Der Tracciolino beginnt in Romanoro auf der Betriebsstraße der Talsperre Fontanaluccia/Gazzano. Heute ist er die modenische Variante der Via Matildica del Volto Santo. Die Route von Romanoro ist 10 Kilometer lang und weist 130 Meter positiven Höhenunterschied auf. Distanz und Höhengewinn beschreiben zwei unterschiedliche Seiten der Tour und machen ihren Umfang greifbar. Wer Wanderwege nach ihren konkreten Eckdaten auswählt, findet hier eine klar bezifferte Strecke.
Eine weitere Orientierung für die Via Matildica del Volto Santo bietet Etappe 7: Von Morsiano aus folgt man nach einem Kilometer einer Straße mit Wegweisung nach Romanoro. Diese Wegbeschreibung beantwortet eine andere Frage als die Maße des Tracciolino: Sie nennt einen Punkt der Etappe und die Richtung, während bei der Romanoro-Route Länge und Höhenunterschied im Mittelpunkt stehen. So lassen sich die beiden Angaben für die eigene Planung nach Art der Orientierung unterscheiden.
Geologie der Formazione di Romanoro
Eine andere Perspektive auf Romanoro eröffnet die Formazione di Romanoro: Sie wird dem Unteren Coniacium zugeordnet und gilt als eine der ältesten bisher bekannten Flysch-Ablagerungen. Die Datierung ordnet sie einer geologischen Zeitstufe zu; die Bezeichnung Flysch verweist auf die Art der Ablagerung. Im Gemeindegebiet von Frassinoro wird die Formation als Geosit von lokaler Bedeutung geführt. Damit ergänzt die Geologie die Routenperspektive um einen eigenen Schwerpunkt: Statt Streckenwerten stehen hier Alter, Ablagerung und Einordnung im Vordergrund.
Kirchen und Oratorien
Bei der dem heiligen Benedikt geweihten Pfarrkirche von Romanoro lassen sich verschiedene Zeitangaben auseinanderhalten. Sie ist erstmals für das Jahr 1302 belegt; das heutige Gebäude stammt aus dem Jahr 1920. Portal und Struktur des Glockenturms lassen sich dagegen auf das 18. Jahrhundert zurückführen. So stehen in der Kirchengeschichte der erste Beleg, das heutige Gebäude und die Datierung zweier architektonischer Elemente nebeneinander.
Das Oratorio di Santa Scolastica stammt aus dem Jahr 1754 und weist toskanische und Renaissance-Architekturelemente auf. Hier verbindet sich eine konkrete Jahreszahl mit einer beschriebenen Formensprache. Das Oratorio dei Santi Pellegrino e Bianco in der Ortschaft I Boschi bei Romanoro stammt aus dem Jahr 1779. Die Baujahre 1754 und 1779 unterscheiden die beiden Oratorien zeitlich; bei Santa Scolastica kommt die architektonische Einordnung hinzu.
Gesungenes Theater und Kulturgeschichte
Das Maggio drammatico in Romanoro ist eine gesprochene und gesungene Bühnenform, die auf poetischen Texten in Vierzeilern und Achtzeilern beruht. Die Verbindung aus Sprache, Gesang und fest gefassten Verslängen gibt dem Maggio drammatico eine klar umrissene Form.
Die Compagnia dei Maggiarini di Romanoro führt gesungenes Volkstheater auf; dessen Tradition reicht bis in die Zeit des Risorgimento im 19. Jahrhundert zurück. 1976 traten die Maggiarini im letzten Teil von Bernardo Bertoluccis Film „Novecento“ auf. So stehen eine bis ins 19. Jahrhundert zurückreichende Theatertradition und ein konkreter Filmauftritt aus 1976 als unterschiedliche zeitliche Bezüge nebeneinander.
Parmigiano-Reggiano aus Romanoro
Parmigiano-Reggiano wird in Romanoro durch die Cooperativa Casearia Val del Dolo hergestellt – ein eigener Ortsbezug für alle, die sich auch für lokale Lebensmittelproduktion interessieren.
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