Die klassizistische Kirche St. Karl Borromäus von 1846 prägt mit ihrem Turm die bäuerlich geprägte Silhouette von Ernetschwil. Der Ort liegt am Südhang des Rickenpasses im Wahlkreis See-Gaster des Kantons St. Gallen. Hier lässt sich ein Blick auf die Dorfgeschichte mit einer genau beschriebenen Wanderung verbinden.
Ein Ort mit langer Geschichte
Ernetschwil wurde erstmals 885 schriftlich erwähnt. Eine Urkunde des Klosters St. Gallen nennt es als erstes Dorf der heutigen Einheitsgemeinde Gommiswald. Die frühere politische Gemeinde Ernetschwil fusionierte am 1. Januar 2013 mit Rieden zur Gemeinde Gommiswald; seither gehört die Ortschaft zur Einheitsgemeinde. Die beiden Daten erzählen von unterschiedlichen Zeitebenen: der frühen schriftlichen Erwähnung und der jüngeren kommunalen Neuordnung.
Kirche, Pfarrhaus und Käsereigebäude
Die Kirche St. Karl Borromäus ist klassizistisch geprägt und besitzt einen hohen Chorscheitelturm. Im Kirchbezirk stehen Kirche und Pfarrhaus nebeneinander auf einer Ost-West-Achse. Das zweigeschossige Pfarrhaus trägt ein Walmdach und Quergiebel an beiden Längsseiten. Zusammen mit dem Käsereigebäude, das ebenfalls besondere architekturhistorische Qualitäten aufweist, bietet es weitere Anhaltspunkte für einen Blick auf die Bauten des Ortes. So stehen unterschiedliche Bauaufgaben nebeneinander: Kirche, Pfarrhaus und Käsereigebäude.
Auch die Geschichte der Pilgerwege gehört zum Ernetschwiler Hintergrund. Früher boten mehrere Gaststätten Pilgern auf dem Weg über den Ricken nach Einsiedeln Unterkunft und Verpflegung. Die Widmung der Pfarrkirche wird mit einer Pilgerreise von Kardinal Karl Borromäus in Verbindung gebracht: 1570 ritt er auf seiner Reise durch Ernetschwil. Diese Verbindung bleibt ein eigener historischer Bezugspunkt neben der langen Ortsgeschichte.
Hügellandschaft und besondere Bachformen
Ernetschwil liegt zwischen Hügeln und Wäldern in einer stark landwirtschaftlich geprägten Landschaft. An einigen Stellen gibt es Ausblicke auf die Glarner Alpen, grosse Teile der Linth-Ebene und den oberen Zürichsee. Die Aussicht ist also nicht als durchgehendes Panorama zu verstehen; sie eröffnet sich an ausgewählten Stellen. Südlich von Ernetschwil, im näheren Umfeld, haben sich der Ernetschwilerbach und ein Seitenbach tief in eiszeitlich gebildete Terrassen eingegraben. Diese bestehen aus Moränen, Schottern sowie Sumpf- und Stillwasserablagerungen über Molasseuntergrund.
Im Böllenbergtobel zeigen sich weitere markante Formen des Bachlaufs: An steilen Abschnitten gibt es kleine Wasserfälle und Becken mit herausgewaschenen Strudellöchern. Die Landschaft lässt sich damit aus zwei Blickwinkeln betrachten: als hügeliges, bewaldetes und landwirtschaftlich geprägtes Umfeld sowie anhand der geformten Bachläufe und ihrer geologischen Umgebung.
Wanderung vom Kloster Berg Sion
Eine leichte Wanderung führt vom Kloster Berg Sion hinunter nach Ernetschwil. Sie ist 2,7 Kilometer lang und dauert 45 Minuten. Unterwegs führt die Route an der Kapelle Felix und Regula vorbei; in der Kapelle befinden sich Statuen der beiden Heiligen. Damit verbindet die Wanderung eine klar bemessene Gehzeit mit einem konkreten religiösen Bezug. Wenn Sie einen Aufenthalt planen, können Sie diesen Weg als eigenen kurzen Wanderbaustein betrachten und ihn von den architekturhistorischen Schwerpunkten im Ort unterscheiden.
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