Seit 515 prägt die Abtei Saint-Maurice. Hier besteht ununterbrochene kirchliche Tätigkeit; die Gründung gilt als älteste noch aktive Klostergründung der christlichen Welt im Westen. Ihr 1500-jähriges Bestehen wurde 2015 gefeiert. Saint-Maurice ist außerdem eine offizielle Schweizer Etappe des Pilgerwegs Via Francigena zwischen Canterbury und Rom. So treffen in der Stadt ein bedeutender religiöser Ort und eine Route zusammen, die sich über weite Teile Europas erstreckt.
Abtei und religiöse Stationen
Mit einem Audioguide können Besucher die Basilika, die archäologische Stätte der früheren Kirchen und die Schätze der Schatzkammer besichtigen. Im Kreuzgang befindet sich ein antikes Baptisterium. Die Basilika ist die neunte Kirche, die an diesem Ort errichtet wurde. Zusammen geben diese Stationen Einblick in die lange Geschichte der Abtei, ohne dass sich ihre Spuren auf ein einzelnes Gebäude beschränken.
Auch außerhalb der Abtei erzählen Kapellen von der religiösen Geschichte des Ortes. Die Chapelle de Notre-Dame du Scex ist in die Felswand geschnitten und liegt 90 Meter über Saint-Maurice. Der Aufstieg zu dem Heiligtum führt über etwa 500 Stufen. Die Chapelle de Vérolliez markiert den überlieferten Ort des Martyriums des heiligen Mauritius und seiner Gefährten aus der thebäischen Legion um das Jahr 300. Das heutige Gebäude der Église Saint-Sigismond stammt aus dem Jahr 1715.
Römische Spuren und Kulturgeschichte
Der älteste Teil von Saint-Maurice erstreckt sich entlang der Grand-Rue. Diese aus der Römerzeit stammende Hauptachse ist heute Fußgängern vorbehalten. Zum archäologischen Erbe des mit Saint-Maurice verbundenen Acaunum gehören römische Überreste, spätantike Mauern aus dem späten 4. Jahrhundert und aussagekräftige Inschriften. Funde umfassen außerdem Spuren einer bronzezeitlichen Siedlung; daneben ist eine Stadt aus römischer Epoche belegt. In Acaunum gab es eine Zollstelle, an der auf Ein- und Ausfuhren ein Zollsatz von 2,5 Prozent erhoben wurde.
Im Château de St-Maurice erzählt eine historische Ausstellung von sieben Jahrhunderten Burggeschichte. Das Château wurde außerdem zu einem Ausstellungsort für Zeichnung und illustrierte Erzählformen umgestaltet: Dazu gehören Illustration, Zeichentrick, Pressezeichnung und Comics. Im Fort de Cindey können Besucher Artillerie, Aufenthaltsbereiche der Garnison und Munitionslager in unterirdischen Stollen entdecken. Die beiden Orte eröffnen unterschiedliche Zugänge zur Geschichte: hier Burg und Ausstellungen, dort militärische Anlagen im Berg.
Felswand, Rhône und Wege
Saint-Maurice liegt am Rhôneufer am Fuß einer Felswand, zwischen dem Genfersee und den Alpengipfeln. Im Bois-Noir gibt es Lehrpfade und einen Vita-Fitnessparcours. Zum Gebiet gehören ein Heidekiefernwald, der als einer der ältesten der Schweiz gilt, sowie einer der letzten noch wilden Abschnitte der Rhône. Damit stehen neben Kapellen und Stadtgeschichte auch Wald- und Flusslandschaft im Mittelpunkt der Entdeckungen.
Eine Wanderung auf das Plateau de Vérossaz beginnt und endet in Saint-Maurice, führt an der Felswand oberhalb der Stadt entlang und ist 9,02 Kilometer lang; die angegebene Dauer beträgt etwa drei Stunden. Am 25. August 2026 war für die Strecke der Status „Fermé“ vermerkt. Prüfen Sie vor dem Aufbruch die aktuellen Bedingungen. Der Chemin de la Poya zwischen Saint-Maurice und Vérossaz wurde am 1. August 2026 vollständig wieder geöffnet; verbleibende Arbeiten sollten den Fußgängertourismus nicht behindern. Auch diesen datierten Weghinweis sollten Sie vor dem Besuch vor Ort prüfen.
Der Toblerone Trail führt von Saint-Maurice zu den Anhöhen von Lavey. Sein Verlauf folgt ehemaligen militärischen Panzersperren, dem Lauf des Courset, dem Wald und der Promenade du Rhône. Wer lieber mit dem Rad unterwegs ist, findet in der Route du Rhône 1 eine längere Verbindung: Sie führt von Andermatt über Saint-Maurice nach Genf und umfasst 350 Kilometer in acht Etappen.
Stadtbesuch und praktische Orientierung
Die digitale Erlebnisroute Balade anecdotique et ludique führt mit Rätseln und Punktaufgaben durch die Altstadt. Das Théâtre du Martolet veranstaltet regelmäßig öffentliche Aufführungen in Musik, Theater, Gesang, Tanz und Varieté. Für eine Kombination aus Geschichte und Wein verbindet das Angebot Veni, Vidi, Bibi eine geführte Besichtigung des Stadtzentrums mit einer Weinprobe im Glockenturm der Abtei. Prüfen Sie für dieses Angebot die Termine und Verfügbarkeit vorab.
Am Bahnhof Saint-Maurice gibt es 73 P+Rail-Parkplätze und einen überdachten Fahrradparkplatz mit 26 Stellplätzen. Da sich Bahnhofsanlagen ändern können, prüfen Sie aktuelle Angaben bei SBB. So können Sie die praktische Anreiseorientierung neben die Frage stellen, welche Seite des Ortes Sie besonders interessiert: Abteigeschichte, römische Spuren, Felswege oder Rhône-Landschaft.
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