Wislikofen liegt in der Einwohnergemeinde Zurzach im Kanton Aargau und gehört zum Bezirk Zurzach. Die Grenze zu Deutschland verläuft etwa zwei Kilometer südlich. Das Ortsbild prägt die historische Propstei, deren Geschichte bis ins 9. Jahrhundert zurückreicht. 1113 wurde sie als Propstei des Benediktinerklosters St. Blasien gegründet. Heute ist sie eine historische Seminar- und Kulturstätte mit klösterlichem Charakter und dient seit 1976 als Seminar- und Bildungszentrum. Zusammen mit der Kirche ist die Propstei ein integral kantonal geschütztes Baudenkmal von regionaler Bedeutung.
Anreise und Orientierung
Der Bus 354 aus Baden oder Niederweningen fährt bis zur Haltestelle Wislikofen Dorf. Von dort sind es rund 50 Meter bis zur Propstei. Wenn Sie mit dem Bus anreisen, prüfen Sie den Fahrplan vor der Fahrt. Auch der Einstieg in einen Wanderweg befindet sich nur wenige Schritte von der Propstei entfernt. Haltestelle und Wanderweg bieten damit zwei konkrete Orientierungspunkte für die Planung rund um diesen historischen Schwerpunkt.
Propstei und Baugeschichte
Die Anlage umfasst ein rekonstruiertes Propsteigebäude, eine Kirche und ein ehemaliges Pfarrhaus. Das Pfarrhaus stammt aus den Jahren 1690/92. Zwischen ihm und dem ehemaligen Kreuzgang steht ein polygonaler Treppenturm aus dem 16. Jahrhundert. Die talseitige Nordfront der Kirche besitzt große Ovalfenster aus der Zeit um 1730. An solchen Details lassen sich unterschiedliche Bauzeiten innerhalb der Anlage ablesen: vom Treppenturm bis zu den späteren Kirchenfenstern. Die Kombination aus Propsteigebäude, Kirche und ehemaligem Pfarrhaus macht die Anlage zugleich als bauliches Ensemble verständlich.
Kirche und Kapelle
Die Kirche St. Oswald ist dem heiligen Oswald geweiht; ihr Taufstein stammt aus dem Jahr 1541. Neben den Pfarreigottesdiensten finden dort Feiern des Bildungszentrums und andere kulturelle Veranstaltungen statt. So stehen religiöse Geschichte und kulturelle Nutzung nebeneinander, ohne dass dafür ein bestimmter Veranstaltungstermin vorausgesetzt werden muss.
Die Kapelle St. Sebastian und St. Fridolin wurde von 1786 bis 1789 neu erbaut. Sie ist von regionaler Bedeutung und integral kantonal geschützt. Am Altar sind die 15 Rosenkranzgeheimnisse in bemalten Schnitzereien dargestellt. Die Kapelle ist normalerweise geschlossen; für eine Besichtigung kann der Schlüssel bei der Sigristin geholt werden. Wenn Sie die Schnitzereien sehen möchten, gehört diese Schlüsselregelung deshalb zur Besuchsplanung.
Die Alte Trotte Mellstorf
Ein weiterer Schwerpunkt der Baugeschichte ist die Alte Trotte Mellstorf, ein integral kantonal geschütztes Baudenkmal von regionaler Bedeutung. Der wuchtige, dreigeschossige Mauerbau spätgotischer Prägung bildet zusammen mit der Pfarrkirche und dem Kirchhof eine wertvolle Baugruppe. Zu den architektonischen Merkmalen gehört das steile, geknickte Halbwalmdach mit einer südseitig offenen Flugsparrenkonstruktion.
Die Trotte wurde 1671 errichtet, um aus den am Sonnenhang geernteten Trauben Wein zu keltern. Wislikofen war bis weit ins 20. Jahrhundert landwirtschaftlich geprägt; die historische Funktion der Trotte zeigt eine konkrete Nutzung dieser Vergangenheit. Im Obergeschoss werden Kulturgüter aus der Umgebung gezeigt, vorwiegend aus Landwirtschaft und Handwerk. Besichtigungen des Museums für Landwirtschaft und Handwerk werden telefonisch vereinbart. So verbindet der Besuch zwei unterschiedliche Fragen: Wie wurde das Gebäude genutzt, und welche Gegenstände aus der Umgebung geben Einblick in Landwirtschaft und Handwerk?
Propstei und Trotte setzen unterschiedliche Akzente: Hier stehen klösterliche Geschichte, Kirche und Bildungsnutzung im Mittelpunkt, dort Bauform und landwirtschaftliche Nutzung. Die Kapelle ergänzt den Vergleich um einen religiösen Schwerpunkt.
Weitere Reiseziele entdecken: Tegerfelden, Bad Zurzach, Böttstein, Koblenz, Endingen, Siglistorf.
Zur übergeordneten Reiseübersicht: Zurzach.