Der Zugang zur Furna do Enxofre führt durch einen rund 37 Meter hohen Turm und über eine Wendeltreppe mit 183 Stufen. Graciosa, die nördlichste der fünf Inseln der Zentralgruppe des Azoren-Archipels, bietet weitere Entdeckungen, bei denen Landschaft, Kultur und konkrete Spuren des Insellebens zusammenkommen.
Caldeira, Furna und Wege
Die Caldeira da Graciosa ist eine elliptische Einsturzsenke vom Typ Caldeira. Sie umfasst etwa 119,87 Hektar, ist 270 Meter tief und seit 2008 als Naturdenkmal eingestuft. Ihre Ausmaße und ihre Form geben der Landschaft eine markante Eigenart.
Das Furna do Enxofre Visitors Centre dient als Eingang zur Furna. Informationstafeln und Monitore erklären dort die vulkanischen Prozesse, die zur Entstehung der Insel, der Furna do Enxofre und der Caldeira geführt haben. Da sich die betrieblichen Abläufe ändern können, prüfen Sie die Besuchsbedingungen vorab.
An der Caldeirinha Pêro Botelho, auch Algar dos Diabretes genannt, können Sie den Kraterrand umrunden. Für den Einstieg in den Algar sind Kletterausrüstung und qualifiziertes Personal erforderlich. Eine andere Größenordnung bietet die Grande Rota da Graciosa: Der Rundweg ist ungefähr 40 Kilometer lang, führt durch große Teile der Insel und ist in zwei Etappen von jeweils etwa 20 Kilometern geteilt.
Der lineare Weg PR04 Das Vinhas ao Mar verläuft in der Freguesia Santa Cruz da Graciosa. Er verbindet die Weinbaulandschaft von Bom Jesus und Achada mit dem Badegebiet Barro Vermelho. So stehen auf Graciosa unterschiedlich angelegte Wege nebeneinander: ein langer Rundweg in zwei Etappen und eine lineare Route zwischen zwei benannten Landschaftsbereichen.
Küste, Inselchen und Wasser
Das Praia Islet ist als besonderes Schutzgebiet ausgewiesen und liegt an der Flugroute des Monteiro's Storm Petrel, des einzigen im Azoren-Archipel endemischen Seevogels. Die Art, wissenschaftlich Oceanodroma monteiroi, brütet auf den Inselchen vor der Küste von Graciosa und ist der kleinste Seevogel des Archipels. Schutzgebiet, Flugroute und Brutplätze machen die Küste auch für Naturinteressierte zu einem besonderen Thema.
Am Barro Vermelho Beach besteht der Strand aus Lavasteinen; er zählt zu den wichtigsten Badeplätzen von Graciosa. Die Küste lässt sich mit dem Kajak oder per Boot erkunden. In den Buchten von Santa Cruz, Folga und Praia eignen sich die Bedingungen für Rudern, Segeln und Windsurfen. Die natürlichen Schwimmbecken von Carapacho, auch Piscinas do Carapacho genannt, haben kristallklares Wasser.
Carapacho verbindet außerdem Küstenlage und Geschichte: Dort befindet sich ein Spa-Komplex aus dem 19. Jahrhundert mit warmem Schwefelwasser zwischen 36 °C und 40 °C. Die Angabe ergänzt die Möglichkeiten am Wasser um einen historischen Ort, ohne Naturbecken, Badeplatz und Spa gleichzusetzen.
Inselgeschichte und Handwerk
Das Graciosa Museum ist in einem ehemaligen Getreide- und Weinlager untergebracht. Zu sehen sind ein typisches Inselhaus, ein Weinkeller mit Kelterräumen, landwirtschaftliche Geräte sowie Werkzeuge des traditionellen Fassbaus, Möbelbaus und Töpferhandwerks. Das Barração das Canoas ist ein Museum, das sämtliche beim Walfang eingesetzten Maschinen bewahrt. Beide Sammlungen vermitteln unterschiedliche Seiten der Inselgeschichte: das Alltagsleben und Handwerk einerseits, die Technik des Walfangs andererseits.
Auch der Umgang mit Wasser gehört zum Kulturerbe von Graciosa. Die Bauwerke der Wasserreservoirs zeigen, wie die Bevölkerung mit knappen Wasserressourcen umging. Der Weg PR01 Arquitetura da Água I führt an der für Graciosa typischen Wasserarchitektur vorbei, darunter Auffang- und Speichersysteme wie Wassertanks, Zisternen, Waschhäuser und Brunnen. Wasser erscheint hier nicht nur als Landschaftsthema, sondern auch als Teil der Bau- und Inselgeschichte.
Die Santa Cruz Church verbindet in ihrer Architektur portugiesische Manuelinik und Barock. Der Monte de Nossa Sr.ª da Ajuda ist ein Aussichtspunkt mit Blick auf Santa Cruz und beherbergt drei Kapellen. Die Nossa Sr.ª da Ajuda Chapel gilt als Beispiel befestigter religiöser Architektur und hat ein angebautes Pilgerhaus. In Guadalupe wurde eine Kapelle aus dem 16. Jahrhundert durch die Guadalupe Church ersetzt. Der Bau dauerte etwa fünfzig Jahre; Erdbebenschäden an der Pfarrei verlängerten die Bauzeit.
Zu den charakteristischen Geschmacksnoten der Insel gehören Queijadas da Graciosa, deren Rezept mehrere Jahrhunderte alt ist. Auf Graciosa werden außerdem Weißweine, alte Weinbrände und Aperitifweine hergestellt. Damit ergänzen kulinarische Traditionen die Landschafts- und Kulturentdeckungen um eine weitere Facette des Insellebens.
Orte auf Graciosa
Weitere Orte auf Graciosa: Luz, Covas, Faja, Guadalupe, Praia, Feiteira, Santa Cruz da Graciosa.
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