Bonorva bietet mehrere klar unterscheidbare Themen für eine Entdeckungsreise: prähistorische Grabstätten, mittelalterliche Ortsgeschichte und markante Landschaftsformen. Wer die Gegend auswählt, kann diese unterschiedlichen Facetten kennenlernen – von der Nekropole Sant’Andrea Priu über das Dorf Rebeccu bis zum Vulkankegel Monte Cujaru.
Grabstätten und archäologische Geschichte
Die Nekropole von Sant’Andrea Priu ist ein Grabkomplex aus 20 Domus de Janas. Sie werden dem Neolithikum und der Kupferzeit zugeordnet und in das 4. bis 3. Jahrtausend v. Chr. datiert. Die Tomba del Capo setzt einen anderen Akzent: Mit 18 Räumen zählt sie zu den größten unterirdischen Grabstätten im Mittelmeerraum. In der Spätantike und in byzantinischer Zeit wurde sie in eine Felskirche umgewandelt. Ihre Geschichte umfasst damit sowohl die Nutzung als Grabstätte als auch eine spätere religiöse Umgestaltung.
Auch die Nekropole von Sa Pala Larga ist durch ihre Dekoration bemerkenswert: Ihre originalen steinernen und gemalten Schmuckelemente aus dem Jungneolithikum sind hervorragend erhalten. Im Museo Civico Archeologico di Bonorva zeigt sich die Archäologie wiederum in einer geordneten Sammlung. Sie besteht überwiegend aus bearbeiteten Steinelementen und verteilt sich auf vier Säle sowie acht miteinander verbundene kleine Räume. Der chronologische Rundgang veranschaulicht die menschliche Präsenz in der Region; erklärende Tafeln ordnen die Funde in ihren monumentalen Herkunftskontext ein.
Rebeccu und die Quelle Su Lumarzu
Rebeccu ist ein mittelalterliches Dorf und Ortsteil der Gemeinde Bonorva. Es liegt auf einem felsigen Bergrücken über der Ebene von Santa Lucia. Die Kirche San Lorenzo stammt aus dem 12. Jahrhundert. Von Rebeccu führt außerdem ein Fußweg zur nuragischen Quelle Su Lumarzu – ein eigenständiger Bezug zwischen dem historischen Dorf und einem archäologischen Ort.
Su Lumarzu ist eine kultische Quelle aus der Nuraghenzeit. Zur Anlage gehören ein Vorhof und eine Kammer, in der sich das Quellwasser sammelt. Die kleinere Kammer besitzt ein Tholos-Dach, das durch eine große horizontale Steinplatte verschlossen ist. Vor dem Betreten des Geländes ist die Zustimmung des Eigentümers einzuholen; klären Sie diese Zugangsbedingung vor Ihrem Besuch. Im Jahresverlauf finden an der Quelle überwiegend künstlerische Veranstaltungen statt, deren Termine variieren können.
Vulkankegel, Wald und Wasserfall
Der Monte Cujaru ist ein alter Vulkan aus lockerer Basaltschlacke; seine Kraterstruktur ist noch deutlich erkennbar. Der markante Kegel erreicht 486 Meter über dem Meeresspiegel und erhebt sich 130 Meter über die umliegende Ebene. Die beiden Höhenangaben beschreiben unterschiedliche Bezugspunkte: einmal die Höhe über dem Meer, einmal den Höhenunterschied zur Ebene.
Im Parco Mariani prägt ein mediterraner Eichenwald mit Steineichen, Flaumeichen und Korkeichen die Landschaft. Hinzu kommen Quellen. Einige vereinigen sich bei Badde Mala zu einem Wasserfall, der etwa 20 Meter hoch ist. Die Landschaft bietet damit einen anderen Schwerpunkt als die Grabstätten und historischen Ortsbilder: Hier stehen Vulkanform, Wald und Wasser im Mittelpunkt.
Kirchen, Traditionen und lokale Küche
Bonorvas Geschichte zeigt sich auch an seinen Kirchen. San Giovanni Battista wurde 1174 geweiht. Die Kirche San Simeone ist mit dem gleichnamigen archäologischen Fundplatz auf der Hochebene von Campeda verbunden. In Rebeccu ergänzt San Lorenzo mit seinem Ursprung im 12. Jahrhundert die mittelalterliche Ortsgeschichte.
Zu den kulturellen Themen gehört außerdem die Reitertradition der Pariglie, die in Bonorva in den 1920er- bis 1930er-Jahren entstand. Eine weitere lokale Tradition ist das Textilhandwerk, insbesondere die Stickerei. Auf waagerechten Webstühlen werden Teppiche und Wandteppiche hergestellt. Auch die Sagra del Zichi greift eine kulinarische Tradition auf: Das Fest feiert Zichi, ein traditionelles sardisches Brot und grundlegenden Bestandteil der lokalen Gastronomie. Archäologische Orte, Handwerk und Esskultur setzen so jeweils eigene Akzente für die Beschäftigung mit Bonorva.
Weitere Reiseziele entdecken: Maristella, Campanedda, Tula, Ossi, Chiaramonti, Osilo, Nughedu San Nicolò, Villa Gorizia.
Zur übergeordneten Reiseübersicht: Sassari.