In Castagnola treffen Wege am Luganersee auf eine vielschichtige Kulturgeschichte. Ein nahezu ebener Uferweg führt in etwa 45 Minuten nach Gandria; der Sentiero dell’olivo bietet eine andere Route zwischen den beiden Orten. Dazu kommen Parks am See und an den Hängen des Monte Brè sowie historische Kirchen, Villen und Häuser. So können Sie Ihre Tage danach ausrichten, ob Sie vor allem draußen unterwegs sein oder sich mit der Geschichte des Orts beschäftigen möchten.
Zu Fuß nach Gandria: zwei unterschiedliche Wege
Der Weg am Seeufer von Castagnola nach Gandria dauert ungefähr 45 Minuten und ist nahezu eben. Der Sentiero dell’olivo ist ebenfalls ein thematischer Spazierweg zwischen Castagnola und Gandria, weist aber 121 Höhenmeter im Anstieg und 101 im Abstieg auf. Die Angaben beschreiben unterschiedliche Wegmerkmale: Die ungefähre Dauer ist für den Uferweg angegeben, die Höhenmeter für den Sentiero dell’olivo. Wenn Sie in Castagnola starten, können Sie von Gandria mit der Buslinie 490 zurückfahren. Prüfen Sie vorab den aktuellen Routenverlauf sowie Buslinie und Haltestellen.
Auch der Sentiero di Gandria hat einen botanischen Bezug. Eine Erhebung von 2014 verzeichnete entlang des Weges 343 Pflanzenarten, darunter 54 bedrohte Arten der Schweizer Roten Liste. Im Abschnitt an der Via Cortivo in Castagnola wächst zudem Umbilicus rupestris, eine in der Schweiz vom Aussterben bedrohte Art. Das Gebiet des Weges ist im Schweizer Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung eingetragen. Das Lido San Domenico ist zu Fuß über den Sentiero di Gandria erreichbar; die Wegbedingungen können sich ändern.
Parks zwischen Seeufer und Monte Brè
Der Parco San Michele liegt in Castagnola am Fuß des Monte Brè. Sein Panorama reicht über den Golf von Lugano, das Lido und die Uferpromenade bis zum Monte San Salvatore. Im Park befindet sich außerdem eine dem heiligen Michael gewidmete Kapelle. Im Sommer wird der untere Platz für Open-Air-Konzerte genutzt. Die Kombination aus Aussicht, Kapelle und sommerlicher Konzertnutzung gibt dem Park mehr als eine Funktion, ohne dass Sie dafür eine längere Wanderung einplanen müssen.
Am Ufer des Luganersees liegt auch der Parco Villa Heleneum. Er wurde 1931 gleichzeitig mit der Villa Heleneum im Liberty-Stil angelegt. Das besondere Mikroklima begünstigt dort mediterrane Vegetation: Im Garten wachsen Zitronen-, Orangen-, Grapefruit- und Kumquatbäume sowie Dattel- und chilenische Palmen. Die Villa gilt als originalgetreue Kopie des Petit Trianon von Versailles. Von 1989 bis 2015 war sie Sitz des Museo delle culture der Stadt Lugano; das Museum ist inzwischen in die Villa Malpensata umgezogen.
Eine andere Parklandschaft bietet der terrassierte Parco degli Ulivi an den Hängen des Monte Brè. Er umfasst rund 20.000 Quadratmeter. Wege und steile Treppen führen durch Olivenbäume, Zypressen, Lorbeer und Myrten. Die Angaben zu den Treppen machen den Unterschied zum nahezu ebenen Uferweg konkret: Wenn Sie Ihre Route planen, können Sie die beschriebenen Wegmerkmale berücksichtigen, ohne beide Spaziergänge gleichzusetzen.
Kirchen, Häuser und Ortsgeschichte
Das Dorf Castagnola und die Chiesa di San Giorgio werden erstmals in einem Dokument von 1335 erwähnt. Für die Errichtung der Kirche sind die Jahreszahl 1616 oder ein Zeitpunkt nach 1618 überliefert. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde ihr Innenraum im Barockstil umgestaltet. In der Cappella della Madonna befindet sich eine Statue der Jungfrau Maria; im Beinhaus ist ein allegorisches Fresko der Totentanzprozession von Giovan Battista Discepoli, genannt Zoppo da Lugano, aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts zu sehen.
Auch Casa Carlo Cattaneo verbindet mehrere Epochen. Das Haus ist seit dem 17. Jahrhundert als Landhaus der Familie Maggi belegt. 1816 beherbergte es den polnischen Freiheitskämpfer Tadeusz Kościuszko. Carlo Cattaneo mietete das Haus 1849 von Peri und lebte dort zwanzig Jahre lang. 1980 wurde es zum Sitz des Historischen Archivs der Stadt Lugano. Diese Abfolge macht das Gebäude zu einem Ort, an dem sich unterschiedliche Kapitel der Geschichte Castagnolas und Luganos berühren.
Der Palazzo Tosetti Riva wurde im 17. Jahrhundert von der Familie Tosetti errichtet, die zu den bedeutenden Grundbesitzern in Castagnola gehörte. Sein Ostflügel entstand 1732 anstelle eines dem SS. Crocifisso gewidmeten Oratoriums. Seit 2019 beherbergt der Palazzo das Historische Archiv der Stadt Lugano und ein kleines Museum über die lettischen Exilanten Rainis und Aspazija. Wenn Sie einen Besuch des Museums planen, prüfen Sie die aktuellen Öffnungszeiten.
Villen, Gärten und Kunst
Die Geschichte von Villa Favorita beginnt um 1687: Auf Initiative von Karl Konrad von Beroldingen wurde die Villa am See in Castagnola begonnen. Ihr weitläufiger Garten wurde mit zahlreichen exotischen Pflanzen neu gestaltet. Später wandelte Hans Heinrich Thyssen-Bornemisza die Villa in eine weltweit bekannte Kunstgalerie um. Die Werke wurden 1992 endgültig in das Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid überführt. Das erzählt von der früheren Kunstgeschichte der Villa, nicht von einer heutigen Galerie dort.
Ein weiteres Kunstmotiv ist das Cavallo d’oro, inspiriert von einem symbolistischen Drama von Janis Rainis. Auf einer Seite befindet sich ein Medaillon mit dem Bildnis des lettischen Dichters und einigen Versen; die andere zeigt einen Reiter, der auf den Gipfel eines stilisierten Berges zureitet. Zusammen mit der Geschichte von Rainis und Aspazija im Palazzo Tosetti Riva ergibt sich ein eigener lettischer Bezug innerhalb der kulturellen Geschichte Castagnolas.
Anreise und Tagesplanung
Von Lugano aus erreichen Sie Castagnola mit dem Auto, dem Bus oder dem Schiff. Für einen Aufenthalt lassen sich die beschriebenen Ziele nach eigenen Interessen gewichten: Uferweg und Lido, Parklandschaften oder historische Gebäude bieten unterschiedliche Schwerpunkte. Wenn Sie Wege und Busverbindungen kombinieren, prüfen Sie die aktuellen Angaben vor der Fahrt; die Rückfahrt aus Gandria mit der Linie 490 ist eine mögliche Ergänzung zum Sentiero dell’olivo.
Weitere Reiseziele entdecken: Pregassona, Maglio Di Colla, Viganello, Aldesago.
Zur übergeordneten Reiseübersicht: Lugano.