Larino lässt sich über mehrere historische Schichten erkunden: Das mittelalterliche Zentrum enthält Zeugnisse aus römischer und mittelalterlicher Zeit. Wer durch seine mittelalterlichen Straßen spaziert, kann zugleich das Panorama genießen. Kathedrale, archäologische Funde und Festtraditionen geben dabei jeweils einen anderen Zugang zur Geschichte der Stadt.
Gassen, Kathedrale und steinerne Zeugnisse
Die San-Pardo-Basilika und Konkathedrale wurde im 13. Jahrhundert gegründet und am 30. Juli 1319 geweiht. Zugleich reicht ein älterer Bauteil der Kathedrale von Larino auf eine Kirche aus dem 12. Jahrhundert zurück. Steinerne Flachreliefs in der Kathedrale stammen aus dem 12. bis 14. Jahrhundert. So treffen dort unterschiedliche Bau- und Kunstperioden aufeinander: Ein älterer Bauteil verweist auf die Vorgängerkirche, während die Reliefs einen Zeitraum von mehreren Jahrhunderten umfassen.
Für einen Spaziergang bieten die mittelalterlichen Straßen des historischen Zentrums einen konkreten Schwerpunkt; das Panorama gehört ebenfalls zu diesem Stadtbild. Die römischen und mittelalterlichen Zeugnisse erweitern den Blick über eine einzelne Epoche hinaus. Wer sich besonders für Baugeschichte interessiert, kann diesen Rundgang gedanklich mit den Sammlungen und archäologischen Orten der Stadt verbinden.
Sammlungen von der Antike bis zur liturgischen Kunst
Im Museo Civico im Palazzo Ducale di Larino befindet sich die archäologische Ausstellung Ars et Ingenium. Sie umfasst Funde aus dem Gebiet von Larino, insbesondere aus dem Bereich des römischen Amphitheaters und dem sannitisch-frentanischen Gebiet. Die Stücke datieren vom 10. Jahrhundert vor Christus bis zum 4. Jahrhundert nach Christus. Damit reicht der zeitliche Rahmen weit in die Antike zurück und umfasst Funde aus unterschiedlichen Bereichen der Region.
Das Diözesanmuseum setzt einen anderen Akzent auf religiöse Kunst und liturgische Gegenstände. Es bewahrt ein silbernes Reliquiar in Form eines segnenden Arms aus dem Jahr 1492, das ein Knochenfragment des heiligen Primian enthält. Zum Bestand gehören außerdem mehr als 300 liturgische Gewänder aus dem 15. bis 19. Jahrhundert sowie Kunstwerke aus dem 14. bis 19. Jahrhundert. Das genau datierte Reliquiar und die über mehrere Jahrhunderte reichenden Sammlungen bieten unterschiedliche zeitliche Bezugspunkte.
Amphitheater und Mosaike
Der Komplex Parco dell’Anfiteatro e Villa Zappone befindet sich in Larino an der Via Dante. Zu den archäologischen Details der Stadt gehören außerdem römische Thermengebäude in der Nähe der Arena des Amphitheaters von Larino. Ihre Mosaike zeigen geometrische Muster sowie Meerestiere und fantastische Tiere. Wer sich für antike Bildmotive interessiert, findet hier einen anderen Zugang als in den liturgischen Beständen des Diözesanmuseums: Im einen Fall stehen Mosaike aus dem Umfeld der Arena im Blick, im anderen religiöse Kunst und Gegenstände verschiedener Jahrhunderte.
Festtraditionen und lokaler Kulturkalender
Das Fest von San Pardo geht auf das Jahr 842 zurück. Nachdem Einwohner Larinos eine sarazenische Invasion überlebt hatten, brachten sie die sterblichen Überreste des Bischofs und Heiligen San Pardo auf einem blumengeschmückten Wagen fort und erklärten ihn zum Schutzpatron der Stadt. Der Wagen gilt als Familiensymbol und wird von Generation zu Generation weitergegeben. So gehört zur Geschichte des Festes neben seiner Entstehung auch eine bis heute beschriebene familiäre Weitergabe.
Der moderne Carnevale di Larino begann 1975 mit den ersten allegorischen Wagen. Sie entstanden durch das Engagement örtlicher Pfarrer, der Pfarrgemeinde und insbesondere vieler junger Menschen. Der Verein zur Förderung des Carnevale di Larino organisiert gemeinsam mit der Gemeinde Umzüge allegorischer Wagen. Außerdem fördert er das Kunsthandwerk aus Pappmaché sowie die mechanischen, hydraulischen und elektrischen Techniken der Wagen. San Pardo und Carnevale setzen damit unterschiedliche Akzente: hier eine lange religiöse Festtradition, dort eine auf Wagenbau und Gestaltung ausgerichtete Kulturpraxis.
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