Die Kirchenburg und Josef Haltrichs Literaturgeschichte geben Schaas (Șaeș) zwei kulturelle Schwerpunkte. Die historischen Datierungen reichen vom frühen 16. bis ins 19. Jahrhundert; Haltrichs Märchensammlung erschien 1856 in Berlin. Für die Orientierung vor Ort sind außerdem die erhaltenen Teile der Kirchenburg, ihr in einer Zustandsbeschreibung geschilderter Zustand und der Verlauf der DJ 106 hilfreich.
Kirchen und Baugeschichte
Das Ensemble der befestigten evangelischen Kirche ist ein historisches Denkmal und wird auf 1500 bis 1525 sowie auf das 17. bis 19. Jahrhundert datiert. Die evangelische Kirche selbst ist als historisches Denkmal auf 1820 bis 1832 datiert. Die Zeitangaben beziehen sich auf unterschiedliche Einheiten: auf das Ensemble und auf das einzelne Kirchengebäude. So lassen sich die Bauzeiträume einordnen, ohne die Geschichte der gesamten Anlage mit der Datierung der Kirche gleichzusetzen.
Die Kirche besitzt einen eingezogenen Chor und einen westlichen Glockenturm. Pilaster und Gesimse gliedern Kirche und Turm zurückhaltend: Die Pilaster setzen vertikale Akzente, die Gesimse horizontale Linien. Der Turm wird von einem Pyramidendach mit farbig glasierten Ziegeln gekrönt. Darüber sitzt eine blechgedeckte Laterne, deren originale Feston-Dekoration als Blechformteil erhalten ist. Ein weiteres historisches Denkmal in Schaas ist die Biserica Schimbarea la Față; ihre Datierung umfasst die Jahre 1805 bis 1821.
Josef Haltrich und der Friedhof
Josef Haltrich veröffentlichte 1856 in Berlin durch die Vermittlung von Jacob Grimm die Märchensammlung Deutsche Volksmärchen aus dem Sachsenlande in Siebenbürgen. Erst 1872 kam er nach Schaas, übernahm dort das Pfarramt und wurde auf dem örtlichen Friedhof beigesetzt. Die Veröffentlichung liegt damit 16 Jahre vor seiner Ankunft im Ort: Sein literarisches Werk und sein späteres Pfarramt in Schaas gehören zu unterschiedlichen Lebensabschnitten.
Der Friedhof liegt am Rand des Schaaser Feldes und bietet einen Ausblick auf das Dorf und die Umgebung. Das Pfarrhaus in Schaas wird dem Kulturerbe der Gemeinde Apold zugerechnet.
Erhaltene Teile und Zustand der Kirchenburg
Von der Kirchenburg sind Reste der Ringmauer, ein kleiner Wehrturm und ein Wehrgebäude erhalten. Letzteres wurde vermutlich als Fruchthaus errichtet und soll während des Baus der neuen Kirche als Bethaus gedient haben. Beide Aussagen bleiben als historische Deutungen kenntlich: Die ursprüngliche Nutzung als Fruchthaus ist nicht sicher, und auch der Einsatz als Bethaus ist überliefert als Möglichkeit.
Laut einer Zustandsbeschreibung steht das Wehrgebäude kurz vor dem Einsturz; auch die Kirche weist schwere konstruktive Schäden auf, die dringend behoben werden müssen. Prüfen Sie den Zustand vor einer geplanten Besichtigung erneut.
Anreise und Orientierung
Die DJ 106 ist die wichtigste Zufahrtsstraße in das Șaeș-Tal. Sie verläuft von Sibiu über Agnita, Apold, Șaeș und Sighișoara bis zur DN 13. Die Abfolge der Orte bis zur DN 13 hilft Ihnen bei der Orientierung auf der Straße.
Ein weiterer historischer Bezugspunkt ist der Haltepunkt Șaeș aus dem späten 19. Jahrhundert. Er liegt bei Kilometer 10+100 am Ortsausgang in Richtung Sighișoara.
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