Galtellì lässt sich über unterschiedliche Spuren erschließen: eine vom Wetter geformte Felsöffnung, mittelalterliche Kirchen, eine ehemalige Kathedrale und kulturelle Traditionen in Gesang und Brauchtum. Landschaft, Baugeschichte, Museum und religiöse Praxis setzen jeweils eigene Schwerpunkte. So lässt sich ein Aufenthalt danach ausrichten, welche Seite des Ortes besonders interessiert.
Naturdenkmal und Orientierung
Sa Preda Istampada ist ein Naturdenkmal am Monte Tuttavista auf 635 Metern Höhe. Seine Form ist eine 40 Meter breite Öffnung in einer Felswand, entstanden durch Wind und Regen. Die Maße machen die geologische Besonderheit konkret: Die Höhenangabe verortet sie am Berg, die Breite beschreibt den Felsdurchbruch selbst. Damit steht neben dem historischen Erbe Galtellìs auch ein Naturmotiv, dessen Entstehung sich auf die Kräfte von Wind und Regen zurückführen lässt.
Eine konkrete Orientierung auf der Anfahrt bietet das Castello di Pontes: Wer von Nuoro über die SS 129 in Richtung Orosei fährt, sieht die Ruinen vor dem Ort Galtellì auf der rechten Seite. Bei Restaurierungsarbeiten wurden Teile der Ringmauer, eine vorgelagerte Verteidigungsanlage und ein Eckturm freigelegt, ebenso mehrere teilweise unterirdische Zisternen. Die Befunde reichen damit von Elementen der Befestigung bis zu den Zisternen innerhalb der Anlage.
Kirchen und ihre unterschiedlichen Geschichten
Im San-Pietro-Komplex stehen ein Glockenturm und zwei mittelalterliche Kirchen zusammen; eine der Kirchen blieb unvollendet. Der Komplex entspricht der ehemaligen Kathedrale der Diözese Galtellì. Hier treffen die Baugestalt eines mehrteiligen Kirchenkomplexes und seine frühere kirchliche Funktion aufeinander. Die unvollendete Kirche bildet dabei einen konkreten Unterschied innerhalb der Anlage; die Kathedralrolle gehört ausdrücklich ihrer Geschichte an.
Ein anderer religiöser Schwerpunkt ist die Kirche Santissimo Crocifisso. Sie bewahrt ein hölzernes Kruzifix aus dem Jahr 1300. Der verehrte hölzerne Christus ist zugleich Mittelpunkt einer Legende: Für die Zeit zwischen 1612 und 1667 werden ihm der Legende nach das Schwitzen von Blut und zahlreiche Wunder zugeschrieben. Pilger kommen dafür aus ganz Sardinien. Im Vergleich zur früheren Diözesanrolle und dem Baubestand von San Pietro prägen hier das verehrte Objekt und die Pilgertradition den Charakter der Kirche.
Museum und aufbewahrte Arbeitsgeräte
Das Museum Sa Domo 'e sos Marras befindet sich in einem restaurierten, zweigeschossigen Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert. In der Sammlung werden Maschinen und Werkzeuge aus Landwirtschaft und Viehzucht aufbewahrt. Dazu gehören ein horizontaler Webstuhl aus Holz und eine Kelter für Traubentrester. Diese Beispiele machen die verschiedenen Gegenstände greifbar: Neben dem breiten Zusammenhang landwirtschaftlicher und viehzüchterischer Arbeit stehen konkret benannte Geräte. Das Museum verbindet so einen historischen Gebäudetyp mit einer Sammlung aufbewahrter Arbeitsmittel.
Gründonnerstag und Gesangstradition
Auch das lokale Brauchtum hat einen klaren Kalenderbezug. Am Gründonnerstag wird in Galtellì im Rahmen der Bruderschaftstradition sa Corona gegessen: ein rundes Brot mit einem großen Kreuz in der Mitte und zahlreichen Artischocken an den Seiten. Der Tag, der Zusammenhang mit der Bruderschaft und die Form des Brotes gehören gemeinsam zu dieser Tradition. Für Reisende, deren Aufenthalt auf den Gründonnerstag fällt, verbindet sa Corona die lokale Esskultur mit einem konkreten Termin im kirchlichen Kalender.
In Galtellì kommt es außerdem noch häufig zu nahezu spontanen Aufführungen von Sos Tenores, auch Canto a Tenore genannt. Die Kunstform ist von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Zusammen zeigen sa Corona und Sos Tenores zwei unterschiedliche Taktungen des kulturellen Lebens: eine an den Gründonnerstag gebundene Speise und häufige, beinahe spontane Gesangsaufführungen. So stehen eine konkrete Kalendertradition und eine musikalische Ausdrucksform nebeneinander.
Weitere Reiseziele entdecken: Nuoro, Meana Sardo, Santa Lucia, Tonara, Cala Gonone, Mamoiada, Mamone, Sorgono.
Zur übergeordneten Reiseübersicht: Nuoro.