Mit einer maximalen Steigung von 87,8 Prozent ist die Ritom-Standseilbahn ein eindrucksvoller Auftakt zur Leventina. Sie wurde 1917 gebaut und 1921 für Fahrgäste geöffnet. Heute verbindet sie Piotta auf 1.010 Metern mit Piora auf 1.796 Metern; die Fahrt dauert etwa zwölf Minuten. Oben liegt das Seenplateau im Val Piora mit dem Lago Ritom und weiteren Bergseen. Die Fahrpläne sind saisonal – prüfen Sie die Zeiten daher vor Ihrer Fahrt.
Vom Seeufer zu alpinen Routen
Eine Wegbeschreibung führt von der Ritom-Hütte über die Staumauer, dann auf einer Schotterstraße am Lago Ritom entlang und anschließend hinauf zum Lago Tom. Entlang des Weges können Sie saisonal Murmeltiere beobachten; Sichtungen sind nicht garantiert. Vom Weg am Lago Tom lässt sich der Lago Cadagno in etwa 30 Minuten weitergehend erreichen. So können Sie den Ausflug am Seeufer um eine weitere Etappe ergänzen. Die Wegverhältnisse können variieren.
Eine andere alpine Perspektive bietet der geotouristische Weg mit zwei unterschiedlichen Routen: Die flachere Tremorgio-Route verläuft entlang des gleichnamigen Sees; die anspruchsvollere Campolungo-Route führt durch alpines Gelände. Am Campolungo sind kristalline Gesteine, marine Sedimente und weiße Adern aus Dolomitmarmor zu sehen. Der Weg führt dort bis auf 2.250 Meter zur Capanna Leìt. Damit unterscheiden sich die beiden Routen nicht nur durch ihren Verlauf am See oder im alpinen Gelände, sondern auch durch das, was Sie unterwegs über die Geologie entdecken können.
In der gesamten Leventina stehen mehr als 650 Kilometer Wanderwege bereit: Das Spektrum reicht von einfachen Wanderungen im Talboden bis zu technisch anspruchsvollen Gipfeltouren. Die panoramische Strada Alta Leventina führt als Höhenweg von Airolo in Richtung Biasca. Auch die Landschaft wechselt von Norden nach Süden deutlich: Auf Nadelwälder und alpine Bedingungen folgt eine fast mediterrane Ebene mit Weinbau. Die Piottino- und die Biaschina-Schlucht gliedern die Region in obere, mittlere und untere Leventina.
Dörfer, Kirchen und Verkehrsgeschichte
Giornico gilt als das am besten erhaltene Dorf der Leventina. Alte Steinhäuser und gepflasterte Straßen prägen den Ortskern; zwei Bogenbrücken führen über den Ticino. Die romanischen Brücken verbinden die einzige bewohnte Insel im Fluss. Bei einer geführten Tour kommen außerdem die Überreste einer alten Burg, die Kirche Santa Maria aus dem 12. Jahrhundert mit ihren Fresken und das Denkmal für die Schlacht von Sassi Grossi von 1478 in den Blick. Die Kirche San Nicola gilt als eines der schönsten romanischen Beispiele im Tessin. Die Verfügbarkeit geführter Touren kann variieren, daher empfiehlt sich eine Bestätigung vorab.
Im Museo di Leventina in der Casa Stanga treffen Alltags- und Verkehrsgeschichte aufeinander. Zur Sammlung gehören Themen wie Volksreligiosität, sakrale Kunst, Hauswirtschaft, Handwerk und Verkehr. Dokumentationen aus dem 19. Jahrhundert befassen sich unter anderem mit Aus- und Einwanderung, dem Bau der Gotthardbahn, Viehzucht und Landwirtschaft. Eine moderne interaktive Dauerausstellung widmet sich der Geschichte, Identität und Kultur des Tals. Die Verkehrsausstellung spannt einen zeitlichen Bogen von frühen Siedlungswegen über Saumpfade für den Warentransport bis zum modernen Verkehr; ihre Verfügbarkeit richtet sich nach den Besuchsregelungen des Hauses.
Auch die Verkehrswege selbst erzählen von der Rolle der Leventina als Nord-Süd-Transitregion: Die alte Gotthardstraße, die Gotthardbahn und die Autobahn A2 haben sie geprägt. In Bodio liegt das Südportal des Gotthard-Basistunnels. Für die räumliche Einordnung umfasst der Bezirk Leventina sowohl das Valle Leventina als auch das Val Bedretto; das Leventina-Tal reicht von Airolo am Gotthardpass südwärts bis Biasca und wird vom Ticino durchflossen.
Winterrouten und regionale Kostproben
Im Skigebiet Airolo-Pesciüm gibt es mehr als 30 Kilometer Ski- und Snowboardpisten zwischen 1.175 und 2.250 Metern Höhe sowie mehr als 27 Kilometer Schneeschuhwege. Beide Angebote sind saisonal. Langlaufloipen gibt es in Bedretto, Prato Leventina und Dalpe; in Prato Leventina sind sie abends beleuchtet. Diese verschiedenen Winterangebote machen deutlich, dass sich die Aktivitäten je nach Ort und Art der Route unterscheiden.
Für eine längere Tour verbindet die 13 Kilometer lange Strada degli Alpi Bedretto Airolo und Ronco auf etwa 1.700 bis 1.800 Metern Höhe. Zu den Stationen gehört die Alpe Cristallina auf 1.800 Metern, wo saisonal vor Ort produzierter frischer Käse angeboten wird. Von Ronco können Sie mit dem Postauto nach Airolo zurückkehren; die Fahrpläne sind veränderlich. So verbindet die Route eine alpine Trekkingstrecke mit einer regionalen Kostprobe und einer benannten Rückfahrtmöglichkeit.
Weitere Reiseziele entdecken: Piotta, Bedretto, Airolo, Lavorgo, Dalpe, Sobrio, Cavagnago, Chironico, Faido, Bodio Ti, Giornico, Anzonico, Quinto Ti, Prato, Campello.
Zur übergeordneten Reiseübersicht: Tessin.