Waldstetten erschließt sich über zwei gut unterscheidbare Themen: Baugeschichte im Ort und Spaziergänge in der Umgebung. Die Pfarrkirche St. Martin, das Rathaus, Kapellen und das ehemalige Schloss stehen für unterschiedliche Bauformen und Zeiten. Spaziergänge führen unter anderem in Richtung Ellzee und zum Günzstausee sowie durch waldreiche Bereiche in Richtung Autenried und Wallenhausen.
Kirchen und historische Bauten
Die katholische Pfarrkirche St. Martin ersetzte eine ältere Kirche, die 1851 wegen Baufälligkeit abgebrochen wurde. Der Neubau entstand an derselben Stelle zwischen 1851 und 1853; die Kirche entstand 1852/53 als neuromanischer Saalbau. Ihr Chor ist eingezogen und schließt dreiseitig. Der schlanke Turm steht an der Südseite und entstand 1869. An diesem Bau lassen sich damit mehrere zeitliche Schritte unterscheiden: der Abbruch des Vorgängerbaus, die Errichtung der neuen Kirche und der spätere Turmbau.
Das Rathaus wurde 1769/71 von Franz Ignaz Anton Bagnato erbaut. Es ist ein zweigeschossiger Walmdachbau mit teilweise offenem Hochkeller. Das Obergeschoss ist in Fachwerkständerbauweise ausgeführt; über dem Dach erhebt sich ein sechseckiger Dachreiter. Früher war das Gebäude das Amtshaus des Deutschen Ordens. Seine Bauzeit und die des neuromanischen Kirchenbaus markieren unterschiedliche Kapitel der Waldstetter Ortsgeschichte.
Ein weiteres historisches Gebäude ist das ehemalige Schloss der Herren von Rechberg. Sein Baukern stammt aus dem Jahr 1587, das Dachtragwerk von 1675. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde der Bau verändert. Die Daten geben unterschiedliche zeitliche Ebenen des Gebäudes wieder: den älteren Baukern, das spätere Dachtragwerk und Veränderungen in den folgenden Jahrhunderten.
Auch die Kapellen unterscheiden sich in Form und Entstehungszeit. St. Leonhard ist ein Rechteckbau mit eingezogenem Dreiseitschluss und entstand von 1705 bis 1711 auf älterer Grundlage. Die Maria-Hilf-Kapelle ist ein kleiner Satteldachbau mit geschwungenem Giebel aus dem 18. Jahrhundert; ihre Ausstattung stammt aus dem 19. Jahrhundert. In Heubelsburg bei Waldstetten entstand 1751/52 die Kapelle St. Anna: ein kleiner Rechteckbau mit halbrunder Apsis, geschweiftem Blendgiebel und Giebelturm mit achteckigem Aufsatz.
Im Bereich der Kapelle St. Jacob befinden sich mittelalterliche und frühneuzeitliche Vorgängerbauten. Damit reicht die Baugeschichte, die sich an den benannten Orten ablesen lässt, weiter zurück als die Entstehungszeiten von Rathaus, Schloss und Kapellen.
Spaziergänge und Umgebung
In und rund um Waldstetten sind Spaziergänge und kleine Touren möglich. Ein Spaziergang kann von Waldstetten in Richtung Ellzee zum Günzstausee führen. Andere Spaziergänge verlaufen in Richtung Autenried und Wallenhausen durch waldreiche Bereiche; dabei werden auch die Salzseen genannt. Diese Richtungen setzen unterschiedliche Akzente für die Planung: der Günzstausee auf der einen, Wald und die erwähnten Salzseen auf der anderen Seite.
Etwa einen Kilometer östlich von Waldstetten liegt an der Günz ein historischer Mühlenkomplex. Er umfasst ein Wohn- und Mühlengebäude aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, Wirtschaftsgebäude aus dem 18. Jahrhundert sowie eine zugehörige Mühlenkapelle aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Der Komplex ist damit ein eigenes Ziel im näheren Umfeld und von den Bauwerken im Ort zu unterscheiden.
Für den thematischen Vergleich reichen die markanten Bauzeiten vom Baukern des ehemaligen Schlosses aus dem Jahr 1587 über Rathaus und Kapellen des 18. Jahrhunderts bis zum Neubau der Pfarrkirche im 19. Jahrhundert. Wer Waldstetten für einen Aufenthalt abwägt, kann so zwischen dem Schwerpunkt Ortsgeschichte und Spaziergängen in der Umgebung unterscheiden.
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