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Römische Funde, historische Gebäude, ein markantes Mühlrad und die Alt- und Totholzinsel im Aspiwald eröffnen verschiedene Zugänge zu Kallnach. Das Dorf zählt zu den längsten Strassendörfern der Schweiz und liegt am Fuss einer Moräne des Rhonegletschers. Nordwestlich erstreckt sich das Grosse Moos, das heute landwirtschaftlich genutzt wird und zugleich als Naherholungsgebiet dient.

Römische Spuren und archäologische Funde

Im Aspi wurden Überreste einer Römerstrasse gefunden, die Aventicum und Petinesca verband. Die Ausgrabungen von 1989 lassen für Kallnach mehrere Deutungen offen: Hier könnte sich eine römische Raststätte, ein Zollposten oder eine Pferdewechselstation befunden haben. Auch im heutigen Dorfkern sind mehrere römische Gebäude bekannt, die zu einer grossen Gutshofanlage gehörten.

Ein spätantikes Gebäude am Bergweg wurde am Ende des 3. Jahrhunderts errichtet und bis ins frühe 5. Jahrhundert genutzt. Von den fünf untersuchten Räumen hatte mindestens einer bemalten Wandverputz und verglaste Fenster – ein für die Spätantike ungewöhnlich hoher Ausbaustandard. Die Funde geben damit Einblick in unterschiedliche Nutzungen und Bauweisen über mehrere Jahrhunderte hinweg.

Auf dem Geländerücken des Challnechwald liegt eine der grösseren bekannten Grabhügelgruppen der älteren Eisenzeit in der Schweiz. Ihre Datierung reicht ungefähr von 800 bis 450 v. Chr. Die vier markantesten Hügel wurden bereits in den 1870er-Jahren ausgegraben. Bei Rettungsgrabungen kam ausserdem ein rund 2500 Jahre alter goldener Ohrring zum Vorschein.

Kirche, Schürstube und Mühlengeschichte

Im Dorfzentrum bilden die Kirche, das Pfarrhaus und die Pfrundscheune, die Schürstube genannt wird, eine historische Gebäudegruppe. Die heutige Kirche wurde 1607 erbaut und steht jederzeit allen Menschen offen; sie bietet Raum für Stille und Meditation. In der Schürstube können Sie grossformatige Bilder der alten Chorfenster besichtigen, die aus dem Jahr 1627 stammen. Neben der Kirche hängen zudem zwei früher verwendete Glocken: Eine trägt die Jahrzahl 1487, die andere wurde 1691 bei Abraham Gerber in Bern gegossen.

Die ehemalige Getreidemühle an der Mühlegasse 14 hat älteste Bauteile aus dem Jahr 1640. Ihr Metallwasserrad von 1895 misst 7,5 Meter im Durchmesser und hat 54 Schaufeln; es zählt zu den grössten noch funktionierenden Wasserrädern der Schweiz. Die Mühlräume sind in ihrem alten Zustand erhalten. Einzelne Maschinen können weiterhin Mehl mahlen, und die Räume werden heute mehrheitlich kulturell genutzt.

Die MOULIN KALLNACH ist ein Kultur- und Kunstausstellungsort und bietet Räumlichkeiten für Workshops und Kurse aller Art. Einen anderen praktischen Einblick in die lokale Kultur ermöglichen begleitete Backtage im gemeindeeigenen Ofenhaus: Teilnehmende bringen ihren Teig mit, heizen den Ofen unter Anleitung, formen ihr Brot und backen es selbst.

Wald und Kulturwege

Seit 2010 besteht im Aspiwald eine 1,9 Hektar grosse Alt- und Totholzinsel. Altholz bleibt dort bewusst stehend und liegend liegen und zerfällt auf natürliche Weise; so bietet die Insel Arten, die auf Alt- und Totholz leben, einen Lebensraum. Ein Wanderweg und eine Veloroute führen direkt daran vorbei. Dort lassen sich der natürliche Zerfall des Waldes und seine Artenvielfalt aus nächster Nähe beobachten.

Der digitale Waldlehrpfad der Burgergemeinde Kallnach vermittelt Wissenswertes über die örtlichen Waldbestände und deren Vielfalt. Er besteht aus zwei Themenbereichen auf einer Route, die beim Burgerschopf beginnt und endet. Der Burgerschopf ist der Werkhof der Burgergemeinde am Haseneggenweg 18.

Der Kulturweg «Kallnach Gestern und Heute» dauert rund zwei bis drei Stunden. Bei 31 Gebäuden stehen Tafeln mit den jeweiligen Geschichten. Ein permanenter Kulturweg durch Kallnach macht ausserdem 49 Zeichnungen von Theodor von Lerber bekannt. Sie zeigen die ländliche Baukultur und Familiengeschichten der Bewohnerinnen und Bewohner. Damit können Sie für Ihren Aufenthalt unterschiedliche Schwerpunkte setzen: archäologische Geschichte, Dorfgebäude, ein längerer Kulturweg oder Beobachtungen im Wald.

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