Kaunerberg lässt sich über drei unterschiedliche Themen erschließen: historische Bewässerung, die Trockenrasenlandschaft und Kapellen mit eigener Baugeschichte. Dazu kommen Wanderoptionen vom Wasserweg bis zur Höhenroute. Für die Reiseplanung können Sie zunächst entscheiden, ob Wandern, Natur oder Kulturgeschichte im Mittelpunkt stehen soll. Kaunerberg ist außerdem ein geeigneter Ausgangspunkt für Wanderungen und Mountainbiketouren in die umliegende Bergwelt.
Wasserweg und Bewässerung
Der Kaunerberger Wasserweg führt von der Mündung des Inns bei Faggen/Prutz über Kauns und Kaunerberg sowie durch die Weiler Unterfalpetan und Oberfalpetan bis zum Gallruthstollen. Sie können die Wanderung in Kaunerberg beginnen. Ein markantes Element des Weges ist ein etwa einen Kilometer langer Bewässerungsstollen. Die Route verbindet damit mehrere benannte Orte und führt zugleich durch ein konkretes Zeugnis der Bewässerung.
Ein weiterer Bezug zur Wasserwirtschaft ist der Kaunerberger Hangkanal. Der 13 Kilometer lange Kanal bringt Wasser aus rund 2.000 Metern Höhe zu den Trockenhängen in Kaunerberg, Kauns und Faggen. Gebaut wurde er Ende der 1940er-Jahre mit Mitteln des Marshallplans. Zusammen mit dem Bewässerungsstollen am Wasserweg zeigt der Kanal, welche Rolle die Wasserführung in der Landschaft spielt; beide Bauwerke haben dabei ihre jeweils eigene Geschichte und Beschreibung.
Trockenrasen und Lebensräume
Das Naturschutzgebiet Kauns-Kaunerberg-Faggen umfasst Trockenrasen, Felsbänder, Strauch- und Waldinseln sowie verwachsene Lesesteinmauern. Diese unterschiedlichen Lebensräume bilden einen vielfältigen und artenreichen Naturraum. Zusammen mit den Fließer Sonnenhängen bildet das Schutzgebiet den größten Trockenrasenkomplex Tirols. Die Verbindung dieser beiden Gebiete ist eine regionale Besonderheit, die über die Gemeindegrenzen hinausweist.
Die Artenvielfalt lässt sich auch anhand historischer Erhebungen einordnen: In den 1970er-Jahren wurden im Naturschutzgebiet über 500 Pflanzenarten, 1.100 Schmetterlingsarten und rund 150 Käferarten nachgewiesen. Diese Zahlen beziehen sich auf die damaligen Erhebungen. Kaunerberg ist zudem ein wichtiger Bestandteil des Schutzgebiets für die Braunelle, die Tiroler Urbiene. Wer sich für die Natur des Ortes interessiert, findet hier neben Wanderwegen also auch einen konkreten Bezug zu Schutzgebieten und dokumentierter Artenvielfalt.
Teich und Wanderoptionen
Der Schnadige Weiher ist ein Bewässerungsteich am Fuß der Hohen Aifnerspitze und von einem kleinen Waldstück umgeben. Am Parkplatz des Weihers können Sie das Auto abstellen; von dort führt ein etwa zehnminütiger Kiesweg zum Teich, der für Kinderwagen geeignet ist. Das Angeln im Weiher oberhalb von Falpaus, einem Ortsteil von Kaunerberg, ist von April bis September möglich und setzt einen Nachweis der Fischerunterweisung voraus. Wenn Sie diese Möglichkeit einplanen, erkundigen Sie sich vor der Reise nach den örtlichen Bedingungen.
Eine andere Wanderoption ist der Panoramaweg Aifner Alm–Falkauns Alm. Als Höhenwanderung am Sonnenbalkon des vorderen Kaunertales verbindet er zwei gemütliche Almen und weist geringe Steigungsmeter auf. Die unter der Bezeichnung „Rolli-Wanderung Aifner Alm“ geführte Route beginnt am Parkplatz an der Kaunerberger Straße beziehungsweise an der Abzweigung zur Aifneralm und endet auf der Aifner Alm; beide Punkte liegen in Kaunerberg. Da sich Wegbedingungen ändern können, prüfen Sie diese vor dem Besuch. So stehen unterschiedliche Routenbezeichnungen und Wegcharaktere zur Orientierung bereit, ohne dass sie mit einer einheitlichen Tour verwechselt werden müssen.
Kapellen und Wege zur Wallfahrtskirche
Auch die Wege zu religiösen Zielen gehören zum Ortsbild. Die Wallfahrtswege aus Kaunerberg und Kauns treffen kurz vor dem Engelsbach aufeinander. Ein Wanderweg führt von Kaunerberg über Unterfalpetan, Oberfalpetan und Wiesenhof zur Wallfahrtskirche Kaltenbrunn. In Unterfalpetan liegt außerdem die gleichnamige Kapelle. Die genannten Wege und Bauwerke bieten einen eigenen Zugang zur Kulturgeschichte des Ortes.
Die Kapellen unterscheiden sich in Form und Entstehungszeit. Die Prantacherkapelle ist ein großer einschiffiger Bau mit 3/8-Schluss aus dem 17. Jahrhundert im Weiler Prantach. In ihrem Inneren befindet sich eine geschnitzte Gnadenmuttergottes; der Sockel trägt die Bezeichnung 1640. Die Kapelle Hl. Martin steht im Ortsteil Obwals, wurde 1866 erbaut und ist dem heiligen Martin geweiht. Die Kapelle Maierhof ist ein kleiner achteckiger Zentralbau im Weiler Mairhof aus dem Jahr 1677. Im Ortsteil Brauneben befindet sich in einem Wald eine kleine tonnengewölbte Kapelle aus dem 17. Jahrhundert. Auch der Kreuzweg zur Kapelle Nufels hat eine datierbare Geschichte: Er wurde 1781 festgelegt.
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