Bakacak Köyü verbindet eine benennbare Alevitische Cem-Tradition mit einer vielschichtigen musikalischen Überlieferung. Vier Formen werden für Bakacak genannt: Demeler, Dûvaz-ı İmamlar, Semahlar und Mersiyeler. Wenn Sie den kulturellen Charakter des Ortes einordnen möchten, hilft die Unterscheidung zwischen Zeremonien, musikalischen Formen und einzelnen Liedbeispielen: Die Namen bezeichnen verschiedene Ebenen der örtlichen Tradition.
Cem-Musik und ihre Bezeichnungen
Zum Repertoire des Zeynel-Abidin-Ocağı von Bakacak gehörten 2012 sieben Deme-Beispiele: „Ali Gibi Er Gelmedi Cihana“, „Ey Erenler Kimse Şaha Gidemez“, „Ezel Meclisinde Kırklar Ceminde“, „Girdab-ı Gamdayım Şah Ali Merdan“, „Gel Gönül Yiyip İçelim“, „Dün Gece Bir Şehre Vardım“ und „Ezel Bahar Gelmeyince“. Dieselbe Feldforschung hielt dort drei Dûvaz-ı-İmam-Beispiele fest: „Muhammed Mustafa Ya Şah-ı Merdan“, „Hata Ettim Hüda Suçum Bağışla“ und „Şükür Ettim Niyaz Kıldım“. Im İmam-Zeynel-Abidin-Ocağı wurde außerdem der Semah „Seyithasan Semahı“ dokumentiert.
Auch die Namen der Mersiyeler geben einen konkreten Hinweis auf ihre Einordnung: In Bakacak heißen diese Trauergesänge Matem-i Hüseyin oder kurz Matem. Die bei Muharrem-Cems gesungenen Mersiyeler werden dort insbesondere Aşürleme genannt. So bleiben die Bezeichnung der Gesänge und ihr Zusammenhang mit dem Muharrem-Cem erkennbar, ohne dass die Begriffe gleichgesetzt werden.
Die in Bakacak festgehaltenen Nefes-Melodien weisen größtenteils anonyme, lokal geprägte Merkmale auf. Für die in der Region gesammelten Nefes werden im Allgemeinen Merkmale der Makam-Tonleitungsfolgen Uşşak, Hüseyni und Gerdaniye beschrieben. Damit stehen sowohl die lokale Prägung der Melodien als auch ihre musikalische Einordnung im Blick.
Ocaks und Cem-Zeremonien
In Seyithasan (Bakacak) werden unter anderem das İmam-Zeynelâbidîn-Ocağı, das Sarı-Saltık-Ocağı und das Zelil-Kalender-Ocağı genannt. Als bedeutende Alevitische Ocaks in Bakacak gelten das Zelil Kalender Ocağı und das İbrahim Halilullah-Çoban Alo Ocağı. Die Namen zeigen, dass sich die kulturellen Bezüge des Ortes nicht auf ein einziges Ocağı beschränken.
Im Zeynel-Abidin-Ocağı von Bakacak werden zwei Arten von Cem-Zeremonien unterschieden: Sorgu-Cemleri beziehungsweise Hak-Cemleri sowie Muhabbet-Cemleri. Weitere benannte Cem-Zeremonien sind Bayram Cemleri, Mihman Cemleri und Muharrem Cemleri. Sie stehen neben den zwei zuvor genannten Arten.
Historische und biografische Bezüge
Bakacak war früher auch als Seyithasan bekannt. Nachdem der Verwaltungssitz des Landkreises 1932 nach Bismil verlegt worden war, verlor Bakacak an administrativer Bedeutung. Der frühere Ortsname erklärt, warum kulturelle und biografische Bezüge teils die Form Seyithasan (Bakacak) verwenden.
Aziz Güçlü wurde 1951 im Dorf Seyithasan (Bakacak) im Landkreis Bismil der Provinz Diyarbakır geboren. Er besuchte in Bakacak die Grundschule und verbrachte dort Kindheit und Jugend. Seine Kindheit fiel in ein Umfeld, in dem Âşıklık- und Zâkirlik-Traditionen im Rahmen des Alevitischen Glaubens und der Cem-Rituale lebendig gepflegt wurden.
Eine Familie des İmam-Zeynel-Abidin-Ocağı soll Anfang des 20. Jahrhunderts aus dem Dorf Kısas in Şanlıurfa nach Bakacak zugezogen sein. Angehörige des İmam-Zeynel-Abidin-Ocağı und des Zelil-Kalender-Ocağı in Seyithasan (Bakacak) hielten 2022 weiterhin Kontakt zu Verwandten in Mossul. Das sind unterschiedliche Bezüge: ein als Überlieferung berichteter Zuzug und familiäre Kontakte, die 2022 weiterhin bestanden.
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