von der Nutzung der Wasserkraft; das alte Dorf zeigt die Bauweise eines befestigten mittelalterlichen Zentrums. Chia bringt damit Landschaft, Technikgeschichte und Architektur in einen eigenen Zusammenhang. Für Ihre Planung lohnt es, die unterschiedlichen Themen des Ortes auseinanderzuhalten: das Tuffsteinzentrum, die Mühlen und Felsformen sowie die Bau- und Festgeschichte.
Tuffstein und Ortsbild
Das historische Zentrum von Chia ist aus Tuffstein gebaut und blickt über ein grünes Tal. Das alte Dorf liegt auf einem Tuffhügel rechts des Fosso Castello und gilt als bemerkenswertes Beispiel für die Stadtplanung eines kleinen befestigten mittelalterlichen Zentrums. Das ursprüngliche Dorf wurde um 1100 errichtet. Lage, Gestein und Befestigungsform geben dem Ort unterschiedliche historische und landschaftliche Bezüge.
Die Torre di Chia ist 42 Meter hoch, hat einen fünfeckigen Grundriss und alte Zinnen. Ihre Maße und Form machen sie zu einem klar unterscheidbaren Bauwerk innerhalb der Ortsgeschichte. Für den Rundgang durch das alte Dorf ist auch die Kirche Madonna delle Grazie ein Orientierungspunkt: Sie steht auf der Piazza Garibaldi und markiert den Beginn des Besichtigungswegs.
Kirche und Baugeschichte
Der Bau der Kirche Madonna delle Grazie begann 1617. In ihrem Inneren befindet sich die Kopie eines Triptychons aus dem 15. Jahrhundert. Es zeigt den segnenden Erlöser zwischen der Madonna Annunziata und dem verkündigenden Engel. Kirche und Triptychon bieten damit einen anderen zeitlichen Blickwinkel als die um 1100 errichtete Dorfanlage und die mittelalterlichen Bauwerke.
Wasserkraft und Felsformen am Fosso Castello
Bei Fosso Castello stehen die Ruinen zweier alter mittelalterlicher Mühlen. Sie wurden bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zur Herstellung von Getreideprodukten und Öl genutzt. In der ersten Mühle sind große steinerne Mühlsteine noch gut sichtbar; angetrieben wurden sie durch die Wasserkraft des Bachs. Die Mühlen verweisen damit auf eine frühere Nutzung des Wassers, während die Gesteinsformen am Fosso seine landschaftliche Wirkung zeigen.
Die als Marmitte dei Giganti bezeichneten Felsformen umfassen Becken, Kanäle und Wasserstufen, die durch Erosion und Abschleifung des Gesteins entstanden. Bei Fosso Castello bildeten außerdem die Überreste eines mittelalterlichen Damms und vulkanische Felsblöcke die Grundlage für kleine Wasserfälle. Die verschiedenen Formen lassen sich so nach ihrer Entstehung unterscheiden: hier die Wirkung der Erosion, dort das Zusammenspiel von Dammresten und Felsblöcken.
Filmgeschichte und Patronatsfest
An den Cascate di Chia wurde die Taufszene aus Pier Paolo Pasolinis Film „Il Vangelo secondo Matteo“ gedreht.
Das Patronatsfest San Giovenale in Chia beginnt jedes Jahr am 3. Mai; das eigentliche Fest findet am ersten Wochenende des Monats statt. Wenn Sie Ihre Reise auf das Fest ausrichten, prüfen Sie die Termine vorab. Mit der Feier verbunden ist das Biscotto di San Giovenale: Das handwerklich hergestellte süße Gebäck wird noch heute anlässlich des Patronatsfestes zubereitet. Das Festdatum und die lokale Gebäcktradition geben diesem Teil der Ortsgeschichte einen anderen zeitlichen Bezug als die dauerhaften Bauwerke und Felsformen.
Archäologische Bezüge
Auch die Rundwege des Parks führen zu etruskischen Gräbern. In Richtung Bomarzo liegt die Etruskische Pyramide im Gemeindegebiet von Soriano nel Cimino. Sie ist eine Felsstätte mit sakralen Funktionen; ihre genaue Herkunft und Bestimmung sind für die Archäologie weiterhin ungeklärt.
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