Wiesloch erschließt sich über unterschiedliche Kapitel seiner Geschichte: von der Fahrt Bertha Benz’ bis zu mittelalterlichen Wehranlagen und Kirchen. Wer sich für Kultur und historische Bauwerke interessiert, findet hier mehrere eigenständige Themen, die einen Aufenthalt prägen können.
Apothekengeschichte und ein Museum im Wehrturm
Am 5. August 1888 versorgte der Wieslocher Apotheker Ockel den Patent-Motorwagen von Bertha Benz und ihren Söhnen auf der Fahrt von Mannheim nach Pforzheim mit etwa drei Litern Ligroin. Dadurch wurde die Wieslocher Stadt-Apotheke als „1. Tankstelle der Welt“ bekannt. Das Museum Stadt-Apotheke bewahrt eine einzigartige Apothekeneinrichtung aus dem Jahr 1858. Auf dem evangelischen Kirchplatz steht außerdem eine Plastik von Bertha Benz.
Das Städtische Museum Wiesloch ist im mittelalterlichen Wehrturm „Dörndl“ untergebracht. Ein Schwerpunkt dort ist der Bergbau in Wiesloch, der von der keltischen Zeit bis in die 1950er-Jahre betrieben wurde. Für Kindergärten, Schulklassen und Gruppen bietet das Museum individuelle Führungen auf Anfrage an. Als Öffnungszeiten sind sonntags 14 bis 16 Uhr angegeben; prüfen Sie die Zeiten vor Ihrem Besuch.
Auch das Feldbahn- und Industriemuseum verbindet Bauwerk und Technikgeschichte. Sein denkmalgeschütztes Lokschuppengebäude befindet sich mit den Rauchfängern für Dampflokomotiven noch im Originalzustand von 1905. An den Veranstaltungstagen können Besucherinnen und Besucher mit dem „Museumsbähnchen“ auf der rekonstruierten Feldbahntrasse durch das Grüne fahren. Wenn Sie die Fahrt einplanen möchten, prüfen Sie den aktuellen Veranstaltungskalender.
Zwei Kirchen, verschiedene Bauzeiten
Die Kirche Sankt Laurentius wurde von 1745 bis 1750 erbaut und besitzt eine sehr üppige spätbarocke Ausstattung. Der Hochaltar stammt von Johann Anwander. Die evangelische Stadtkirche geht dagegen auf das 11. Jahrhundert zurück: Sie wurde als dreischiffige romanische Pfeilerbasilika erbaut. Ihre erhaltenen Turmmauern gelten als die des ältesten Kirchturms in Nordbaden. Ein Bodenfenster im Kirchenschiff gibt Einblick in die Baugeschichte.
Der Vergleich zeigt, wie verschieden die historischen Spuren in Wiesloch sind: Bei Sankt Laurentius prägt die spätbarocke Ausstattung den Blick, während an der evangelischen Stadtkirche Bauform, erhaltene Mauern und das Bodenfenster unterschiedliche Zugänge zur Geschichte eröffnen.
Wehrmauern, Stadttore und historische Gebäude
Zu den Resten der ehemaligen Wieslocher Königsburg gehören ein Wehrturm aus dem 14. Jahrhundert und Teile des Palas. Auch der Freihof steht für die mittelalterliche Geschichte: Er ist das älteste erhaltene Wohngebäude in Wiesloch; sein Hauptgebäude gehört zu einem befestigten Adelshof der Familie von Sickingen aus dem 14. Jahrhundert. Der Wehrturm Sauermillichhaffe und die angrenzenden Mauerabschnitte stammen ebenfalls aus der Mitte des 14. Jahrhunderts und sind Teil der erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauer.
Am früheren Standort des Unteren Tors erinnert heute eine Tafel an einen der Eingänge zur mittelalterlichen, mit einer Stadtmauer befestigten Stadt Wiesloch. Am Oberen Tor weisen eine Tafel und farblich hervorgehobene Fundamente im Pflaster der Fußgängerzone auf den früheren Torturm hin. Die erhaltenen Mauern und die Hinweise auf verschwundene Tore erzählen dabei verschiedene Teile derselben Stadtgeschichte. Das Alte Rathaus wurde 1713 neu aufgebaut. Ein Torbogen mit Schlussstein von 1746 markiert den früheren Eingang zur Pferdewechselstation der fürstlichen Post von Thurn und Taxis.
Weitere historische Zeichen finden sich an verschiedenen Orten der Stadt: Auf dem Marktplatz steht der Karel-Fron-Brunnen, der 1988 anlässlich der 700-Jahr-Feier errichtet wurde. Eine Gedenktafel in der Synagogengasse erinnert an die jüdische Gemeinde und symbolisiert den Versuch der Versöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg. Diese Zeugnisse ergänzen die Baugeschichte um öffentliche Erinnerung und Kunst.
Spaziergänge und praktische Planung
Wenn Sie neben den historischen Themen auch Zeit im Freien verbringen möchten, laden die Weinberge im Südwesten Wieslochs zum Wandern ein. Für das Freibad WieTalBad ist eine Saison von Mai bis September angegeben; prüfen Sie vor einem Besuch die aktuellen Öffnungstage.
Für das Museum Stadt-Apotheke sind flexible Reservierungen nach Absprache möglich, die Kosten richten sich nach dem Aufwand. Erkundigen Sie sich vorab nach der aktuellen Reservierungsmöglichkeit und den Kosten. So können Sie kulturelle Besuche passend zu Ihren Interessen planen, statt Öffnungszeiten, Führungen und Veranstaltungstage als selbstverständlich vorauszusetzen.
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