Die Pfarrkirche St. Remigius, das Ortswappen und erhaltene Reste von Heide- und Borstgrasflächen geben Retterath unterschiedliche kulturelle und landschaftliche Anknüpfungspunkte. Auch für die weitere Orientierung bietet sich eine klare Unterscheidung: Der Rundweg 9 führt über Retterath, während die Geschichtsstraße im weiteren Hochkelberg-Gebiet und die geologischen Zahlen zur Vulkaneifel den größeren regionalen Rahmen bilden.
St. Remigius und die Ortsgeschichte
Die Pfarrkirche St. Remigius ist ein eingetragenes Kulturdenkmal. Sie wurde zwischen 1860 und 1863 im neugotischen Stil aus Schieferbruchstein errichtet. Zu ihren Merkmalen gehören ein Rippengewölbe, teilweise erhaltene neugotische Ausstattung, eine Kleis-Orgel von 1905 und historisch rekonstruierte Wandmalereien. Bekannt ist die Kirche auch als Retterather Dom. Bauzeit, Stil und einzelne Ausstattungselemente geben dem Ort einen konkreten kulturellen Bezug.
Auch das Wappen erzählt Ortsgeschichte: Es zeigt eine fliegende weiße Taube, die einen weißen Ölkrug trägt. Beides ist ein Attribut des heiligen Remigius, des Patrons von Retterath und seiner Pfarrkirche. Im unteren Teil des Wappens finden sich Virneburger Rauten, die ebenfalls in einem Retterather Gerichtssiegel aus dem 18. Jahrhundert vorkommen. Ein weiteres historisches Thema ist das frühere Virneburger Hochgericht in Retterath. Zu ihm gehörten drei Heimburgen und sieben Schöffen. Wappen, Siegel und Gericht verweisen so auf verschiedene Aspekte der Ortsgeschichte.
Erhaltene Heide- und Borstgrasreste
Retterath gehört zu den Orten der Vulkaneifel, an denen Reste von Heide und Borstgrasrasen erhalten geblieben sind. In der Vulkaneifel sind solche Landschaften als Naturschutzgebiete geschützt und werden als Relikte historischer Landnutzung gepflegt. Der Naturbezug reicht damit von den konkreten Landschaftsresten in Retterath bis zum größeren Naturraum Vulkaneifel.
Auch die geologische Einordnung bezieht sich auf die Vulkaneifel als Ganzes: Bisher sind dort 77 Maare nachgewiesen. Außerdem wurden 350 Ausbruchszentren gezählt, davon etwa 270 aus der jüngeren Phase. Das Ulmener Maar markiert den jüngsten Vulkanausbruch der Vulkaneifel, der vor etwa 10.900 Jahren stattfand. Diese Größenordnungen geben dem Naturraum einen weiteren thematischen Rahmen, ohne einzelne geologische Merkmale Retterath zuzuschreiben.
Rundweg und Geschichtsstraße
Der Rundweg 9 führt über Retterath, Holzberg, Kläppchen, Sassen und Kolverath zurück nach Retterath. Die Abfolge bietet eine konkrete Routenorientierung. Da sich der Verlauf ändern kann, prüfen Sie vor dem Aufbruch die örtlichen Bedingungen.
Im weiteren Hochkelberg-Gebiet bietet die Geschichtsstraße einen breiten historischen Themenrahmen. Ihre zwei Hauptrouten sind zusammen etwa 54 Kilometer lang und umfassen mehr als sechzig Stationen; zusätzliche Abkürzungen und Schleifen ergänzen das Netz. Zu den Stationsthemen zählen vorgeschichtliche Grabhügel, alte Straßen, Befestigungen, Kirchen und Kapellen ebenso wie eine V1-Abschussrampe, der Luftangriff auf Kelberg von 1945, der Nürburgring, Naturdenkmäler und traditionelle Eifeler Wirtschaftsformen. Die Stationen liegen im weiteren Hochkelberg-Gebiet und sind nicht sämtlich Retterath zuzuordnen.
Die Hauptrouten umfassen Abschnitte entlang der historischen Straße vom Rhein ins heutige Belgien. Sie ist als Caesarstraße und seit dem Mittelalter auch als Alte Straß bekannt. Im weiteren Hochkelberg-Gebiet dauern geführte Geschichtswanderungen auf der Geschichtsstraße etwa zwei bis vier Stunden. Bestätigen Sie vor der Anreise, ob eine Führung verfügbar ist.
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