Mar Grande und Mar Piccolo prägen Tarent auf unterschiedliche Weise: Die Stadt liegt zwischen den beiden Meeresarmen, während sich an ihren Küsten breite Strände, Buchten und Spuren einer langen Geschichte zeigen. Wer sich für Kultur interessiert, findet Zeugnisse aus verschiedenen Epochen – von Tempelresten der Magna Graecia bis zu Museen, Kirchen und einer aragonesischen Festung. Auch die Natur gehört zum Bild der Stadt und ihrer Umgebung.
Küsten und Natur zwischen den Meeren
An der Westküste Tarents liegen breite Strände. Die Ostküste zeigt einen anderen Charakter: Hohe Dünen, mediterrane Macchia, niedrige Felsen und zahlreiche Buchten wechseln einander ab. Der Gegensatz macht die Küstenlandschaft zu einem eigenen Teil der Entdeckungen, neben den historischen Bauwerken im Stadtgebiet.
Das Mar Piccolo ist seit Jahrhunderten ein Ort der Muschelzucht in großem Maßstab. Damit ist die Meereslandschaft auch mit einer lokalen Lebensmitteltradition verbunden. Am Mar Grande bei den Cheradi-Inseln zählen Delfine, andere Wale und Delfinartige, Kolonien von Seepferdchen sowie rosa Flamingos zum beschriebenen Naturbild. In der Umgebung von Tarent liegt außerdem die etwa sieben Hektar große WWF-Oase Palude La Vela, ein geschütztes Feuchtgebiet am Mar Piccolo. Dort leben standorttreue und ziehende Vogelarten, darunter Reiher, Flamingos, Fischadler und der seltene Stelzenläufer. Welche Arten vorkommen, variiert saisonal.
Archäologie und Baugeschichte
Die Colonne del Tempio Dorico sind erhaltene Reste eines Tempels der Magna Graecia aus dem frühen 6. Jahrhundert v. Chr. Die Säulen befinden sich im Freien, sind kostenlos zugänglich und haben keine festgelegten Besuchszeiten. Das Kloster San Domenico stammt in seiner heutigen Gestalt aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. In seinem Kreuzgang sind zudem Fundamente eines griechischen Tempels bewahrt, der im 6. Jahrhundert v. Chr. auf der Akropolis der griechischen Kolonie Taranto errichtet wurde.
Auf der äußersten Südspitze der Insel, auf der Tarents Altstadt liegt, steht das Castello Aragonese. Sein Grundriss ist quadratisch; im Inneren befindet sich ein großer Hof. Die Festung wurde 1492 eingeweiht und bewahrt die vier benannten Türme San Cristoforo, San Lorenzo, dell’Annunziata und della Bandiera. Besichtigungen sind nur im Rahmen kostenloser Führungen möglich, für die Sie im Voraus reservieren müssen. Prüfen Sie die aktuellen Besuchsinformationen, bevor Sie Ihren Besuch planen.
Die Basilica Cattedrale di San Cataldo gilt als älteste Kathedrale Apuliens. In ihrem Mittelschiff treffen griechische und römische Säulen und Kapitelle auf Spuren eines mittelalterlichen Bodenmosaiks; darüber liegt eine prächtige hölzerne Kassettendecke mit Goldverzierung. Unter dem Hauptaltar befindet sich eine Krypta aus dem 10. Jahrhundert mit Fresken aus verschiedenen Epochen. Die Colonne, der Kreuzgang und die Kathedrale bieten dabei unterschiedliche Zugänge zur antiken und religiösen Geschichte Tarents.
Museen: von der Vorgeschichte bis zu lokalen Traditionen
Die Ausstellung des MArTA zeichnet die Geschichte Tarents und seines Gebiets von der Vorgeschichte bis zum frühen Mittelalter nach. Das Museum zeigt eine der größten Sammlungen von Artefakten aus der Magna Graecia, darunter die berühmten Goldfunde von Taranto. Das MuDi, das Museo Diocesano di Taranto, befindet sich in der Altstadt hinter der Basilica Cattedrale di San Cataldo. Seine Dauerausstellung ist auf drei Ebenen in sieben thematische Bereiche gegliedert und zeigt mehr als 350 Werke. Dazu gehören Silber- und Goldobjekte, die größtenteils aus dem sogenannten Tesoro di San Cataldo stammen.
Im historischen Zentrum ist auch das Museo Etnografico Alfredo Majorano im Palazzo Pantaleo aus dem 18. Jahrhundert untergebracht. Seine Themen reichen vom Tarantismus bis zu örtlichen Traditionen. Objekte zu Meer und Land, traditionellen Berufen, Spiel und religiöser Frömmigkeit eröffnen verschiedene Perspektiven auf den Alltag und das kulturelle Leben der Region. Einen anderen Schwerpunkt setzt das Museo Dal Mare: Es bietet interaktive Workshops und pädagogische Aktivitäten zu Seefahrt und Navigation für Erwachsene, Kinder, Studierende und weitere Interessierte. Prüfen Sie vorab, welche Workshops aktuell stattfinden.
Brücken, Wege und Besuchsplanung
Die Ponte di Pietra, auch Ponte Sant’Egidio Maria da Taranto oder Ponte di Porta Napoli genannt, ist eine 115 Meter lange Steinbrücke mit drei Bögen. Sie wurde 1883 erbaut und bietet Ausblicke auf Mar Piccolo und Mar Grande. Stadtbusse halten in kurzer Entfernung; prüfen Sie die Routen vor Ihrer Fahrt. Die Ponte Girevole wurde 1887 eingeweiht und vom Inneren des Castello Aragonese aus bedient – eine weitere Verbindung zwischen Stadtgeschichte und Hafenlandschaft.
Für die Colonne del Tempio Dorico gelten keine festgelegten Besuchszeiten; da sich die Bedingungen im öffentlichen Raum ändern können, ist eine kurze Prüfung vor dem Besuch sinnvoll. Zum MuDi führen die Buslinien 27 und 354.A03 sowie der Zugverkehr R. Auch hier empfiehlt es sich, die Verbindungen vor Reiseantritt zu prüfen. Wenn Sie Tarents Geschichte über das Stadtgebiet hinaus erkunden möchten, liegt der Parco Archeologico di Saturo in der Umgebung an der ionischen Küste. Zwei Wege erschließen dort die Geschichte von Saturo vom 2. Jahrtausend v. Chr. bis zu Eingriffen der Gegenwart.
Eine lebendige religiöse Tradition
Zu den besonderen wiederkehrenden Ereignissen gehört die Wallfahrt der Bruderschaft del Carmine. Sie besteht mindestens seit dem 16. Jahrhundert und ist seit der Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg die einzige von den Tarenter Bruderschaften bewahrte Tradition dieser Art. Am Gründonnerstag beginnt die Wallfahrt um 15 Uhr: Die Mitglieder gehen barfuß zu den Kirchen des Borgo und der Città Vecchia und kehren gegen Mitternacht zur Carmine-Kirche zurück. Zeiten und Route sollten Sie vor einer Reise prüfen, da die jährliche Planung maßgeblich ist.
Tarent lässt sich damit über verschiedene Interessen entdecken: über Küstenlandschaften und Natur, über archäologische Zeugnisse oder über die Kunst und Traditionen seiner Museen. Welche Schwerpunkte Sie setzen, kann auch davon abhängen, ob Sie eine geführte Besichtigung reservieren möchten, sich für ein bestimmtes Workshop-Angebot interessieren oder eine Wallfahrt erleben wollen.
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