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Borgoricco lässt sich über die Ordnung seiner Landschaft und die Vielfalt historischer Zeugnisse erschließen. Gerade Linien, ein Museum mit mehreren Zeitepochen sowie Kirchen mit klar datierten Bau- und Geschichtsschritten geben einer Kulturreise unterschiedliche Anknüpfungspunkte. Der Blick wechselt dabei zwischen einem räumlichen Muster und einzelnen, präzise benannten Objekten.

Das Graticolato und die römische Landvermessung

Das Graticolato von Borgoricco bildet mit langen, geraden Straßen ein Schachbrettmuster. So wird die Landschaftsordnung selbst zum Thema: Gerade Linien und die Wiederkehr eines regelmäßigen Musters prägen diesen Zugang. Wer sich für Geschichte interessiert, kann zunächst auf diese räumliche Ordnung achten, bevor einzelne Bauwerke in den Mittelpunkt rücken.

Allgemein waren Centurien in der römischen Landvermessung Quadrate mit einer Seitenlänge von etwa 710 Metern.

Ein Museum mit mehreren Zeitepochen

Das Museo della Centuriazione Romana ist in drei Abteilungen gegliedert: Sie widmen sich der Vor- und Frühgeschichte, der römischen Epoche und der nachantiken Zeit. Die zeitliche Gliederung reicht damit über das Römische hinaus. Eine römische Pferdebestattung gehört ebenfalls zur Ausstellung und ist bis heute außergewöhnlich gut erhalten.

Die Abteilungen geben den größeren Zeitrahmen vor, die Pferdebestattung lenkt den Blick auf ein einzelnes, konkret benanntes Objekt. Wer sich mit dem Museum beschäftigt, kann diese beiden Ebenen auseinanderhalten: die Ordnung nach Epochen und das besondere Zeugnis aus der römischen Zeit. So ergänzen sich Überblick und ein prägnantes Ausstellungsstück, ohne die unterschiedlichen historischen Abschnitte zu einer einzigen Epoche zusammenzufassen.

Kirchen und historische Daten

Bei den Sakralbauten sind Bauform und historischer Vorgang hilfreiche Unterscheidungsmerkmale. Das heutige Gebäude der Pfarrkirche S. Leonardo wurde 1772 als einschiffige Kirche errichtet. Hier verbindet sich die Jahreszahl mit einer klar benannten Grundform. Das Oratorio del Rosario in der Via Straelle besitzt eine Sonnenuhr, die auf 1684 datiert ist. Das Datum gehört zu einem konkreten Detail des Oratoriums, während bei S. Leonardo die Errichtung des heutigen Kirchengebäudes im Mittelpunkt steht.

Auch die Erzpriesterkirche S. Eufemia und die Pfarrkirche San Michele delle Badesse sind durch unterschiedliche historische Vorgänge gekennzeichnet. S. Eufemia wurde 1946 wiederaufgebaut; San Michele delle Badesse wurde 1957 eingeweiht. Wiederaufbau und Einweihung bezeichnen nicht denselben Schritt. Wer die Jahreszahlen nebeneinander betrachtet, kann deshalb zugleich auf das Ereignis achten, für das jede einzelne steht: auf ein datiertes Ausstattungsdetail, die Errichtung eines Kirchengebäudes, einen Wiederaufbau oder eine Einweihung.

Weitere Architektur im Blick

Villa Bressanin ist eine typische venezianische Villa mit Barchessa und ergänzt die sakralen Bauformen um eine andere architektonische Kategorie. Zusammen ergeben die genannten Beispiele verschiedene Zugänge zur Kulturgeschichte: das Straßenmuster, eine nach Zeitepochen gegliederte Ausstellung, datierte Details und unterschiedliche Bau- und Geschichtsvorgänge. Dadurch lässt sich der Blick gezielt ausrichten, statt alle Zeugnisse als austauschbare Stationen einer einzigen Zeitleiste zu lesen.

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