Am Palazzo dei Pio lässt sich nachvollziehen, wie aus einer befestigten Burg über Jahrhunderte eine fürstliche Residenz wurde. Museen, Theater, jüdische Geschichte und traditionelle Balsamico-Herstellung eröffnen weitere kulturelle Perspektiven auf Carpi.
Vom befestigten Bau zur Residenz
Der Palazzo dei Pio besteht aus mehreren Gebäuden aus der Zeit vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert. Die Anlage entstand als befestigte Burg; im Lauf der Jahrhunderte kamen Rocche, Türme und Türmchen hinzu. Erst zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde sie zur fürstlichen Residenz von Alberto III Pio umgestaltet. Die unterschiedlichen Bauphasen geben dem Palazzo seine vielschichtige Geschichte: Er ist nicht das Ergebnis eines einzigen Bauvorhabens, sondern einer Entwicklung über mehrere Jahrhunderte.
Museen im Palazzo dei Pio
Die Museen des Palazzo dei Pio befinden sich in der ehemaligen Residenz der Familie Pio zwischen Piazzale Re Astolfo und Piazza dei Martiri. Sie vermitteln die Geschichte Carpis und seines Gebiets. Das Museo del Palazzo nimmt das piano nobile, das Hauptgeschoss der ehemaligen Residenz, ein und zeigt unter anderem Renaissancewerke sowie eine Sammlung von Holzschnitten. In den Sälen sind Freskenzyklen erhalten, die Giovanni del Sega und Bernardino Loschi zwischen der Mitte des 15. Jahrhunderts und den ersten Jahren des 16. Jahrhunderts geschaffen haben. Architektur, Malerei und Sammlungen lassen sich hier als unterschiedliche Zugänge zur Geschichte des Hauses betrachten.
Das Museo della Città richtet den Blick über das einzelne Gebäude hinaus: Mit seiner museografischen Gestaltung zeichnet es mehr als 35 Jahrhunderte der Geschichte des Gebiets von Carpi nach. Vier große Zeitabschnitte ordnen dabei die umweltbezogene, wirtschaftliche, soziale, politische und kulturelle Entwicklung der Stadt. Das macht es zu einem ergänzenden Zugang für alle, die nicht nur die Residenz, sondern auch Carpis Wandel über lange Zeiträume einordnen möchten.
Druckkunst, jüdische Geschichte und Erinnerung
Dem Thema Druckkunst widmet sich das Museo della Xilografia. Luigi Servolini gründete es 1936, um die Bedeutung Ugo da Carpis zu würdigen, der zu Beginn des 16. Jahrhunderts als Erfinder der Clair-obscur-Holzschnitttechnik gilt. Das Museum stellt außerdem einen Bezug zwischen Carpis Druckkunsttradition und Aldo Manuzios Aufenthalt in der Stadt am Ende des 15. Jahrhunderts her. So treffen in einem Themenfeld die lokale Kunsttradition und die Geschichte zweier Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Zeiten aufeinander.
Zur jüdischen Geschichte Carpis gehören eine Synagoge aus dem 18. Jahrhundert im Dachgeschoss des Portico del Grano und eine Synagoge aus dem 19. Jahrhundert mit angrenzenden Räumen der ehemaligen jüdischen Universität. Die Synagoge aus dem 19. Jahrhundert dient heute als Ort für Ausstellungen und Treffen der Fondazione Fossoli. Für die von der Fondazione Fossoli verwalteten Orte kann an jedem Wochentag eine Führung gebucht werden. Buchungsabläufe und Einzelheiten zu Bildungsangeboten können sich ändern; klären Sie die Details vorab.
Das Museo Monumento al Deportato vermittelt in dreizehn Sälen die Tragödie der Deportation als Ausdruck der universellen Gewalt des Menschen gegen den Menschen. Zum Rundgang gehört ein Außenhof mit sechzehn sechs Meter hohen Stelen aus Stahlbeton. In sie sind die Namen der wichtigsten europäischen Konzentrations- und Vernichtungslager eingraviert. Säle und Außenhof gehören damit zu einer zusammenhängenden Auseinandersetzung mit dem Thema des Museums.
Stadtleben und traditioneller Balsamico
Das Teatro Comunale wurde 1861 im neoklassizistischen Stil eröffnet und bewahrt einen von Giuseppe Ugolini bemalten Bühnenvorhang. Seine Bauzeit und Gestaltung bilden einen weiteren historischen Bezugspunkt neben den Museen und dem Palazzo dei Pio.
Eine andere lokale Tradition lernen Sie bei der Acetaia Comunale di Carpi kennen: Bei einem Besuch können Sie den Herstellungsprozess des traditionellen Balsamico entdecken. Die Acetaia befindet sich im Dachgeschoss des Palazzo Scacchetti aus dem 18. Jahrhundert im historischen Zentrum. Der Besuch ist kostenlos; Verfügbarkeit und Zeiten können sich ändern. Prüfen Sie diese daher vorab.
Anreise und Aufenthaltsplanung
Carpi liegt an der Eisenbahnstrecke Modena–Mantua. Das historische Zentrum ist 500 Meter vom Bahnhof entfernt. Wer mit der Bahn anreist und ein Hotel in Carpi sucht, hat damit einen konkreten Bezugspunkt für die Planung des Aufenthalts. Für die inhaltliche Auswahl können Sie sich an den verschiedenen Themen der Stadt orientieren: an der Bau- und Kunstgeschichte, den Museen, dem Theater oder der Acetaia Comunale.
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