Am Ufer des Bielersees treffen in Neuenstadt ein mittelalterliches Stadtbild und eine Landschaft aus Rebbergen, Bergen und Uferpartien aufeinander. Der Ort wurde 1312 gegründet. Türme, Häuserreihen, Gässchen und Brunnen erzählen von seiner Geschichte; Wege, Wein und See eröffnen weitere Perspektiven auf die Umgebung.
Türme, Häuser und Stadtgeschichte
Der Tour Rouge, nördlich der Altstadt, ist der Uhrturm von Neuenstadt. Im Süden bildet der Tour de Rive den Zugang zur Altstadt. Für den Tour Carrée war einst eine Basilika vorgesehen, doch das Vorhaben kam infolge der Reformation nicht zustande. Auch das Château du Schlossberg prägt die Ortsgeschichte: Es wurde von 1283 bis 1288 erbaut und war bis ins 16. Jahrhundert die Residenz des Kastellans. Restauriert wurde es 1884 und 1931. Château und Gärten können nicht besichtigt werden.
Einige historische Häuser machen ihre frühere Nutzung oder Gestaltung besonders anschaulich. Die Maison des Dragons wurde 1757/1758 für den Stadtschreiber David François Chiffelle (Tschiffeli) errichtet; drachenförmige Wasserspeier gaben ihr den Namen. An der Fassade der Maison des Vignolans stehen Wappenschilde mit Rebmessern, Weinreben und Trauben als Zeichen des Weinbaus. Die beiden Fontaines du Banneret stammen aus dem Jahr 1550 und wurden von Laurent Péroud aus Cressier im Kanton Neuenburg geschaffen.
Im Musée d’Art et d’Histoire von La Neuveville geht es um die Geschichte und die Einwohner des Orts. Das 1875 gegründete Museum ist im ehemaligen Rathaus aus dem 14. Jahrhundert untergebracht. Zu den Ausstellungsstücken zählen mittelalterliche Stadtbanner und Kanonen, die neuveviller Soldaten 1476 in der Schlacht bei Murten von den Truppen Karls des Kühnen erbeuteten. Hinzu kommen neolithische Gegenstände aus Seeufersiedlungen am Bielersee und Landolt-Kachelöfen aus dem 18. Jahrhundert in den lokalen und Zunftzimmern.
Auch sakrale Kunst und Architektur gehören zum historischen Bild: Die Blanche Eglise ist der älteste Ort der Anbetung in La Neuveville und enthält Fresken aus der zweiten Hälfte des 14. sowie vom Beginn des 15. Jahrhunderts. Die katholische Kirche Notre Dame de L’Assomption besitzt reichhaltige Glasfenster und einen Altar aus facettiertem Plattenglas von Isabelle Tabin Darbellay. An der Rue du Collège Nr. 14 bewahrt ein Haus eine eingravierte Tafel mit den Initialen Jesu und Marias, die etwa um 1500 entstand.
Weinbau und lokale Traditionen
Die Rebberge gehören ebenso zum Charakter Neuenstadts wie die Altstadt. Das Weinbaugebiet eignet sich für Chasselas, Chardonnay und Rebsorten aus der Pinot-Familie. Das Vignoble de la ville de Berne baut Chasselas und Pinot noir nach BIOSUISSE-Richtlinien an; es erstreckt sich am Bielersee zwischen La Neuveville und Schafis. Etwa ein Dutzend Winzer öffnen ihre Keller auf Anfrage für eine Weinprobe oder einen Aperitif. Bei Cave Auberson & fils gehören Besichtigungen und Weinproben zum Angebot; die Terrasse in den Weinbergen bietet Ausblicke auf den See und La Neuveville. Die Familie Auberson bietet außerdem Aperitifs mit regionalen Produkten und Weinen des Weinguts an.
Ein historischer Ort für Wein ist La Cour de Berne. Das Gebäude wurde 1631 erbaut; Mönche vinifizierten dort die Ernte und lagerten den Wein bis 1797. Heute dient La Cour de Berne als Keller für Weinproben und Empfänge, außerdem ist dort eine große historische Weinpresse zu sehen. Das Fête du Vin de La Neuveville setzt die Weintradition als Fest fort: Es findet jedes Jahr am zweiten Septemberwochenende statt. Bei der Veranstaltung gibt es zahlreiche lokale Weine zur Verkostung und mehr als 30 kulinarische Spezialitäten.
Rundwege, See und Erlebnisse draußen
Die etwa vier Kilometer lange Balade de la Sorcière beginnt und endet am Bahnhof von La Neuveville; eine Informationstafel dort erklärt den Rundweg. Die Route führt durch Wald und Rebberge zu einem Pavillon und eröffnet Ausblicke auf die Alpen und den Bielersee. Vom Pavillon aus reicht der Blick über La Neuveville und Cerlier bis zur Île Saint-Pierre. Zur botanischen Balade gehört ein didaktisches Kartenspiel, das saisonale Wildpflanzen erklärt, die die Hexe in ihrem Alltag nutzt.
Eine weitere Route im näheren Umfeld führt zu den Chutes du Pilouvi. Sie verläuft zwischen Lignières und La Neuveville am Ruisseau de Vaux entlang, durch die Schluchten der Combe du Pilouvi und mit Ausblicken auf die Wasserfälle. Auf halber Strecke steht ein Picknicktisch. Für Wanderungen rund um La Neuveville gibt es außerdem Wege durch Rebberge und dichte Wälder sowie Uferwege am Bielersee. Der Chemin des Vignes im näheren Umfeld eignet sich für Kinderwagen und Rollstühle.
Am Bielersee sind im Sommer Stand-up-Paddling, Kajakfahren, Windsurfen, Fahrten mit aufblasbaren Booten und Angeln möglich. La Neuveville ist zudem Ausgangspunkt für eine Bootsfahrt zur Île Saint-Pierre. Wer lieber am Ufer bleibt, findet unterschiedliche Möglichkeiten: Die Plage Saint-Joux ist frei zugänglich und verfügt über Picknickbereich und Toiletten, außerdem über Beachvolleyballfeld, Grillplatz, Restaurant, schattige Terrasse, Pumptrack, Tischtennistische und einen Verleih von Stand-up-Paddle-Boards. Nahe dem historischen Zentrum liegt La Plage, ein familienfreundlicher Strand mit Umkleide, Spielplatz, schattiger Terrasse und Restaurant.
Für eine andere Art der Entspannung verbindet Sauna Etana eine holzbefeuerte Saunakutsche mit einer Entspannungskuppel und der Möglichkeit zum Baden im See. In der Saunakutsche finden bis zu zwölf Personen Platz. So stehen neben den Wegen durch Rebberge und Wälder auch Angebote am Wasser und rund um das Wasser zur Wahl.
Führungen und Rundtouren
Bei „Tours et détours du guet“ verkörpert eine Erzählerin den früheren Nachtwächter von La Neuveville. Die Führung verbindet Geschichten mit einem Rundgang zu den Orten, an denen sich die Ereignisse zugetragen haben. Sie wird auf Französisch angeboten und erfordert eine Reservierung. Eine allgemeine Führung durch die Altstadt dauert eine Stunde; die kombinierte Führung durch Museum und Altstadt dauert 1,5 Stunden und muss über die Touristeninformation reserviert werden. Auch die Polizeiführung „Qui a tué le Lieutenant Jacquat?“ hat einen literarischen Ausgangspunkt: Sie folgt einer Ermittlung nach dem Roman „Le Fourmi-Lion“ von Jacques Hirt.
Wer längere Strecken einbeziehen möchte, kann zwei unterschiedliche Routen in den Blick nehmen. Eine Rundtour verbindet La Neuveville mit Le Landeron und quert die Kantonsgrenzen zwischen Bern und Neuenburg. Der Circuit des plus beaux villages von Büren an der Aare nach La Neuveville ist 27 Kilometer lang; eine weitere Route dieses Namens beginnt in La Neuveville und endet in Le Landeron. Die verschiedenen Distanzen und Start- und Endpunkte geben Ihnen konkrete Anhaltspunkte, um eine Tour nach dem gewünschten Streckenverlauf auszuwählen.
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