Eine 37 Kilometer lange Kajakschleife, spätbarocke Kirchen und ein Landschaftspark, dessen Geschichte von der Eiszeit geprägt ist: Im Reiseziel Wollstein liegen ganz unterschiedliche Entdeckungen. Besonders anschaulich wird dieser Kontrast auf dem Wasser und in den Orten Wieleń, Kaszczor und Przemęt.
Wasserwege und eine geformte Landschaft
Der Konwaliowy-Kajakweg bildet auf Seen im Przemęcki-Landschaftspark einen Rundkurs, der in beide Richtungen befahren werden kann. Start und Ziel liegen in Wieleń. Dort können Sie Kajaks mieten und Informationen zur Organisation der Fahrt einholen. Da die Wasserbedingungen die Befahrbarkeit beeinflussen können, empfiehlt es sich, diese vorab zu prüfen.
Der Przemęcki-Landschaftspark wurde 1991 zum Schutz der nacheiszeitlichen Landschaft und der örtlichen Natur eingerichtet. Er umfasst 21.450 Hektar in den Gemeinden Przemęt, Włoszakowice, Wijewo und Wschowa; 42 Prozent seiner Fläche liegen im Powiat Wolsztyński. Auch der größere geologische Zusammenhang ist bemerkenswert: Der Powiat liegt im Gebiet der jüngsten Vereisung, der Weichsel- beziehungsweise Baltischen Vereisung, die vor etwa 15.000 Jahren endete. Sie hat dem Gebiet lebhafte und vielfältige Formen des Reliefs gegeben.
Wer lieber zu Fuß unterwegs ist, findet in Olejnica einen Weg mit einem klar beschriebenen Einstieg: Er beginnt und endet an einem Parkplatz, zwischen den Stationen weisen Pfeile den Weg. Am Einstieg stehen eine Informationstafel mit allgemeinen Angaben und eine Streckenkarte. So lässt sich der Verlauf vor dem Aufbruch überblicken.
Zisterzienserspuren und Kirchenbau
Die Wielkopolska-Schleife des Zisterzienserwegs führt durch eine weiter gespannte Klosterlandschaft. Zu ihr gehören die ehemaligen Zisterzienserklöster in Paradyż, Zemsko-Bledzewo, Łekno-Wągrowiec, Ląd, Wieleń-Przemęt und Obra sowie die Frauenklöster in Owińska und Ołobok. In Wieleń zeigt sich dieses Erbe auch in der spätbarocken Kirche der Geburt der Heiligen Jungfrau Maria. Die Przemęter Zisterzienser errichteten sie zwischen 1731 und 1742 auf dem Grundriss eines lateinischen Kreuzes. In ihrem Hochaltar befindet sich die gotische Skulptur der Muttergottes mit dem Kind „Ucieczka Grzeszników“ aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts; sie ist Ziel zahlreicher Wallfahrten.
Auch Kaszczor bietet zwei unterschiedliche Einblicke in seine Kirchengeschichte. Die spätbarocke St.-Wojciech-Kirche errichteten die Zisterzienser zwischen 1764 und 1777 anstelle einer Holzkirche vom Ende des 16. Jahrhunderts. Ihre Ausstattung verbindet barocke und klassizistische Formen und stammt aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Ein ehemaliger evangelischer Kirchenbau in Kaszczor wurde 2011 restauriert und dient heute als Galerie und Konzertsaal. Von seinem wiederaufgebauten Turm bietet sich ein Blick auf Kaszczor und die nähere Umgebung.
In Przemęt erzählt die barocke St.-Johannes-des-Täufers-Kirche von Bau, Brand und Wiederaufbau: Sie entstand zwischen 1651 und 1690, wurde 1742 teilweise durch einen Brand zerstört und 1758 bis 1759 wiederaufgebaut. Der Hochaltar stammt aus dem Jahr 1755. Südlich der Kirche sind Fragmente der früheren Klostergebäude aus dem 17. Jahrhundert erhalten; die Gebäude wurden um 1767 und im 19. Jahrhundert umgebaut.
Aussichtspunkte, Museen und Baukultur
Ein markanter Aussichtspunkt ist der hölzerne Turm im Wald bei Siekowo und Kluczewo. Er ist 30 Meter hoch und steht auf der Erhebung „Winnica“ in 101 Metern Höhe. 147 Stufen führen hinauf. Die konkreten Maße geben dem Besuch einen eigenen Maßstab: Der Turm ist ein klar bestimmtes Ziel in der Landschaft, während der Weg in Olejnica durch seine ausgeschilderten Stationen Orientierung bietet.
In Wolsztyn widmen sich Museen unterschiedlichen Lebensgeschichten. Das Robert-Koch-Museum befindet sich in zwei Räumen im Erdgeschoss eines Gebäudes, das zwischen 1842 und 1846 errichtet wurde. Inhaltlich geht es um Erinnerungsstücke aus Kochs Zeit als Kreisarzt in Wolsztyn von 1872 bis 1880 sowie aus anderen Orten, an denen er lebte und forschte. Das Marcin-Rożek-Museum liegt in einer Villa, die nach den Vorstellungen des Künstlers errichtet wurde und in der er ab 1934 wohnte. Die Adresse lautet ul. 5 Stycznia 34. Ein reizvoller, bis zum See reichender Garten mit zahlreichen Werken des Künstlers gehört ebenfalls zum Museum.
Eine andere Form der Baugeschichte zeigt das Freilichtmuseum für die Volksbauweise Westgroßpolens. Auf einem 3,5 Hektar großen Gelände am Westufer des Jezioro Wolsztyńskie rekonstruiert es Struktur und Bebauung eines Straßendorfes. Schloss Wroniawy wiederum wurde im 19. Jahrhundert für Stanisław Plater errichtet und zu Beginn des 20. Jahrhunderts im neobarocken Stil umgebaut. Es ist von einem zwölf Hektar großen Landschaftspark umgeben.
Alltag und Anreise
Auch die lokale Esskultur hat einen ländlichen Bezug: Anbieter von Agrotourismus in der Gmina Siedlec bieten Hausmannskost und gesunde ländliche Produkte an. In Wolsztyn führt eine wichtige Straße, die Poznań mit Zielona Góra verbindet. Personenzüge verkehren von Wolsztyn nach Poznań, Leszno und Zbąszyń. Prüfen Sie vor der Fahrt den aktuellen Fahrplan, da sich Bahnverbindungen ändern können.
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