Seit 1997 steht das Castello di Racconigi als Teil der seriellen Welterbestätte Residenzen der Savoyer auf der UNESCO-Welterbeliste. Die Schlossgeschichte ist ein eigener Zugang zur Stadt; Park, Vogelbeobachtung und weitere Kulturorte setzen andere Akzente.
Vom mittelalterlichen Gebäude zur Savoyerresidenz
Ab 1676 ließ Fürst Emanuele Filiberto das Castello di Racconigi von Guarino Guarini umgestalten. Aus einem mittelalterlichen Gebäude wurde eine moderne Residenz des Hauses Savoia-Carignano. Die beiden Zeitmarken erzählen unterschiedliche Teile seiner Geschichte: Die Welterbezugehörigkeit besteht seit 1997, während die Umgestaltung im Auftrag des Fürsten im späten 17. Jahrhundert begann. So stehen in Racconigi sowohl die Einordnung in die Residenzen der Savoyer als auch die konkrete Baugeschichte des Schlosses im Mittelpunkt.
Landschaftspark und Bauwerke
Der englische Landschaftspark des Castello umfasst knapp 200 Hektar. Spaziergänge und Picknicks im Schatten jahrhundertealter Bäume gehören zu den dort möglichen Aktivitäten. Der Park bietet damit einen eigenen Schwerpunkt neben der Schlossgeschichte: Hier geht es um gestaltete Landschaft und Aufenthalt im Freien, nicht nur um Baugeschichte.
Am Ende des Parks befindet sich der Margaria-Komplex. Er wurde von 1834 bis 1843 errichtet und gilt als eines der bedeutendsten und raffiniertesten Beispiele der italienischen und internationalen Neogotik. Zum Castello gehören auch die Serre, die von 1844 bis 1848 nach einem Entwurf des Mailänder Architekten Carlo Sada erbaut wurden. Margaria und Serre stehen damit für unterschiedliche Bauvorhaben aus aufeinanderfolgenden Zeiträumen; ihre Datierungen geben der Architekturgeschichte des Schlosses konkrete Anhaltspunkte.
Vogelbeobachtung und lokale Geschichte
Eine andere Naturperspektive bietet das Centro Cicogne e Anatidi. Es wurde im Dezember 1985 gegründet, um den Weißstorch wieder anzusiedeln, der in Italien seit dem 18. Jahrhundert als Brutvogel ausgestorben war. Im Zentrum ist Vogelbeobachtung von Beobachtungshütten und abgeschirmten Wegen aus möglich. Während der Park zu Spaziergängen und Picknicks einlädt, steht hier das Beobachten von Vögeln im Vordergrund.
Auch die Kulturgeschichte Racconigis reicht über die Residenz hinaus. Die Pinacoteca Civica Levis Sismonda befindet sich in einem alten Gebäude im historischen Zentrum. Zur Geschichte der Stadt zählt außerdem eine bedeutende Seidenindustrie. Zu ihren Bereichen gehörten Seidenweberei, Maulbeeranbau, Seidenraupenzucht und die Herstellung von Seidenkokons. Diese Produktionsgeschichte ergänzt die Bau- und Kunstgeschichte um einen weiteren Aspekt des Ortes.
Die barocke Kirche Santa Maria della Porta geht auf den Dank der Einwohner Racconigis an die Madonna für das Ende der Pest von 1630 zurück. Im Inneren schmücken aufwendige Stuckarbeiten das Tonnengewölbe; an den Seitenwänden hängen sechs große Gemälde, die Giovanni Battista Pozzo zugeschrieben werden. Ein Tonnengewölbe ist eine längs gewölbte Decke, deren Gestaltung hier Teil der Ausstattung ist.
Besuch der Kirche planen
Für Santa Maria della Porta sind eine tägliche Einsehbarkeit von 9 bis 18 Uhr sowie begleitete Besichtigungen durch Kulturfreiwillige nach Reservierung vorgesehen. Religiöse Feiern sind dabei zu berücksichtigen. Prüfen Sie vorab, ob ein Besuch zum gewünschten Zeitpunkt möglich ist.
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